Ausbildung zum Künstler: Was läuft schief an Kunsthochschulen?


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Kunst gilt gemeinhin als brotlos und die Wirschaftskrise verschärft das Problem noch. Liegt das nun an der Kunst selbst oder an einer schlechten Ausbildungspolitik? artist

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Anke Ernst anke-ernst_index-magazin_dusseldorfAnke Ernst ist Chefredakteurin des Düsseldorfer Kunstmagazins INDEX und freiberufliche Journalistin für Reise, Kunst und Kultur.

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Brotloses Studium?

Als ich noch studierte, und zwar ein vermeintlich brotloses geisteswissenschaftliches Studium, wurden des Öfteren Berufsvorschläge wie Taxifahrerin oder Platzanweiserin an mich herangetragen. Der härteste Kommentar war Folgender: “Wenn Du später sowieso Kinder kriegen willst, ist es eine Unverschämtheit, dass Du studierst. Du kostest den Staat nur Geld und sitzt nachher doch nur zu Hause.”

Über die Logik dieses Kommentars, sofern er eine enthält, lässt sich streiten, aber ich möchte es genau wissen: Wie viel Geld habe ich den Staat gekostet? Der Kulturfinanzbericht 2012 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder erklärt mir auf Seite 64, dass er im Jahr 2009 satte 6.200 € pro Student ausgegeben hat.

Kunst-Studenten kosten mehr

Vermutlich gibt es wenige Studierende an Kunstakademien, die noch nie in eine ähnliche Diskussion verwickelt worden sind. Dazu kommt, dass jeder Kunststudent im Jahr 2009 den Staat mehr als doppelt so viel kostete wie ein “gewöhnlicher” Studierender – nämlich 13.700 €.

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In Nordrhein-Westfalen, so heißt es weiter in der Studie, sind wir sogar sehr viel ausgabefreudiger als in anderen Bundesländern: Die öffentlichen Ausgaben für Kunsthochschulen 1995 bis 2009 beliefen sich in NRW auf 94,2 Millionen Euro.

Warum wir Künstler brauchen

Künstler sind für eine Gesellschaft essenziell. Der Mensch braucht Ästhetik, mindestens im weitesten Sinne, sonst fehlt ihm ein Teil seiner selbst. Unsere Gesellschaft ist auf Menschen, die die Werte eines kritischen, unabhängigen Geistes, Ästhetik und Authentizität über diejenigen des finanziellen Erfolgs stellen, angewiesen.

Oder um es mit den Worten einer Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf zu formulieren: “Künstler sind wichtig für die Gesellschaft, gerade weil sie Dinge reflektieren und ausdrücken, die zu reflektieren andere Menschen keinen Sinn mehr haben, oder die vielen Menschen verschlossen bleiben und die durch die Kunst vor Augen geführt werden.”

Mehr Studierende als Kapazitäten

Dabei spielt Geld auch in der Kunstwelt eine wesentliche Rolle, und es liegt vermutlich an finanziellen Gründen, dass die Kunstakademie Düsseldorf im Laufe der Jahre immer mehr Studierende pro Jahrgang aufgenommen hat. Im Sommersemester 2013 studierten 577 Haupthörer an der Akademie, das sind über die Hälfte mehr als im Jahr 2004 mit 367 Studierenden.

Mehr Studierende bedeuten mehr Geld. Aber es bedeutet auch Platzmangel. So wurde der Orientierungsbereich ausgebaut, um die immer zahlreicher werdenden Studierenden zu beherbergen, wodurch auch weniger für das Kunststudium geeignete Kandidaten einen Studienplatz erhalten.

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Der Kunstmarkt wird überschwemmt

Die Konsequenz einer solchen Strategie ist ein Kunstmarkt, der mit Künstlern und Kunstwerken übersättigt ist: Nur 2 bis 5 % der Absolventen einer deutschen Kunstakademie können später von ihrer Kunst leben.

In der “Kunstzeitung” forderte Herausgeber Karlheinz Schmid in einem “Zwölf-Punkte-Programm zur Neuordnung im Kunstbetrieb” unter Punkt 1, “die Zahl der Kunsthochschulen sinnvoll (zu) verringern, die Ausbildung strengeren Kriterien (zu) unterwerfen, um auch weniger Menschen in die Arbeitslosigkeit und in die Armut zu treiben, was volkswirtschaftlich unverantwortlich ist.”

Unverantwortliche Ausbildungspolitik

Dass die Absolventen nicht aus dem Vollen schöpfen werden, ist dem Gesetzgeber durchaus bewusst. So besagt § 50 Absatz 3 des Kunsthochschulgesetzes NRW bereits, dass das Lehrangebot so organisiert werden soll, “dass das Studium auch als Teilzeitstudium erfolgen kann”.

Diese Schattenseiten der Künstlerexistenz werden den Studienanfängern jedoch nicht vermittelt. Und so stehen nun nicht mehr, wie in der Vergangenheit, künstlerische Ansätze im Vordergrund kunstakademischer Auseinandersetzungen. Es ist vielmehr die Diskussion, wer eigentlich ein Künstler ist. Und ab wann? Braucht er eine Ausbildung, nur den Raum, sich zu entfalten, oder ist er es schon per se?

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