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Arbeitslosenversicherung für Selbständige- 3/3: Wann lohnt die Versicherung?



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Top20 deutscher Bloggerinnen, referenziert in ZEIT, Wikipedia & Blogger-Relevanz-Index, Seit 15 Jahren Wandel der Arbeitswelt: Beratung, Bücher, News-Dienst Best of HRSeminare & Locations.
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Um es gleich vorweg zu sagen: Die Arbeitslosenversicherung eignet sich jedenfalls nicht, um sich bei jeder Auftragsflaute alle paar Monate arbeitslos zu melden. Das hat gleich mehrere Gründe: Man darf sich pro Leistungszeitraum nur begrenzt arbeitslos melden. Und es ist schlicht zu bürokratisch.

Arbeitslosenversicherung für Selbständige- 3/3: Wann lohnt die Versicherung?


Hier schreibt für Sie: Simone Janson, deutsche Top20 Bloggerin, Auftritte in ARD, gelegentlich Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR - Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

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Nur zweimal ALG beantragen

Arbeitslosenversicherung klingt super: Jedes mal, wenn man längere Zeit ohne Aufträge ist, geht man zur Arbeitsagentur, meldet sicher arbeitslos, bekommt Geld.. hurra! Doch stopp, so einfach ist das natürlich nicht! Als Selbständiger können Sie überhaupt nur zweimal Arbeitslosengeld beantragen.

Danach haben Sie nur wieder neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld I wenn Sie in den zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung mindestens 360 Tage lang Beiträge gezahlt haben – ob als Selbstständiger oder Angestellter ist dabei egal!

Gewerbe usw. komplett abmelden

Schließlich müssen Sie, um das Arbeitslosengeld I beantragen zu können, Ihre selbständige Tätigkeit aufgeben, etwa indem Sie Ihr Gewerbe abmelden.

Das wäre jedes mal, gerade auch wegen der Krankenversicherung, mehr als umständlich.

Lohnt sich nur für höher Qualifizierte

Während die gesetzliche Arbeitslosenversicherung in den vergangenen Jahren mit monatlichen Beiträgen um die 20 Euro ausgesprochen günstig war, hat sich das mit der Erhöhung 2011 und der für 2010 geplanten Erhöhung geändert.

Zwar ist die gesetzliche Arbeitslosenversicherung vermutlicht immer noch sinnvoller als private Versicherungsangebote. Allerdings lohnt sich die gesetzliche Pflichtversicherung, die ja immerhin auch für fünf Jahre bestehen bleibt, vor allem für diejenigen, die von der Arbeitsagentur in eine höhere Qualifikationsstufe eingeordnet werden.

Restanspruch auf Arbeitslosengeld

Auch wenn Sie nur eine vorübergehende Selbstständigkeit planen und einen vorhandenen Anspruch auf Arbeitslosengeld schon einmal geltend gemacht, aber noch nicht ausgeschöpft haben, ist die freiwillige Arbeitslosenversicherung nicht sinnvoll. Sie behalten nämlich Ihren Restanspruch auf Arbeitslosengeld aus dem alten Job vier Jahre lang – vom ersten Antrag auf Arbeitslosengeld an gerechnet. In diesem Fall können Sie das Geld sparen.

Kein Grund, auf einen Antrag hinauszuschieben, ist es dagegen, wenn Sie aus einem kürzlich gekündigten Arbeitsverhältnis Anspruch auf ein deutlich höheres Arbeitslosengeld haben, als Sie es als Selbstständiger bekommen würden: In einem solchen Fall gibt es einen faktischen Bestandsschutz auf den höheren Anspruch.

Problem Qualifikationsgruppen

Problematisch kann die Arbeitslosenversicherung auch und gerade für die höher gestellten Qualifikationsgruppen sein. Denn entscheidend ist nicht, in welche Qualifikationsgruppe man laut Werdegang gehört, sondern in welche Qualifikationsgruppe einen die Arbeitsagentur zur vermittlung einstuft. Es kann also durchaus sein, dass die Arbeitsagentur einen Hochschulabsolventen in die Gruppe ohne Ausbildung steckt, wenn sie einen sonst nicht anders vermitteln kann.

Und schlimmer noch: Karrierecoach Svenja Hofert berichtet in Ihrem Karrierblog von Frau Müller, Führungskraft, die, arbeitslos nach der Elternzeit, offenbar völlig wahllos in die niedrigste Qualifikationsgruppe eingestuft wurde und deshalb auch nur ein entsprechend niedriges Arbeitslosengeld erhielt. Offenbar hatte die Arbeitsagentur weder die Zeugnisse von Frau Müller begutachtet noch anderwertig die Qualifikationen abgefragt. Für Hofert legt das die Vermutung nahe "dass oft einfach so und aufs Blaue hinein eingestuft wird", denn sie hat noch mehr solcher Fälle recherchiert, deren "Opfer" meist Frauen sind.

Fazit: Erstmal durchrechnen

Selbständige, die eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließen wollen, weil die Konditionen auf zugegeben auf den ersten Blick recht gut erscheinen, sollten nochmals durchrechnen, ob das wirklich sinnvoll ist.

Und bedenken: Arbeitslosengeld gibt es überhaupt erst, wenn man die Selbständigkeit beendet bzw. das Gewerbe abgemeldet hat - und nicht schon bei jeder kleineren und größeren Auftragsflaute.

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  1. Simone Janson

    Danke. Und wenn dann noch 2010 und 2011 die gepanten Erhöhungen der Beiträge hinzu kommen... wobei ich Soziale Absicherung prinzipiell eine gute Sache finde, allerdings muss man sich halt überlegen, ob man sich im Bedarfsfall den Stress antun mit der Agentur antun will. Und wie gesagt, wenn die Beiträge noch steigen...

  2. Lennard

    Ein sehr interessanter Beitrag. Bislang bin ich davon ausgegangen, dass sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung in jedem Fall der Selbstständigkeit lohnt, aber das dies bei kurzfristiger Selbstständigkeit nicht lohnt, ist jetzt auch aufgrund dieses Artikels für mich nachvollziehbar.

  3. Simone Janson

    Frisch gebloggt: Arbeitslosenversicherung für Selbständige: Wann lohnt die…

  4. KompetenzPartner

    Arbeitslosenversicherung für Selbständige: Wann lohnt die Arbeitslosenversicherung – und wann ni...

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