Arbeiten in Kunst und Kultur: Was bringt ein Studium der Geistes- und Kulturwissenschaften?


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Viele träumen von einem Studium, das in erster Linie den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten entsprechen soll. Die sichere Existenz und die Höhe des Einkommens sind zunüchst zweitrangig. Sind Geistes- und Kulturwissenschaften die richtige Wahl?

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Vom Wunschstudium zum Traumjob?

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Ob das Wunschstudium dann später einen erfolgreichen Berufseinstieg und die Basis für eine sichere berufliche Existenz verspricht, ist zunächst zweitrangig. Persönlicher Freiraum ist wichtiger als Sicherheit und eine starke Identifikation mit dem Fach wichtiger als ein hohes Einkommen. Insbesondere den Studiengängen in den Bereichen Kunst-, Geistes- und Sozialwissenschaften haftet das Image einer brotlosen Kunst an, die fast zwangsläufig in unsichere, schlecht bezahlte und oft nur befristete Jobs münde.

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Wer trotz der üblichen Ratschläge und Warnungen ("Kind, studier doch was Gescheites") ein Studium in diesen Bereichen beginnt, begibt sich jedoch nicht zwangsläufig auf eine Einbahnstraße: Manche schaffen es trotz aller widrigen Umstände, von ihrem Traumberuf zu leben. Andere suchen und finden frühzeitig Alternativen in verwandten Tätigkeitsbereichen. Und wieder andere entdecken auf Umwegen ganz neue Berufsmöglichkeiten, weitab von den ursprünglich geplanten.

Wirklich einfach ist die Jobsuche für keinen, der in diesen Bereichen arbeiten will. Nicht selten fehlt zudem ein realistisches Bild des Arbeitsmarktes und die Kenntnis, worauf es beim Berufseinstieg ankommt. Welche Erwartungen sind realistisch, welche können nur scheitern, und was kann man dafür tun, damit der Traum vom Job nicht zwangsläufig eine brotlose Kunst wird?

Erfolgreich als freie Künstlerin

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Eine, die es geschafft hat, ist Carola Rümperer: Sie arbeitet als bildende Künstlerin im eigenen Atelier in Berlin-Marzahn. Aber einfach, das gibt sie zu, war der Weg nicht. Vor allem das Kunststudium, das sie in Osnabrück und Enschede absolvierte, habe sie nur unzureichend auf die Berufstätigkeit als Künstlerin vorbereitet:

"Im Studium habe ich vor allem Kunststile und -techniken gelernt. Mir war aber nicht klar, dass ich später selbständig arbeiten werde und was das bedeutet – etwa, mich mit Versicherungen, Rechts- und Steuerfragen auseinanderzusetzen. Oder dass ich mich selbst vermarkten und daher auf Leute zugehen muss,"

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beklagt Carola die Versäumnisse ihrer Ausbildung. Nach dem Studium suchte sich daher einen Steuerberater und trat der Gewerkschaft ver.di bei. Die bieten Mitgliedern Rechtsberatung und -schutz, u.a., wenn es um die Mitgliedschaft in der günstigen Künstlersozialversicherung oder Fragen der Rentenversicherung geht. Aber die Gewerkschaft half Carola auch einmal, dagegen vorzugehen, als ihre Werke unerlaubt zu Werbezwecken verwendet wurden. Weitaus schwieriger fand es Carola, sich als Künstlerin am Markt zu etablieren:

"Das Wichtigste als Künstler ist, aufzufallen und sich von anderen abzuheben – denn die Konkurrenz ist groß. Das funktioniert, indem man sich ein eigenes Profil schafft, sich immer wieder auf Stipendien bewirbt, Ausstellungen macht, Kataloge drucken lässt, Kontakte knüpft und eigene Projekte ins Leben ruft. Das ist natürlich alles sehr aufwendig, kostet Zeit, Geld – und es kann viele Jahre dauern, bis man damit Erfolg hat."

Am Anfang wusste Carola auch gar nicht, wie sie anfangen sollte. Rat suchte sie daher zunächst in Künstler-Zeitschriften wie Atelier. Heute mit dem Internet ist es einfacher: Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler e.V. und der Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer e.V etwa stellen auf Ihren Websites Informationen über Wettbewerbe, Ausschreibungen und aktuelle Veranstaltungen sowie zahlreiche Kontaktadressen zur Verfügung. Eine andere Möglichkeit, sich zu informieren und auszutauschen bieten Soziale Netzwerke wie Xing oder Facebook, die Carola allerdings zu unspezifisch findet. Viel wichtiger sind für die Berliner Künstlerin die Kontakte vor Ort, etwa zu potenziellen Sponsoren, Kommunalpolitkern oder Stiftungen, die über die nächste Finanzierung entscheiden.

Aber auch der Kontakt zu anderen Künstlern, mit denen sich Carola kreativ austauschen kann, ist notwendig. Ihr Atelier betreibt Carola daher gemeinsam mit einer Fotografin. Ihr künstlerisches Alleinstellungsmerkmal sind die Rümperiens, Fabelwesen mit schwarzer Haut, die Künstlerin seit iher Kindheit in der norddeutschen Tiefebene kennt und nun nachbildet – eine Idee, die ihr bereits zahlreiche Stipendien, u.a. in Ägypten und Russland, eintrug. Und auch das derzeitige Atelier in Berlin-Marzahn hat sie im Rahmen eines Förderprogramms bekommen.

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Damit so etwas klappt, sind allerdings langwierige Bewerbungsprozesse notwendig, denn die staatlichen und kommunalen Mittel sind gerade in Berlin sehr knapp: Daher muss Carola für manche Anträge regelrechte Finanzierungspläne schreiben. Derzeit bereitet sie gerade einen Katalog vor, dessen Druck zwar durch das Kulturamt gefördert wird; um Kosten zu sparen, wird Carola ihn aber selbst layouten – das bedeutet, dass sie sich auch in Softwareprogramme wie Photoshop einarbeiten musste.

"Die echte Arbeit als Künstlerin – kreativ im Atelier – nimmt am Ende nur maximal 50 Prozent des Berufsalltages ein. Der Rest der Zeit geht für Bürokratie, Computerarbeit, Sponsorensuche, das Organisieren von Projekten und die Pflege von Kontakten drauf."

räumt Carola Rümperer mit falschen Vorstellungen auf. Auch Carola nach wie vor sicher ist, in der Kunst ihren Traumberuf gefunden zu haben, rät sie daher jungen Menschen mit künstlerischen Ambitionen, ihren Berufswunsch noch einmal genau zu überprüfen:

"Als Künstler lebt man sehr oft nahe am Existenzminimum. Daher sollte man sich frühzeitig überlegen, wie man sich finanziell absichert. Und auch über Familienplanung und Altersvorsorge sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen. Gerade weil sich die eigenen Interessen im Laufe des Lebens oft nochmal ändern, kann es Sinn machen, sich nach Alternativen in ähnlichen Berufen umzusehen, die vielleicht besser bezahlt werden."

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Als Archäologin ins Wissenschaftsmanagement

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Rechtzeitig Alternativen finden – diesen Rat hat Nadine Chmura beherzigt. Sie studierte Klassische Archäolgie, Ethnologie und islamische Kunstgeschichte an der Universität Bonn und ist heute Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften. Den bereits früh war ihr klar, dass für sie eine klassische, wissenschaftliche Laufbahn nicht in Frage kommt:

Rechtzeitig Alternativen finden – diesen Rat hat Dr. Nadine Chmura beherzigt. Sie studierte Klassische Archäologie, Ethnologie und Islamische Kunstgeschichte an der Universität Bonn und leitet heute das Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften. Denn bereits früh war ihr klar, dass für sie eine klassische, wissenschaftliche Laufbahn nicht in Frage kommt:

"Einige ehemalige Kommilitonen hangeln sich bis zur Habilitation als wissenschaftliche Mitarbeiter von einer befristeten Stelle zur nächsten und schlagen sich danach mit schlecht bezahlten Vertretungsprofessuren durch, in der Hoffnung, an einer Hochschule eine reguläre Professur zu bekommen. Gerade in Orchideenfächern wie Archäologie gibt es dafür aber einfach zu wenig Stellen. Dieser Weg war mir daher schlicht zu riskant."

erklärt Nadine Chmura. Stattdessen arbeitete sie im Haus der Geschichte, als redaktionelle Mitarbeiterin beim Online-Portal meinestadt.de, beim Bonner Bernstein-Verlag, war Reiseleiterin oder machte Datenerhebung und Projektarbeit für ein Consulting-Unternehmen. Außerdem war sie für verschiedenen Hochschulinstutionen wie das Laboratorium für Experimentelle Wirtschaftsforschung, Universität Bonn oder die School of Economics der Shanghai-Jiao Tong University tätig.

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"Ich habe alle klassischen Berufsfelder für Geisteswissenschaftler ausprobiert: Museum, Medien, Verlag, Hochschule. Am Ende hat mich Wissenschaftsmanagement einfach am meisten interessiert: Spätestens mit der Magisterarbeit war mir klar, dass ich diese Richtung einschlagen werde."

erklärt Nadine Chmura. Um ihr Ziel zu erreichen, nahm sie neben ihrer Promotion in Archäologie eine Stelle als Wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Marburg an, wo sie unter anderem Veranstaltungen organisierte oder die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leitete. Nach nur einem Jahr wurde sie Geschäftsführerin und ist mittlerweile auch Koordinatorin von EcoSkills – Economic and Business Soft Skills, einem durch die Europäischen Sozialfonds geförderten Projekts. Der Einstieg fiel ihr nicht schwer:

"Da mir Organisationsaufgaben liegen und ich bereits Arbeitserfahrung hatte, ist es mir vergleichsweise leicht gefallen, einen Job zu finden. Zumal Wissenschaftsmanagement noch ein sehr junge Branche ist. Grundvoraussetzung war jedoch in meinem Fall eine Promotion."

erklärt Nadine Chmura und nennt noch eine weitere wichtige Voraussetzung: Die Managementerfahrung und Budgetverantwortung, die sich wie ein roter Faden bereits durch all ihre bisherigen Jobs zog: So war Nadine im Haus der Geschichte verantwortlich für das Projekt Lebendiges Virtuelles Museum Online und betreute für den Bernstein-Verlag die Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse. Außerdem ist sie seit 2006 Präsidentin der von ihr mitbegründeten Deutschen Kafka-Gesellschaft und hat in diesem Zusammenhang zahlreiche internationale Tagungen und Ausstellungen organisiert. Studierenden rät sie daher, so viel Berufserfahrung wie möglich zu sammeln:

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"Man kann sich sein Studium auch über Stipendien oder BAföG finanzieren. Wer jedoch arbeitet, sammelt mehr Erfahrung, die später weiterhilft!."

Vom Politikwissenschaftler ins Soziale Netz

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Erfahrung und Enthusiasmus waren auch für Johannes Lenz der Schlüssel zum Erfolg: Er ist als Digital Consultant Corporate Communications verantwortlich für die interne und externe Kommunikation der Düsseldorfer Werbeagentur Grey. Dabei sah es für ihn lange nicht nach einem Kreativberuf aus: Nach dem Studium der Politik- und Diplomverwaltungswissenschaften wollte Johannes zunächst ganz klassisch in die wissenschaftliche Politikberatung einsteigen. Das wollte jedoch trotz einschlägiger Praktika in Botschaften und Unternehmen im In- und Ausland nicht so recht klappen. Auch mit der Focusierung auf Öffentlichkeitsarbeit im Non-Profit-Bereich, Schwerpunkte EU, Osteuropa, Kam der Absolvent, trotz Vorerfahrung, nicht weiter.

"Ich habe damals über 150 Bewerbungen geschrieben und auch einige Vorstellungsgespräche, absolviert, in denen mir attestiert wurde, dass ich einfach noch zu nah an der Universität dran sei. Insgesamt eine ziemlich frustrierende Zeit,"

blickt Johannes heute zurück. Ein achtmonatiges Praktikum im Headquarter der BMW Group brachte die Wende. Auch wenn BMW ihm ebenfalls keinen Job anbot: Johannes kam zum ersten Mal in seinem Leben in Berührung mit Social Media. Und fing Feuer. Denn Bloggen, Twitter, Facebook und Co. sind für ihn weit mehr als nur neue Kommunikationsmittel:

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"Es ist eine Lebenseinstellung, die geprägt ist von Offenheit, Fairness und Hilfsbereitschaft. Eigentlich selbstverständlich, denkt man, aber vielleicht ist diese Selbstverständlichkeit im Netz schneller angekommen als im realen Leben."

Diese Begeisterung übertrug sich auf seine Bewerbung: Nach nur einem Monat bekam er die Zusage von alma mater, einer Personalvermittlung und Karriereberatung, für ein achtzehnmonatiges Volontariat für Unternehmenskommunikation und Online Marketing. Das Aufgabenfeld war breitgefächert, vom Erstellen von Newslettern über Marketing-Botschaften, Pressemitteilungen verfassen, Webseitenpflege, Kontaktinitierung und – betreuung bis hin zu Messe- und Konferenzbesuchen. Doch Johannes war neugierig auf Neues und wollte mehr:

"Mitten in der Wirtschaftskrise überzeugte ich meinen Chef, der mich nahezu eigenständig und eigenverantwortlich arbeiten ließ, alma mater in der Öffentlichkeit und insbesondere im Internet zu repräsentieren. Damit einher ging ging die Intergration des Social Webs, insbesondere des Aufbaus von Social Media (Twitter und Co.) für die Unternehmenskommunikation."

Auch wenn alma mater den Social-Media-Enthusiasten gerne übernommen hätte – Johannes Lenz wollte nach dem Volontariat neue Wege beschreiten. Und entschloss sich diesmal, ganz auf klassische Bewerbungen zu verzichten und das Web 2.0 zu nutzen, um eine neue Stelle zu finden – und zwar eine die genau zu ihm passte:

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"Jobsuche via Social Web heißt für mich heutzutage, sich entsprechend seiner Fähigkeiten und Interessen aufzustellen. Das heißt ausgewählte Social Profiles anzulegen, die regelmäßig aktualisiert werden, den Austausch und Dialog mit anderen Usern zu suchen und dabei den Humor nicht zu verlieren. Dabei muss man auch etwas wagen, offen sein, auf andere zugehen, nicht nur nehmen, sondern auch geben."

Durch die vielfältigen Web-Aktivitäten wurde Grey auf den Politikwissenschaftler aufmerksam – und lud ihn zu einem Vortrag über Social Media und Unternehmen ein. Mit großem Erfolg:

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"Die Resonanz war sehr gut. Dabei kam es auch zu einem ersten Kennenlernen mit der Geschäftsführung und weiteren Mitarbeitern. Im Anschluss daran intensivierte sich der Kontakt zu einigen Mitarbeitern via Twitter, Facebook und Co. soweit, dass es zu einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch kam. Dabei wurde ich auch schon einmal gebeten, die eine oder andere Einschätzung zu Projekten mit Social Web Bezug abzugeben."

Heut hat Johannes Lenz den Job, den er sich gewünscht hat: Er arbeitet im thematischen Dreieck aus PR, Unternehmenskommunikation und Web 2.0. Er twittert, bloggt, netzwerkt, besucht Konferenzen, erarbeitet Konzepte und Strategien und versucht, den Geist des Social Webs weiterzugeben. Und er kann sich und seine Ideen einbringen. Studierenden rät er daher bei der Jobsuche, alle sich bietenden Möglichkeiten auszuschöpfen:

"Man sollte jeden Tag versuchen, sich durch die eigene Neugierde weiterzuentwickeln. Mit Begeisterung an die Sache herangehen und auch bei Rückschlägen seinen Optimismus nicht verlieren."

Arbeitsmarkt und Zukunftsperspektiven in Zahlen

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat im vergangenen Jahr in seiner Buchreihe IAB-Bibliothek den "Arbeitsmarktchancen für Geistestwissenschaftler" ein eigenes Buch gewidmet. Die Autoren liefern eine ausführliche statistische Analyse, zeigen aber auch die Probleme auf, die es mit exakten Statistiken in diesem Bereich gibt:

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So verließen zuletzt nach Angaben des statistischen Bundesamtes jährlich mehr als 60.000 Absolventen Geisteswissenschaftlicher oder Kunstwissenschaftlicher Studiengänge die deutschen Hochschulen. Da die Zahl der Studienanfänger in diesen Fächern in den letzten Jahren gesunken ist, geht die Kultusministerkonferenz ab 2013 auch von einem Rückgang der Absolventenzahlen aus. Über den Verbleib dieser Absolventen auf dem Arbeitsmarkt gibt es allerdings nur ungenaue Zahlen: Berufsspezifische Arbeitslosenquoten werden durch eine Verknüpfung von Beschäftigungsstatistik und Arbeitslosenstatistik errechnet. D.h. Es kommen in der Arbeitslosenstatistik überhaupt nur diejenigen vor, der genau in diesem Bereich eine Stelle sucht. Umgekehrt würde also beispielsweise ein Germanist, der allgemein nach einer unterrichtenden Tätigkeit oder einer Anstellung als Lektor sucht, gar nicht einer berufsspezifischen Gruppe zugerechnet werden. Seit 2005 erhält zudem ein Teil der Arbeitssuchenden Arbeitslosengeld II und wird daher in der Arbeitslosenstatitistik nicht mehr geführt.

Nur auf diese Weise erklären sich die vergleichsweise niedrigen Arbeitslosenzahlen, die das IAB alle zwei Jahre in seiner Veröffentlichung "Berufe im Spiegel der Statistik." ausweist. 2009 suchten im Berufsfeld Medien-, geisteswissenschaftliche und künstlerische Berufe 44.878 Menschen einen Job. Demgegenüber standen 278.061 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Zum Vergleich: Unter den Ingenieuren wurden im gleichen Zeitraum 682.384 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gezählt, aber nur 25.321 Arbeitslose.

Zudem machen die Autoren des IAB auch einige Hinweise aus, dass die Lage unter den Geistewissenschaftlern in Wahrheit noch schwieriger ist. So zeigt eine Auswertung des Mikrozensus, dass sich von den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern über 13 Prozent in einem befristeten Arbeitsverhältnis befanden – bei anderen Akademikern waren es nur 11,5 Prozent. Mehr als 28 Prozent arbeiteten in Teilzeit (andere Akademiker 17 Prozent) Über 23 Prozent gab an, keine entsprechende Vollzeittätigkeit zu finden, weitere 9 Prozent arbeiten wegen einer parallelen Aus- oder Weiterbildung in Teilzeit, mehr als 7 Prozent üben sogar eine geringfügige Beschäftigung von 400 Euro im Monat oder weniger aus (andere Akademiker 4 Prozent), zu drei Vierteln sogar als einzige Einnahmequelle. Bis zu 19 Prozent (genaue Erhebungen liegen hier leider nicht vor) der Geisteswissenschaftler- und Kulturwissenschaftler arbeiten Selbständig, nicht selten aus Mangel an beruflicher Alternative und in einem Mix aus verschiedenen Erwerbsformen. Kein Wunder, dass also die Absolventen dieser Fächergruppen im Schnitt weniger verdienen: Der Median des Nettoeinkommens liegt hier zwischen 1.700 und 2.000 Euro monatlich, wenn man nur die Vollzeitbschäftigung zu Grunde legt, sind es 2.000 bis 2.300. Zum Vergleich: Akademiker anderer Gruppen bekommen im monatlichen Durchschnitt 2.300 bis 2.600 Euro netto.

Es gibt Perspektiven

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Dennoch: Wie nicht zuletzt die drei Beispiele oben zeigen, sind die Perspektiven in den Geistes- und Kulturwissenschaften längst nicht so schlecht, wie diese Zahlen vermuten lassen: Durch die Veränderungen der Arbeitswelt gewinnen qualifizierte und wissensorientierte Berufe zunehmend an Bedeutung. So erwarten die Autoren des IAB für das Berufsfeld Medien, Geisteswissenschaften und Künstler, dass bis zum Jahr 2020 200.000 neue Stellen erforderlich sind – auch wenn sicherlich nicht ganz klar ist, wie diese Stellen dann gestaltet und bezahlt sind. Aber die Autoren sagen auch deutlich:

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"Allerdings sollten die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler auch nicht darauf warten, dass ihr unterschätzes Innovationspotential von der Wirtschaft endlich wahrgenommen wird, sondern stattdessen aktive Selbstvermarktung betreiben. Zweifellos wäre eine Welt ohne Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften weniger humanitär. Doch wer das ABC der Menschheit auch in Zukunft bewahren will, der muss beweisen, dass er seinen Platz in der Arbeitsgesellschaft auch selbst einnehmen kann."


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