Konkurrenz nutzt Anti-Amazon-Diskussion: Schmetterlinge und Fairer Handel



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Über die Geschäftspraktiken von Amazon wurde ja in der Vergangenheit viel diskutiert. Doch während die einen noch klagen, dass man gegen den Internetriesen politisch vorgehen müsse, haben findige Unternehmer – Zufall oder nicht – Konzepte entwickelt, um Amazon die Marktführerschaft abzutrotzen. Allerdings: Nur eines ist wirklich gut durchdacht.



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Hier schreibt für Sie: Simone Janson ist Verlegerin, deutsche Top20 Bloggerin und Beraterin für HR-Kommunikation. Profil

Wichtiger Hinweis

Dieser Beiträg enthält Inhalte und Angaben, die möglicherweise nicht mehr aktuell sind, z.B. aufgrund gesetzlicher oder statistischer Veränderungen. Weil er dennoch hilfreich sein kann, einen Überblick zum Thema zu bekommen, können Sie ihn weiterhin hier finden.

Mit Schmetterlingen gegen Amazon

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Seit vergangenen Donnerstag ist der Tolino Shine im Handel. Der Tolino soll ein Gegenentwurf zu Amazons Kindle sein. Zusammengeschlossen haben sich hierbei die Buchhändler Weltbild, Thalia, Hugendubel und Club Bertelsmann sowie die Deutschen Telekom. Beworben wird das ganze u.a. mit einer aufwändigen TV-Kampagne, in der Schmetterlinge Buchregale zum Fliegen bringen.

Indes, die Schwächen des Produkts offenbart der obige Test von Chip.de. Die sind nämlich nicht nur technischer Natur, sondern liegen auch im Grundkonzept: Bücher, die die Kunden bei Amazon gekauft haben, können sie auf dem Tolino nämlich nicht nutzen.

Eine gute Möglichkeit verspielt

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Das dürfte allen bisherigen Kindle-Kunden den Wechsel erheblich erschweren. Trotz aller Resentiments gegen den Giganten. Hier verspielt man die Möglichkeit, gegenüber Amazon ein Alleinstellungsmerkmal mit einem offenen System aufzubauen.

Ja klar, das hat System. Die Kunden sollen gefälligst bei Weltbild, Thalia und Co kaufen. Würde man das aber wirklich ernst meinen, würde man das Lesegerät verschenken. Oder wie wäre es mit: "Wir tauschen jedes Kindle in ein Tholino um?"

Kunden einsperren funktioniert nicht!

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Ohne solche Aktionen sehe ich bei der neu geschmideten Anti-Amazon-Allianz kaum Chancen. Denn wann werdet Ihr endlich lernen, dass es sich höchstens Monoplisten leisten können, Kunden im Internet einzusperren?

Viel mehr Sinn macht da die Idee von Fairnopoly. Das Berliner StartUp will bewusst auf die bei Amazon und Zalando kritischen Geschäftspraktiken verzichten und adressiert Kunden und Händler mit einer bewusst sozialen Haltung.

Genossenschaft mit Nutzerzuspruch

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Als Zeichen ihres heren Zieles die Genossenschaft als Rechtsform erwählt – über deren ideale Eignung Rechtsform für das Internetzeitalter ich schon vor einiger Zeit schrieb. Das scheinen mittlerweile auch die Nutzer so zu sehen, die durch die Spenden auch Genossenschaftsanteile erwerben. So schreibt Martin bei netzwertig.com:

Im Rahmen einer Crowdfundingkampagne statteten 861 Personen das Berliner Unternehmen mit insgesamt 213.413 Euro aus – deutlich mehr als das Minimalziel von 50.000 Euro. Wenn fast 1.000 Menschen privates Vermögen für ein Onlineprojekt bereitstellen, dann ist dies ein deutliches Indiz für eine vorhandene Nachfrage..

Es scheint also auch ohne Schmetterlinge und Riesenwerbebudget zu gehen. Martin Weigert bezweifelt allerdings, dass der soziale Wille die nächste Konsumattacke überlebt. Wir wollen es hoffen – genau solche Konkurrenten braucht Amazon!


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  1. Benjamin Wagener

    Das System hat noch weitere Schwächen. Z.B. bieten die E-Book-Shops der genannten Ketten auch nicht die Vielfalt des Kindle-Store. Und die Cloud zum Sichern der Bücher macht eigentlich auch nur Sinn, wenn man die Bücher damit über mehrere Geräte hinweg synchronisieren kann. Aber wer holt sich denn schon mehrere Tolino Shine, außer vielleicht eine Familie, aber welche wohl kaum übergreifend den gleichen Account nutzen wollen wird? Sinnvoll wäre es, wenn es auch Clients für Smartphone, Tablet und PC gäbe, wie bei Kindle, damit man halt auch auf seine Bücher zugreifen kann, wenn man den E-Book-Reader mal nicht dabei hat. Aber davon sieht man weit und breit nichts. Und dann gibt es etliche die den E-Book-Reader einfach auch technisch nicht besonders finden, zumal er auch keine sonderlichen Alleinstellungsmerkmale, abgesehen vielleicht vom Preis. Was er technisch kann, konnten andere schon lange vorher. Da fragt man sich echt, was für Schlafmützen hinter so einer undurchdachten Kampagne stehen.

    • Simone Janson

      Na schau dir doch die deutsche Verlagslandschaft an: Mich wundert höchstens, dass die Herrschaften glauben, mit so einer Kampagne gegen Amazon vorgehen zu können. Schade um die vertane Chance, der Zeitpunkt könnte günstiger nicht sein.

      Danke auch für die tollen Ergänzungen zur Benutzung: Dass jeder eBook-Reader sein eigenes, geschlossenes System auf dem Markt durchsetzen will, ist die große Schwäche des eBook.Marktes: Der Kunde weiß ja gar nicht, welches System er nehmen soll. Das erinnert mich ein wenig an die Diskussion um Mobile Payment, die seit 10 Jahren auch nicht vorankommt.

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