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Abmahnung in der Ausbildung: 9 Gründe & ihre Konsequenzen


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Der Wecker versagt mal wieder seinen Dienst oder der Bus verspätet sich. Es gibt viele Gründe, warum Auszubildende zu spät am Arbeitsplatz ankommen.  Wenn das häufiger vorkommt, sind auch Abmahnungen zu befürchten.

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Hier schreibt für Sie: Gaby Kruse ist Fachautorin mit Schwerpunkt Berufs- und Karrierethemen.

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Achtung: Abmahnung!

Ist das die Ausnahme, bleibt das meist ohne Konsequenzen. Beim regelmäßigen Zuspätkommen kann sich aber ein Arbeitgeber dazu gezwungen fühlen, eine Abmahnung auszusprechen. Doch was bedeutet das eigentlich

Im Ausbildungsvertrag sind die Rechte und Pflichten von Auszubildenden geregelt. Wer beispielsweise regelmäßig zu spät kommt, begeht eine Pflichtverletzung in Bezug auf die Arbeitszeiten.

Gelbe Karte für Azubis

Mit einer Abmahnung kann ein Arbeitgeber Azubis bei einem Verstoß sozusagen die „gelbe Karte“ zeigen. Sie ist pädagogisches Werkzeug und arbeitsrechtliche Vorstufe zur Kündigung zugleich. Wer eine Abmahnung erhält, hat sich falsch verhalten. Azubis, die den Ausbildungsplatz behalten möchten, sollten ihre Handlungsweise überdenken.

Oft wird gesagt, dass erst nach drei Abmahnungen die Kündigung droht. Das ist allerdings nicht korrekt. Gesetzlich ist diese Zahl nicht festgeschrieben. Bei groben Vergehen wie Diebstahl reicht im Zweifelsfall bereits eine Abmahnung aus, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen.

Wie sieht eine Abmahnung aus?

Eine Abmahnung kann formlos erfolgen. Sie ist sowohl schriftlich als auch mündlich gültig. Zu beachten ist allerdings, dass sie konkret sein und zeitnah dem Vergehen folgen muss. Eine pauschale Abmahnung für häufiges Zuspätkommens ist nicht korrekt, wenn dafür nicht genau benannt wird, wann jemand zu spät kam. Die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) empfiehlt den Arbeitgebern zwei einschlägige Abmahnungen auszusprechen, bevor sie kündigen. Das bedeutet, dass wegen eines gleichen bzw. sehr ähnlichen Delikts abgemahnt wird z. B. unentschuldigtes Fehlen in der Berufsschule und am Arbeitsplatz.

Wie lange gilt eine Abmahnung?

Es gibt keine gesetzlichen Fristen, wie lange eine Abmahnung bestand hat. Wenn Auszubildende sich für eine längere Zeit nichts zuschulden haben kommen lassen, wird eine Abmahnung gegenstandlos. In der Regel geschieht das nach einem Jahr. Danach sollte die alte Abmahnung keine weiteren Auswirkungen haben.

Häufige Gründe für Abmahnungen oder Kündigung:

  1. Zuspätkommen: Wer gern lange schläft und regelmäßig zu spät am Arbeitsplatz ankommt, ist unzuverlässig. Die Arbeitszeiten müssen auch vom Azubi respektiert werden. Die Abmahnung dient häufig als pädagogisches Mittel.
  2. Unentschuldigt Fehlen: Jeder ist mal krank. Wenn Azubis aber ohne triftigen Grund dem Arbeitsplatz oder der Berufsschule fern bleiben, riskieren sie nicht nur eine Abmahnung. Die wenigsten Arbeitgeber zeigen dafür Verständnis. Ist der Bogen überspannt, folgt die Kündigung.
  3. Eigenmächtiger Urlaubsantritt: Einem Urlaub muss zugestimmt werden. Wenn der Wunschtermin nicht vom Arbeitgeber abgesegnet wurde, kann der Urlaub einfach nicht angetreten werden. Azubis, die dennoch der Ausbildung fern bleiben, erhalten meist eine Abmahnung.
  4. Diebstahl: Auch wenn der Ausbildungslohn häufig niedrig ist, darf niemand in die Kasse greifen. Das zerstört das Vertrauensverhältnis zwischen Azubi und Arbeitgeber nachhaltig – ein nachgewiesener Diebstahl bedeutet in der Regel die Kündigung.
  5. Verbote missachtet: Wenn der Arbeitgeber während der Arbeitszeit z. B. private Telefonate oder Internetnutzung untersagt, ist das zu respektieren. Missachten Auszubildende häufiger die Verbote, kann der Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen.
  6. Berichtsheft nicht ausgefüllt: Jede/r Auszubildende ist verpflichtet, Ausbildungsnachweise für seine Ausbildung regelmäßig auszufüllen. Das Berichtsheft ist eine Grundlage für die IHK-Prüfung. Wird es nicht ausgefüllt, riskieren Azubis das Verfehlen des Ausbildungsziels.
  7. Arbeitsanweisungen nicht befolgt: Vorgesetzte sind weisungsbefugt. Von ihnen sollen Auszubildende lernen. Wenn Arbeitsanweisungen oder Sicherheitsbestimmungen nicht befolgt werden, können für das Unternehmen finanzielle Schäden entstehen. Auch die Arbeitssicherheit könnte beeinträchtigt werden.
  8. Unfähigkeit zum Beruf: Durch Krankheiten oder Verletzungen kann die Fähigkeit zu einem Beruf so stark eingeschränkt werden, dass der Job nicht mehr ausgeführt werden kann. Ein Beispiel dafür sind schwere Hautkrankheiten bei z. B. Pflegeberufen.
  9. Beschädigung von Betriebseigentum: Mit Werkzeugen oder anderem Betriebseigentum müssen Azubis pfleglich umgehen. Natürlich macht jeder mal einen Fehler, aber bei fahrlässigen oder mutwilligen Beschädigungen sind Abmahnungen durchaus üblich.

Was, wenn die Abmahnung/Kündigung unberechtigt ist?

Nicht immer ist eine Abmahnung berechtigt. Manche Arbeitgeber nutzen die Abmahnung sogar als billiges Mittel, eine fristlose Kündigung vorzubereiten, wenn sie Auszubildende loswerden wollen. Insbesondere, wenn in kurzen Zeiträumen mehrere Abmahnungen aus fadenscheinigen Gründen folgen, sollten Azubis aufmerksam werden.

Wer sich ungerecht behandelt fühlt, sollte eine Gegendarstellung schreiben und vom Arbeitgeber in die Personalakte einfügen lassen. Eine Kopie des Schreibens gehört in die eigenen Unterlagen. Im Zweifelsfall ist es stets eine gute Idee, sich von einem Fachmann beraten zu lassen. Gute Anwälte für Arbeitsrecht finden Sie beispielsweise auf anwalt.org.

Häufig lassen sich Missverständnisse auch ohne Anwalt klären. In einem offenen Gespräch können Konflikte meist besser aus der Welt geschafft werden, als wenn jeder auf Konfrontationskurs bleibt. Die wohl wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss bleibt, dass Arbeitgeber und Azubi an einem Strang ziehen.

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  1. Katjana

    Guten Tag,

    ich finde, gerade in der Ausbildung sollte man sich anstrengen und benehmen, sodass es erst gar nicht zu einer Abmahnung kommt. Dioe Ausbildung ist schließlich wichtig für den weiteren Lebensverlauf.

    Danke

    • Simone Janson

      Liebe Katjana,
      danke für den Kommentar. Sie haben natürlich recht, sich anzustrengen ist der Idealfall. Nur sind Menschen halt nicht perfekt ;-)

  2. Tally

    Hallo,

    ich hab eine mündliche abmahnung bekommen, weil ich mit einem kollegen die schicht getauscht hab. die chefin lässt nicht mit sich reden, was kann ich jetzt mahcen??? gilt mündlich genauso wie eine schriftliche verwarnung???

    • Simone Janson

      Hallo Tally, wir dürfen leider in Einzelfällen keine Rechtsberatung machen.
      Versuchen Sie doch mal, direkt einen Anwalt für Arbeitsrecht zu adressieren - etwa auf Seiten wie 123 Recht.
      Sorry.

  3. Ausbildung.de

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  4. KompetenzPartner

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  5. Thomas Eggert

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  6. BEGIS GmbH

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