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Die 4 Archetypen Platons – Teil 3: Was macht einen Leader aus?



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Führen wollen viele, doch nicht immer hat der Manager auch die passenden Qualitäten dazu. Und nicht immer ist der wirkliche Leader auch der Chef eines Unternehmens. Was macht eine gute Führungskraft eigentlich aus?

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Hier schreibt für Sie:

 

stefan-fourierDr. Stefan Fourier ist ein deutscher Unternehmensberater, Naturwissenschaftler und Autor.

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Wenn der Chef nicht der Leader ist

Ich erinnere mich an das Beispiel eines Unternehmens der Autozulieferindustrie. Ich hatte eine ganze Reihe von Gesprächen mit dem Geschäftsführer geführt – es ging um die Übernahme eines großen Auftrags im Bereich Organisationsentwicklung – und wunderte mich, dass wir nicht zum Abschluss kamen. Eines Tages löste sich das Rätsel.

Der archetypische Führer in dem Laden war nämlich nicht der Geschäftsführer, sondern ein ganz anderer. Ich lernte ihn kennen, als ich den Betriebsrat besuchte. Großes Vorzimmer, zwei Sekretärinnen, königliches Auftreten. Der Betriebsratsvorsitzende.

Der wahre König

Er war der wahre Chef im Ring. Er regierte aus dem Hintergrund und bestimmte in letzter Konsequenz alles, was in dem Unternehmen geschah. Nicht nur durch direkte Einflussnahme – nach dem Gespräch mit ihm hatte ich meinen Auftrag – sondern vor allem dadurch, dass alle wussten, dass er die wahre Macht hatte.

Alle – auch der Geschäftsführer – richteten sich nach ihm, warteten auf sein letztes Wort oder zumindest auf seine Zustimmung. Auf lange Sicht erwies sich das für das Unternehmen leider nicht als gut, sie verloren Marktanteile. Es war schon eine seltsame Konstellation.

Wer gibt die Werte vor?

Ähnlich kurios endete unsere Suche nach dem Inhaber der archetypischen Führerrolle in einem mittelständischen Unternehmen in Ostwestfalen. Er hing an der Wand. In einem elegant getäfelten Raum schaute der einige Jahre zuvor verstorbene Firmengründer aus geschwungenem Rahmen auf uns herab, als wir diskutierten, wer hier wohl die Werte vorgibt.

Er war es. Wir hörten in der Firma von den verschiedensten Menschen häufig den Satz »Was hätte der alte Chef dazu gesagt«. Er war einfach noch in den Köpfen der Leute. Mit den Jahren hat sich das im Unternehmen glücklicherweise verändert. Die Führerrolle wird heute meist von der Frau gelebt, die sie laut Nomenklatur auch innehaben sollte, von der Geschäftsführerin.

Die wichtigste Aufgabe: Sinnstiftung

Damit sind wir bei der wichtigen Frage, was die archetypische Führerrolle eigentlich ausmacht. Welches sind ihre Merkmale und Qualitäten? Die wichtigste Aufgabe des archetypischen Führers ist Sinnstiftung. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen.

Mal hat jemand eine geniale Eingebung, wie Jesus Christus mit seiner Bergpredigt – wenn sie denn von ihm stammt. Er wirkt damit sinnstiftend für ein riesiges soziales System, die Christenheit, und das über Jahrtausende. Ein anderer setzt Sinn durch sein Leben, sein Vorbild, wie etwa Nelson Mandela. In funktionierenden Familien ist es das Elternpaar, das den Kindern auf liebevolle Weise Sinn und Werte vermittelt.

Wie funktioniert erfolgreiche Sinnvermittlung?

Damit geschieht Führung. Also nicht indem sich jemand vorn hinstellt und verkündet, dass er jetzt führt oder sagt, wo es langgeht. Das ist Machtausübung, aber keine Führung im archetypischen Sinne. Wenn es einem Lehrer in der Schule gelingt – und ich habe zu meinem Glück solche Lehrer erlebt – den Sinn am Erarbeiten eines bestimmten Stoffs zu erwecken, dann werden die Schüler ihm dabei folgen.

Erfolgreiche Sinnvermittlung hängt davon ab, dass die Schüler den Sinn erkennen, für gut befinden und zu ihrem eigenen machen. Dann steht da vorn vor der Klasse plötzlich ein archetypischer Führer und nicht nur jemand, der irgendwelche Ansagen macht und wegen seines Amtes Gehorsam erzwingen will.

Führung vs. Machtausübung

Leider treffen wir in der realen Welt unter dem Label Führung meist etwas ganz anderes an. Da werden Vorgaben gemacht, Druck und Kontrolle aufgebaut, Entlohnungssysteme zur Leistungssteigerung ausgeklügelt und Bedrohungsszenarien entwickelt.

Das ist aber keine Führung, sondern Machtausübung. Einem solchen Mechanismus folgen die Menschen nicht, sondern sie werden durch ihn getrieben. Das funktioniert zwar und ist für die Führer sehr bequem. Man erreicht damit Kadavergehorsam, das gewohnheitsmäßige Verhalten menschlicher Lemminge oder das zwanghafte Sichanstrengen von Perfektionisten.

Das Potenzial des sozialen Systems

Man erschließt aber keinesfalls die gesamten Potenziale des sozialen Systems. Führung im archetypischen Sinne hat zwei Seiten, die ganz eng zusammenhängen. Da ist einerseits die Sinnvermittlung durch eine große Idee, durch Vorbild oder liebevolle Anleitung.

Und da ist andererseits das aktive und freiwillige Folgen der Geführten, weil sie den Sinn annehmen. In diesem Mechanismus erfüllt sich die archetypische Rolle des Führers.

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