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Verbale (Er-)Schöpfung beim Diesel-Gipfel: Wenn Maßnahmen sich nicht messen lassen


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In Berlin haben sich führende Vertreter aus Politik und (Automobil-) Industrie zum sogenannten „Diesel-Gipfel“ getroffen. Dabei gab es zwar viel Unzufriedenheit und Streitpotenzial, aber auch interessante kommunikative Aspekte. geiranger-ecars Verbale (Er-)Schöpfung beim Diesel-Gipfel:  Wenn Maßnahmen sich nicht messen lassen


Hier schreibt für Sie:

stefan-haeseli-portrait-1_quadr-e1424770419539 Stefan HäseliStefan Häseli ist Berater für Organisationsentwicklung.

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Wortspielerei

Allein das Wort „Diesel-Gipfel“ ist schon ein Thema für sich. Das offizielle „Nationales Forum Diesel“, oder auch in der wohl bald etablierten Abkürzung NFD, macht es nicht wirklich besser.

G20 war gestern – jetzt haben wir mit „Diesel-Gipfel“ eine kreative Schöpfung verbalen Ausdrucks, die durchaus ein potenzieller Kandidat für das „Wort des Jahres“ ist. Rudolf Diesel würde sich im Grab umdrehen…

Noch mehr Wort-Kandidaten

Ergebnis des Gipfels: 5,3 Millionen Fahrzeuge müssen mit entsprechender Software nachgerüstet werden und ein anständiges Handgeld wird in den „Nationalen Fond Mobilität“ gelegt. Womit wir bereits die zweite Wortschöpfung aus diesen Tagen und einen weiteren Top-Kandidaten für das Wort-Ranking 2017 haben.

Doch neben dem eigentlichen Beschluss wurden noch weitere „Maßnahmen“ angekündigt. Sie sollen eine neue „Verantwortungskultur“ fördern – das wäre dann auch schon der dritte passende Kandidat für unser Ranking.

Neue „Maßnahmen“

Angedacht wurden beispielsweise Förderungen von E-Bussen im ÖPNV, Anschaffungsförderung für die emissionsarmen städtischen Nutzfahrzeuge und auch Taxis, Ausbau der öffentlichen und privaten Ladestruktur für Elektromobilität, einheitliche Digital-Tickets für öffentliche Verkehrsanbieter, Ausbau des Schienenverkehrs, Förderung des Radverkehrs, usw. usw.

Scheinbar gut durchdachte Möglichkeiten, die soweit ja nicht schlecht klingen und ordentlich was hermachen.

Frage der Messbarkeit

Das alles klingt nach wohl abgewogenen Worten, doch betrachten wir das Wort „Maßnahme“ einmal genauer: „Maßnahme“ kommt von „messen“, daraus resultiert ein konkretes „Messergebnis“ als verlässliche Aussage. Das was uns also als „Maßnahmen“ verkauft wird, ist in der Realität nichts anderes als eine reine „Worthülse“.

Kommunikativ bewegen wir uns in Schramm-Distanz zu einem Etikettenschwindel. Oder gibt es eine verlässliche Aussage für die „Förderung von E-Bussen im ÖPNV, Anschaffungsförderung für die emissionsarmen städtischen Nutzfahrzeuge und auch Taxis“? Und wie misst man „Ausbau der öffentlichen und privaten Ladestruktur für Elektromobilität, einheitliche Digital-Tickets für öffentliche Verkehrsanbieter, Ausbau des Schienenverkehrs, Förderung des Radverkehrs usw.“?

Der Schein trügt

So streng wollen wir aber nicht sein! Sehen wir es im besten Fall und mit nachsichtiger Großzügigkeit in der Interpretation einfach einmal als gut gemeinte Absichtserklärungen. Und doch verkauft man es uns als „Maßnahmen“ und die Presse nimmt es gerne auf.

Nehmen wir ein anderes Beispiel als Vergleich: Kaufen wir ein Glas Aprikosenmarmelade, kommen wir nicht auf die Idee, dass wir Erdbeermarmelade darin finden werden. So liest man „Maßnahme“ und denkt „toll, es wird etwas unternommen“ oder „klasse, die tun endlich was“.

Zwischen den Zeilen lesen

Doch einmal mehr heißt es hier für uns Konsumenten nicht nur „Hinschauen“, sondern auch „Hinlesen“ – womit jetzt auch der letzte Bewerber um die Wort-Liste in den Startlöchern steht. Wer liest, dass „Maßnahme“ = „Förderung von …“ ist, kommt zu der bitteren Erkenntnis:

Da ist tatsächlich Erdbeere drin, wo Aprikose draufsteht. Zwar schmeckt Erdbeere oftmals besser als Aprikose, aber es macht sich wohl einfach besser, wenn auf dem Glas, das die Gäste sehen, eben Aprikose steht…

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