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Motivation für Azubis – 7 Tipps: Effizienz & Leistung steigern bei Berufsanfängern


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Frischgebackene Azubis brauchen etwas, um ins Berufsleben hineinzufinden. Unternehmen, die das respektieren, schaffen es, Berufsanfänger nachhaltig zu motivieren. azubi-monkey-business-fotolia Motivation für Azubis - 7 Tipps: Effizienz & Leistung steigern bei Berufsanfängern


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Mario Hahn ist freier Redakteur.

Hahn schreibt schwerpunktmäßig zu den Themen Wirtschaft, Handel, Finanzen, Job, Karriere, Management und Bildung.

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Wie motiviert man Azubis? 7 Tipps

Nur noch wenige Tage, dann starten deutschlandweit wieder rund eine halbe Millionen junger Menschen ins Berufsleben. Der Beginn der Ausbildung ist dabei für viele ein einschneidendes Erlebnis und oftmals mit vielen Umstellungsproblemen behaftet.

Chefs und Leistungsträger können jedoch dafür sorgen, dass der Neubeginn schnell und reibungslos verläuft – und somit schnell dem Team eine wertvolle Hilfe zur Verfügung steht.

1. Neulinge sind neu

Zu viel Wissen in kurzer Zeit macht Azubis nicht besser, sondern überfordert. In den ersten Wochen sollte häppchenweise gelehrt werden.

In vielen Firmen macht man den großen Fehler und schubst neue Auszubildende sofort ins kalte Wasser, ohne sich weiter um ihre Belange zu kümmern. Und damit bestätigt man sofort sämtliche Befürchtungen, die angehende Azubis in diversen Internetforen zur Schau stellen. Für die Belegschaft mögen diese oder jene Firmen-Eigenheiten normal sein, für einen Azubi ist jedoch alles neu, alles fremd und die meisten haben vor diesem ersten Tag richtiggehend Angst.

Natürlich wäre es falsch, den Neuen mit extremen Zuwendungen einen falschen Eindruck zu vermitteln. Aber alleine um die wichtigsten Fragen abzuklären, wäre es beispielsweise sinnvoll, etwa eine Woche vor Ausbildungsbeginn einen Brief an sie zu senden. Darin:

  • Ein genauer Plan, wann sie am ersten Tag wo zu sein haben.
  • Namen und Fotos der wichtigsten Kollegen und Vorgesetzten
  • Angaben zum Dresscode
  • Einen kurzen Überblick, was die Azubis während der ersten Tage erwartet
  • Eine Liste der Do’s und Dont’s im Unternehmen

Für Entscheider ist das ein Schriftstück, das sich binnen weniger Minuten zusammenstellen lässt. Für Azubis ist es indes eine unschätzbare Hilfe, denn sie treten am 1. August nicht vor ein völlig unbekanntes Unternehmen, sondern haben wenigstens eine ungefähre Ahnung, was auf sie zukommt und was sie vermeiden können, um einen schlechten Eindruck zu hinterlassen.

2. Unterforderung ist Gift

Natürlich gibt es in Deutschland eine Ausbildungsverordnung, die für jeden Beruf ganz genau regelt, was Auszubildenden beigebracht werden muss. Gleichzeitig gibt es aber auch gewisse Notwendigkeiten, die vielen Azubis auferlegt werden. Und genau hier liegen für die ganz Neuen diverse Motivations-Stolpersteine.

So ist klar, dass ein Neuling praktisch noch nichts wirklich für das Unternehmen Wertvolles tun kann. Aber ebenso klar muss auch sein, dass es für die Motivation das pure Gift ist, wenn ein Auszubildender, nur wegen seines Neulings-Status extrem langweilige und repetitive Tätigkeiten zugewiesen bekommt („Sortieren Sie bitte diese Akten“).

Natürlich müssen solche Arbeiten erledigt werden. Clevere Entscheider sorgen jedoch dafür, dass nicht mehr als die Hälfte eines Azubi-Arbeitstages dafür aufgewendet wird und die andere Hälfte darauf, wirklich spannende Dinge zu zeigen, bei denen sie den Beruf von seiner besten Seite kennenlernen – die Routine kommt noch früh genug.

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3. Morgenstund‘ hat Leistung im Mund

Wo kein Berufswissen vorhanden ist, passieren schnell Fehler. Grobe Kritik und Meckern verunsichern und demotivieren jedoch nur und bringen nichts.

Wer mehrere Monate in einem normalen 8-Stunden-Rhythmus gearbeitet hat, der ist in der Regel über die volle Arbeitszeit leistungsfähig. Bei frischen Azubis sollte aber bedacht werden, dass diese oftmals gerade erst ein Schulsystem hinter sich haben, bei dem der Pflichtteil des Arbeitstages nach der sechsten Schulstunde, sprich um 13 Uhr, beendet war.

Aus diesem Grund sollten Dinge, bei denen es um große Aufmerksamkeit und das Erlernen wichtiger Berufselemente geht, zumindest in den ersten Wochen in die Vormittagsstunden gelegt werden. Dann ist die morgendliche Müdigkeit verflogen und die Aufmerksamkeit auf ihrem Gipfelpunkt während sie nach Mittag wieder sinkt und erst zwischen 16 und 17 Uhr wieder ansteigt.

4. Der Teenager-Rhythmus

Wer eine Ausbildung anfängt, der hat ein Jahrzehnt lang den immer gleichen Rhythmus des Schul-Alltages eingeimpft bekommen. Und im Vergleich zu den Anforderungen einer Ausbildung unterscheidet er sich beträchtlich:

  • Spätestens alle 1 ½ Stunden eine viertelstündige Pause
  • Weniger kontrollierende Aufmerksamkeit auf dem Einzelnen durch die Klassengröße
  • Lange bekanntes Umfeld
  • Unkomplizierteres Reagieren auf die Witterung (Kleidung, Fenster usw.)

Um dies aufs Arbeits-Extrem umzulegen hat man dann einen Azubi, der sich durch fremde Kollegen unter Dauerbeobachtung befindet, mindestens vier Stunden am Stück aufmerksam sein muss, kaum Einfluss auf die Temperatur am Arbeitsplatz und gar keinen auf seine Kleidung hat.

Natürlich müssen Auszubildende diese Aspekte erlernen, denn sie gehören nun mal zum Beruf dazu. Falsch wäre es indes, ihnen ihre Situation nicht etwas erträglicher zu machen. So sollten die neuen Kollegen durchaus innerhalb der erlaubten Kleiderordnung ermutigt werden, sich „Marscherleichterung“ zu verschaffen.

Und wenn der Chef ein paar Kleinigkeiten, die die Hitze erträglich machen, zur Verfügung stellt, zahlt sich dies gleich doppelt aus: Der Azubi kann sich mittels LED-Ventilator, Aquaspray oder Handy-Propeller Kühlung verschaffen und sieht gleichzeitig, dass man sich hier um seine Nöte auch abseits der Arbeitsleistung kümmert. Auf diese Weise wird das Neue, das jedem Menschen Angst macht, zumindest teilweise abgeschwächt, die ersten Arbeitstage für die Berufseinsteiger erleichtert.

5. Nette Kollegen, bitte

Die Belegschaft eines Unternehmens ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Das bedeutet aber auch, dass es hier genügend Menschen gibt, die schlicht zur Kategorie „Dauer-grummelig“ gehören und die vielleicht mit Jugendlichen weder Erfahrung haben noch sonderlich auf diese erpicht sind.

Und ganz gleich, wie die betrieblichen Notwendigkeiten auch sein mögen, zumindest in den ersten Wochen sollte darauf geachtet werden, dass die Azubis nicht den ganzen Tag mit diesen Charakteren verbringen müssen. Denn schlechte Laune färbt sehr schnell auf andere ab. Schlimmstenfalls wird so der Elan, den die Jugendlichen in den ersten Wochen haben, auf Nimmerwiedersehen demoliert.

6. Wider der Hackordnung

Wo Großbetriebe und Büros meist modern und progressiv auch gegenüber den Auszubildenden eingestellt sind, hat sich vor allem im Handwerksbereich oft noch eine echte Unart erhalten können: Die Hackordnung unter den Azubis. Wie ehedem „bossen“ oder „mobben“ da diejenigen, die in den höcheren Lehrjahren stecken – und die frisch Eingetrudelten haben darunter zu leiden.

Junge Menschen verstehen junge Menschen. Für die ersten Wochen und die Berufs-Basics sollten Azubis daher einen ähnlich alten „Lehrmeister“ bekommen.

Die schlechte Nachricht vorweg: Selbst in kleinen Betrieben können Führungskräfte diese Hackordnung nicht vollständig kontrollieren. Dazu müssten alle Auszubildenden dauernd unter Kontrolle stehen. Allerdings kann es durchaus helfen, wenn die neuen Azubis nicht Seite an Seite mit den Älteren die gleichen Arbeiten erledigen müssen („Bringt mal bitte den Müll raus“), sondern alleine. So bleiben die Kontaktpunkte dort, wo Vorgesetzte keinen Einblick haben, gering und die unkontrollierbare Hackordnung bleibt trotzdem in ihren Auswirkungen kontrollierbarer.

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7. Auf Augenhöhe statt von oben herab

Auszubildende 2017 kommen aus einer Welt, in der sie jahrelang von den Eltern eine Erziehung auf Augenhöhe vorgelebt bekamen und in der Schule vor Lehrkräften saßen, die lange dafür trainiert wurden, Wissen den jugendlichen Bedürfnissen entsprechend perfekt zu vermitteln.

Und dann treffen die gleichen Jugendlichen, wenn sie ihre Ausbildung beginnen:

  • auf einen Firmenbesitzer, der den unnahbaren Patriarchen gibt, vor dem alle Kollegen einen Heidenrespekt haben.
  • auf langjährig im Unternehmen beschäftigte Vorgesetzte, die ihren Führungsstil offenbar auf dem Kasernenhof erlernten
  • auf Kollegen, die jenseits sämtlicher Vernunft nur Leistung, Leistung, Leistung liefern und eigentlich ein Paradebeispiel dafür sind, wie man sich möglichst schnell in den Burnout befördert

Auf Menschen, die jedoch wirklich auf Augenhöhe mit jungen Menschen umgehen können und das nötige Berufswissen mit Freude und „jugendlichengerecht“ vermitteln, treffen sie jedoch in den seltensten Fällen.

Dabei ist die Lösung einfach: Es muss nur dafür gesorgt werden, dass jemand im Unternehmen, der vielleicht selbst noch jung ist, dazu auserkoren wird, die Grundlagen zu vermitteln.

Das muss nicht für das ganze erste Lehrjahr sein, nicht einmal für mehrere Monate. Es reicht, wenn ein junger Mensch, der die Ausbildung abgeschlossen und trotzdem nicht vergessen hat, wie es sich anfühlt „der Neue“ zu sein, in den ersten Wochen die Azubis auf ihrem Alltag begleitet. Ein Ansprechpartner, der Wissen vermitteln kann, aber ohne gestreng, unnahbar oder „von oben herab“ zu wirken.

Fazit

Die ersten Wochen in einem Betrieb können für Azubis über Wohl und Wehe entscheiden. Wer es richtig machen will, versucht zumindest anfangs nicht, den Jugendlichen den gesamten Ernst des Arbeitslebens vor Augen zu führen.

Clevere Entscheider gehen einen etwas sanfteren Weg, denn für Auszubildende ist in den ersten Tagen und Wochen alles neu. Wer hier die richtigen Hebel umlegt, motiviert nicht nur für alles Weitere, sondern zieht sich Kollegennachwuchs heran, der ungeachtet aller Lagen treu zum Unternehmen steht.

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