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Finanzplanung & Vermögensaufbau für Einsteiger – 4/4: 4 X 8 Tipps für Aktien



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Aktien sind Wertpapiere, werden an der Börse gehandelt und gelten vielen als unsicheres Geschäft. Mit diesem Vorurteil räumen die folgenden Tipps auf.

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Hier schreibt für Sie:

 

holger-jungclaus_1-portrait_quadrat Holger JungclausHolger Junglaus ist Finanzexperte und Steuerberater.

Profil

3 Kritierien für die Auswahl von Aktien

In Zeiten von Nullszinspolitik und globaler Unsicherheit weichen viele Anleger in Gold aus. Ich rate Ihnen jedoch, auf lebendiges Gold zu setzen. Mit diesem Begriff meine ich Aktien. Anders als Gold wirft eine gut gewählte Aktie Erträge über die Dividende ab. Und wie finden Sie die richtige Aktie? Als Geldsouverän setzen Sie Ihr erworbenes Fachwissen ein und prüfen zudem mit gesundem Menschenverstand, ob folgende drei Kriterien erfüllt sind:

  1. Eine Aktiengesellschaft muss nachgefragte und erfolgreiche Produkte herstellen oder Leistungen erbringen.
  2. Sie muss ihre Mitarbeiter gut bezahlen und ebenso behandeln.
  3. Außerdem muss sie für ihre Anteilseigner eine Dividende erwirtschaften, die nicht aus der Firmensubstanz gezahlt wird und nur teilweise ausgeschüttet wird, um weiter investieren zu können.

Was ist eigentlich eine Aktie?

Aktien sind Wertpapiere. Eine Aktie steht für einen Anteil am Unternehmen. Alle Aktien zusammen bilden das Grundkapital der Gesellschaft. Mit dem Kauf werden Sie Teilhaber. Sie nehmen am Gewinn durch die Dividendenzahlung teil. Der nicht ausgeschüttete Gewinnanteil wächst Ihnen durch die Kurssteigerung zu. Und aus welchen Komponenten besteht eine Aktie?

Lassen Sie uns an einem konkreten Beispiel analysieren, was eine Aktie alles beinhaltet. Nehmen wir die BASF-Aktie: Die Firma produziert und verkauft Weltweit. Sie hat Grund­stücke, Gebäude, Betriebsvorrichtungen Betriebs- und Geschäftsausstattung, Fahr­zeuge aller Art usw. Dazu kommen die Belegschaft und das Management. Alles zusammen bildet eine Einheit, die auch als Symbiose bezeichnet werden kann, denn für alle Partner, Belegschaft, Management, Kunden und Anteilseigner ist sie von Vorteil.

Aktien, das „lebendige Gold.“

Aktien sind also etwas ganz Besonderes, ein Produkt, das sich stets neu erfindet, indem, wenn es nötig ist, alle Parameter verändert, ausgetauscht oder verbessert werden können. Aktien sind Beteiligungen am stetigen Wandel der Wirtschaft.

Ich bezeichne Aktien deshalb als „lebendiges Gold!“ – „Gold“, weil die Aktie für mich das beste langfristige Investment ist, das es gibt, „lebendig“, weil alles ständig in Bewegung ist, weil die Gesellschaften sich stets neu erfinden, d. h. sich fortlaufend den Gegebenheiten anpassen müssen.

8 Tipps: Was Sie noch rund um die Aktie wissen sollten

  1. Die Hauptversammlung: Die Hauptversammlung (HV) ist die Versammlung der Aktionäre, um Beschlüsse zu fassen. Sie wählt die Aufsichtsratsmitglieder und erteilt ihnen und dem Vorstand die Entlastung. Sie beschließt die Ausschüttung einer Dividende, fasst Beschlüsse zur Geschäftsordnung, zu Satzungsänderungen, Kapitalerhöhungen und vieles mehr.
  2. Die Dividende: Unter Dividende wird landläufig die Bar-Dividende verstanden. Daneben gibt es noch die Stock- und die Natural-Dividende. Die Stock-Dividende wird von den Unternehmen angeboten, um das Geld in der Firma zu behalten. Anstatt Bargeld bietet die Firma Aktien an. Sie stocken also Ihre Aktienanzahl auf. Die Naturaldividende erhalten die Ak­tionäre auf der Hauptversammlung. Die Brauereien bieten Freibier, andere ein strotzendes Buffet.
  3. Gratis- oder Berichtigungsaktien: Dies sind Anteile, die der Anteilseigner ohne Zuzahlung, also gratis erhält. Sie stammen oftmals aus einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln. Die Gesellschaft wandelt Rücklagen in Grundkapital um.
  4. Bonusaktie: Bei der Bonusaktie erhält der Aktionär neben der Dividende Treue-Aktien – evtl. für eine bestimmte Haltefrist. Sie stammen nicht aus einer Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln.
  5. Aktiensplits und Aktienrückkauf: Die Gesellschaften führen sogenannte Aktiensplits durch. Das heißt, die ausgegebenen Aktien werden eingezogen und dafür werden mehr neue Aktien ausgegeben. Ein Split 1:2 bedeutet: Für eine alte Aktie erhält der Aktionär zwei neue. Das bedeutet für Sie z. B., aus Ihren vierzig Aktien werden achtzig Stück. Gleichzeitig sinkt der Kurs z. B. von 110 auf 55 €. Der hauptsächliche Sinn liegt darin, den Kurswert niedriger zu gestalten. Ein Aktienrückkauf ist das Gegenteil eines Splits. Er erfolgt, um die Dividendenrendite zu erhöhen.
  6. Kapitalerhöhung: Bei einer Kapitalerhöhung werden neue Aktien, „junge Aktien“ genannt, ausgegeben. Der Altaktionär erhält als Ausgleich Bezugsrechte, die er zum Kauf junger Aktien nutzen oder aber an der Börse verkaufen kann.
  7. Spin-off: Bei einem Spin-off gliedert das Unternehmen einen Teil seines Unternehmens als eigenständige Firma aus. Als Ausgleich erhalten die Aktionäre gratis Aktien des neuen Unternehmens.
  8. Fusion: Die Fusion, auch Verschmelzung genannt, ist der Zusammenschluss zweier (oder mehrerer) selbstständiger Unternehmen.

Die Angst der Deutschen vor Aktien

Was sagt man deutschen Anlegern nicht alles nach: Sie haben eine Aktienallergie. Sie vermeiden Risiko, weil sie keine Verluste wollen. Beim Immobilienkauf dagegen haben die Deutschen ganz klare Vorstellungen. Zunächst muss Geld gespart werden. Während des Ansparvorgangs entwickeln sich die Gedanken über das Gebäude.

Wie groß soll es werden? Wo und was soll gebaut werden? Ein Haus oder eine Eigentumswohnung? Geduldig wartet der Bauherr, bis das Eigenkapital vorhanden ist. Dann wird gebaut oder gekauft. Sein Investitionsansatz ist genau definiert und hat nur ein Ziel: Die eigene Nutzung. Während der Nutzungsphase interessiert es ihn nicht, ob sein Grundstück wertvoller oder wertloser wird. Seine Geduld mutiert zum Beharrungsvermögen.

Genau das sind die Tugenden, die bereits der Großmeister der Börse, André Kosto­lany, für den erfolgreichen Aktienkauf definiert hatte, die drei großen G: Geld, Gedanken, Geduld.

8 Tipps: So analysieren Sie Aktien richti!

Die Deutschen werden definitiv in die Irre geführt. Sehen Sie sich die Musterdepots an, die in namhaften Zeitungen und Magazinen veröffentlicht werden. Alle zielen nur auf die Kursgewinne. Ich habe noch keines gesehen, das auf die Dividende abstellt.

Hinzu kommt die kurzfristige Betrachtungszeit: Fonds des Monats oder Zeiträume zwischen ein, zwei oder drei Jahren. Höchstens über die mittlere Laufzeit wird noch berichtet, weiter reichen die Betrachtungszeiträume nicht. Das ist dem vollen Umfang und langfristigen Wert der Aktie jedoch nicht angemessen.

  1. Zweck einer Aktiengesellschaft: Eine Aktiengesellschaft muss ihre Kunden zufriedenstellen. Also nachgefragte, erfolgreiche Produkte offerieren, wie z. B. folgende Firmen: Coca Cola und McDonald’s begegnen Ihnen fast an jeder Ecke. Schauen Sie sich in Ihrem eigenen Haushalt um, z. B. im Badezimmer: Wer sind die Hersteller Ihrer konsumtiven Produkte?
  2. Auswahl von Aktien: Bei der Auswahl der Aktien schalten Sie Ihren gesunden Menschenverstand ein und vergessen Sie die typischen Analysemethoden – Chartanalyse, Aktienanalyse, technische Analyse und was es sonst noch alles gibt. Für Profis mögen sie wichtig sein, für Sie als Privatanleger nicht. Sie müssen keine Benchmark und keinen Index schlagen, und Sie stehen auch zu niemandem in Konkurrenz.
  3. Kriterium Mitarbeiterzufriedenheit: Eine Aktiengesellschaft muss ihre Mitarbeiter ordentlich bezahlen und behandeln. Soziale Leistungen, Mitbestimmung und Weiterbildung sind neben der leistungsgerechten Bezahlung heutzutage unabdingbare Voraussetzungen für engagierte, loyale und zufriedene Mitarbeiter.
  4. Warum Dividende wichtig ist: Eine Aktiengesellschaft muss für die Anteilseigner eine Dividende erwirtschaften. Hier liegt der Schwerpunkt auf erwirtschaften. Wird die Dividende aus der Substanz bezahlt, wie die Telekom es jahrelang getan hat, schwächt dies die Kapitalbasis und das Vertrauen in die Aktie.
  5. Das Geschäftsmodell berücksichtigen: Ein Unternehmen, das bereits jahrzehntelang Dividende zahlt und diese auch noch Jahr für Jahr erhöht, hat ein florierendes Geschäftsmodell und wird so schnell nicht untergehen. Eine Aktiengesellschaft hat drei wichtige Funktionen. Werden diese nicht erfüllt, können Sie davon ausgehen, dass ihr Geschäftsmodell nicht oder noch nicht funktioniert, bzw. auf Dauer nicht tragfähig ist.
  6. Die Substanzzahlung berücksichtigen: Ein deutliches Zeichen für eine Substanzzahlung ist die Steuerfreiheit der Dividende, denn es handelt sich in diesem Fall um eine Kapitalrückzahlung, nicht um eine erwirtschaftete Dividende
  7. Beharrungsvermögen ist gefragt. Wenn Sie nach der oben beschriebenen Analyse Ihre Aktien ausgesucht und gekauft haben, gibt es keinen Grund bei Börsenschwankungen nervös zu werden.
  8. Ändern Sie Ihren Zielansatz beim Aktienkauf: Anstatt auf Kursgewinne zu setzen, muss die Dividende im Vordergrund stehen und Sie sollten die gleiche Geduld wie bei einer selbst genutzten Immobilie entwickeln.

3 Tipps: Spekulation – aber richtig!

Die Spekulation ist die Annahme, in die Zukunft sehen zu können. Der Börsenspekulant geht von einer Veränderung zu seinen Gunsten aus. Er glaubt zu wissen, wie ein Wertpapier oder eine Währung sich entwickelt, um künftig einen finanziellen Vorteil zu erzielen. Spekulation kann auf steigende (Hausse-Spekulation) oder fallende Preise (Baisse-Spekulation) gerichtet sein.

Der Wunsch, von den Schwankungen an der Börse, speziellen Tipps oder vermeintlichen Entwicklungen zu profitieren, ist groß. Ich rate Ihnen, entwickeln Sie Gleichmut. Wenn Sie unbedingt spekulieren wollen, gehen Sie wie folgt vor:

  1. Richten Sie ein Extra-Depot/-Konto ein.
  2. Gehen Sie von vornherein von einem Totalverlust aus.
  3. Geht Ihre Spekulation auf, nehmen Sie das eingesetzte Kapital heraus. Dann spekulieren Sie nur noch mit gewonnenem Geld. Der Verlust ist nicht so schmerzhaft wie der des eigenen Kapitals.

8 Tipps: Das müssen Sie beim Aktien-Kauf beachten?

Was Sie wissen sollten: Privatanleger werden beim Kauf oftmals benachteiligt. Die Erstzeichnung findet bereits vor der ersten Börsennotiz statt, meistens ohne den Privatanleger. Dann haben die Erstzeichner schon Kasse gemacht. Gerade am Anfang stützen die Banken bei Bedarf den Kurs. Beim Wissen rund um den Börsenkandidaten sind die Privatanleger benachteiligt. Großinvestoren haben den direkten Draht zur Führungsmannschaft und das Research der Analysten liegt noch nicht vor.

  1. Niemals Neuemissionen kaufen! Sie sollten nur Aktien von Firmen kaufen, die bereits lange bestehen. Das schließt den Kauf von Neuemissionen aus.
  2. Kaufen Sie stets mit einem Limit. Weil die Börse schwankt und es große Verwerfungen gibt, schützt Sie nur ein Limit.
  3. Nicht ärgern: Ärgern Sie sich nicht, wenn der Kauf misslingt. Die nächste Chance kommt bestimmt.
  4. Keine Teilkäufe: Keine Teilkäufe zulassen. Schließen Sie Teilkäufe aus, sonst zahlen Sie die doppelten oder dreifachen Gebühren.
  5. Zeit für die Order: Geben Sie der Order einen angemessenen Zeithorizont, denn Sie haben es nicht eilig. Drei bis vier Wochen sollten es sein.
  6. Börsenplatz: Wählen Sie den richtigen Börsenplatz. Das ist der, an dem die Aktie am meisten gehandelt wird. In Deutschland ist das fast immer Frankfurt.
  7. An der Heimatbörse kaufen: Werden ausländische Aktien nur wenig gehandelt, kaufen Sie an der Heimatbörse, z. B. in London oder New York. Die Kosten sind zwar etwas höher. Das spielt aber für ein langfristiges Investment nur eine untergeordnete Rolle.
  8. Kein Klumpenrisiko: Vermeiden Sie ein Klumpenrisiko. So viel Geld, wie Sie in eine Immobilie investieren, werden Sie niemals für eine einzige Kapitalanlage ausgeben. Das ist das Problem vieler. Sie sind Millionäre, weil ihre Immobilie über Jahrzehnte hinweg einen enormen Wert erreicht hat. Sie besitzen zwar Betongold, haben aber keine Liquidität. Überlegen Sie gut, wie Sie Ihr Geld diversifizieren. Mit Aktien, Anleihen und Termin-Festgeld sind Sie stets liquide. Ein weiteres Klumpenrisiko entsteht durch Investitionen in nur einer Währung.

8 Tipps: Was muss ich beim Aktien-Verkauf beachten?

Für den Verkauf von Aktien gelten im Wesentlichen die gleichen Bedingungen wie für ihren Kauf:

  1. Verkauf mit Limit: Verkaufen Sie stets mit einem Limit.
  2. Keine Teilverkäufe: Lassen Sie keine Teilverkäufe zu.
  3. Zeit für die Order: Geben Sie der Order genügend Zeit (also mehrere Wochen).
  4. Der richtige Börsenplatz: Wählen Sie den richtigen Börsenplatz.
  5. Klumpenrisiko vermeiden: Achten Sie darauf, dass durch den Verkauf kein Klumpenrisiko entsteht.
  6. Nur bei Not verkaufen: Ein Aktienverkauf findet nur statt, wenn Sie unbedingt Geld benötigen. Ansonsten bleiben Sie Ihren Aktien treu und freuen sich über die Dividenden.
  7. Auch für die Altersvorsorge sind Aktien bestens geeignet: Vergessen Sie die alberne Regel „Hundert minus Alter ergibt den Anteil der Aktien im Depot“. Ein Rentner wird seine Aktien nicht auf einen Schlag verkaufen.
  8. Liquiditätspolster: Nötig ist lediglich ein Liquiditätspolster, das es ermöglicht, bei schwachen Börsendaten nicht verkaufen zu müssen.
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