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Wenn Effizienz unproduktiv macht – 3 Mythen: Faul zu besserer Leistung?


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Effizienz ist in unserer ArbeitsWelt wichtig, wenn man aber genauer hinschaut, macht sie gar nicht so produktiv, wie man eigentlich denken sollte. Denn wer sich fest an seinen Zeitplan nagelt und immer nur Dinge macht, die sich lohnen, verliert dabei mehr Lebenszeit, als er eigentlich gewinnt. Zeit, mit 3 Mythen aufzuräumen.

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Hier schreibt für Sie:

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Mythos 1: Früh aufstehen macht besonders produktiv

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich morgens freiwillig um 6 Uhr oder teilweise noch früher aufstehe, ganz ohne Wecker, kommt oft ein „Oh wie beneidenswert“. Das rührt daher, dass sich mittlerweile die Haltung durchgesetzt hat, dass Menschen, die vor 6 Uhr aufstehen, besonders produktiv seien.

Als ausgesprochener Morgenmensch kann ich sagen: Klar ist man frühmorgens, wenn man das Wichtigste schon erledigt hat bevor gegen 9 Uhr all die Anrufe losgehen, besonders produktiv. Aber ich für meinen Teil bin dann gegen Mittag oft auch schon recht müde.

Das ist besonders nachteilig, wenn dann manche Kunden am späten Nachmittag etwas von einem wollen. Nicht selten legt man auf die Weise dann unfreiwillig einen 12-14 Stunden-Tag hin. Daher ist es mir persönlich lieber, zwischen 7 und 8 Uhr aufzustehen und mit der Arbeit  anzufangen – während die anderen noch zur Arbeit fahren, bin ich ja meist im Home Office schon dabei – eben zu normalen Büro-Zeiten. Dann ist man während der normalen Arbeitszeiten erreichbar, macht dabei aber auch keine Überstunden. Und kann, weil die Fahrt ins Büro wegfällt, noch verhältnismäßig lange schlafen.

Mythos 2: Aufräumen macht besonders produktiv

Klar, in einem schön ordentlich aufgeräumten Büro arbeitet es sich besser. Dennoch sollte das Ordnung-Halten nicht zum Selbstzweck werden – das perfekte Ordnungssystem gibt es nämlich schlicht nicht. Wer versucht, es zu schaffen, wird schnell an den Punkt kommen, an dem er feststellt, dass er oder sie sich vorher sogar besser zurecht gefunden hat. Außerdem sollte mach beachten: Es gibt einfach unterschiedliche Typen, darunter auch die folgenden Extreme:

  • Auf der einen Seit die Chaoten. Die Chaoten räumen nicht auf, halten keine Ordnung – zum Beispiel weil es ihnen einfach nicht so wichtig ist. Oder weil sie nicht zur Ordnung erzogen wurden und infolgedessen nicht daran gewöhnt sind aufzuräumen. Oder weil sie es einfach nicht hinbekommen, Ordnung zu halten. Bei manchen Menschen liegt offenbar der Verlust einer willentlichen Steuerung zur Organisiertheit vor – das hat dann krankhafte Züge.
  • Auf der anderen Seite die Pedanten. Alles immer ordentlich, akurat, sauber. Im Extremfall muss auf dem Tisch alles in Reih und Glied stehen. Mitunter haben solche Pedanten ihr ganz eigenes hochkompliziertes Ordnungssystem. Häufig nerven sie auch ihre Umgebung damit und haben nicht selten einen Kontrollfimmel, der sich nicht nur auf die Ordnung sondern auch auf andere Lebensbereiche erstreckt. Auch Pedanterie die damit einhergehende Kontrollsucht können im Extremfall krankhaft sein.

Auf den ersten Blick haben beide Gruppen wenig miteinander gemeinsam. Und doch sind sie sich ähnlicher als viele vielleicht denken. Denn wenn man mal genauer hinschaut, warum manche Leute so chaotisch sind und nachfragt, stellt man fest: Viele chaotische Menschen möchten es eigentlich auch gerne sauber, ordentlich und kontrolliert haben. Aber weil sie glauben, sie würden es eh nicht hinbekommen oder gar Angst vor dem Berg an Arbeit haben, lassen sie es einfach sein.

Daher halte ich den goldenen Mittelweg zwischen übertriebener Ordnungsliebe und Chaos für ideal. Was mir persönlich hilft Ordnung zu halten: So wenig Dinge wie möglich aufzubewahren bzw. immer gleich alles Unwichtige wegwerfen. Und der regelmäßige Besuch einer Reinigungskraft.

Mythos 3: Das Zusammenfassen von Aufgaben hilft, Zeit zu sparen

Ein Tipp, der im Zeitmanagement gerne gegeben wird, um effizienter und produktiver zu sein: Einfach Aufgaben zusammenfassen. Klingt logisch, spart Zeit – und doch behaupte ich aus eigener Erfahrung, dass das manchmal sogar zum gegenteiligen Erfolg führt.

Wie das? Ich neige z.B. dazu, wenn ich einen Termin in der Innenstadt habe, mehrere Sachen auf einmal zu erledigen, damit ich nicht nochmal hinfahren muss. Ich gehe also bei der Gelegenheit gleich zur Post, zur Bank, nach Schuhen schauen usw. Ergebnis: Ich hetzte dann völlig gestresst durch die Gegend, von der Post zur Bank, von der Bank ins Schuhgeschäft. Und das Schlimme: Auch bei meinem Termin wirke ich dementsprechend unruhig, weil ich die ganzen anderen Sachen im Kopf habe, die ich noch erledigen muss. Am Ende komme ich total gestresst nach Hause und habe dementsprechend weniger Lust, noch produktiv etwas zu arbeiten.

Doch es geht auch anders: Wenn ich nicht immer alle Aufgaben zusammenfasse, muss ich auch weniger im Kopf behalten oder aufschreiben. Ich bin also bei der Erledigung der einzelnen Aufgaben entspannter und ruhiger, mein Termin z.B. läuft besser. Und das beste: Es macht mir auch noch mehr Spaß. Dadurch bin ich, wenn ich heimkomme, besser gelaunt und viel produktiver bei der Arbeit. Dafür muss ich zwar öfter durch die Gegend fahren – aber das ist mir meine Entspannung durchaus wert.

Fazit: Nicht immer ist es wirklich effizienter, verschiedene Aufgaben zusammenzupacken – manchmal ist es auch sinnvoll, bewusst ungeplant vorzugehen, um sich wichtige Lebensqualität zu erhalten.

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