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Checkliste Versicherungen für StartUps & Existenzgründer: 10 Tipps zur richtigen Absicherung


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StartUps boomen zur Zeit. Dabei sind Deutsche tendenziell eher sicherheitsbewusst. Das zeigt sich auch an den vielen Versicherungen, die für Existenzgründer angeboten werden. Doch welche sind wirklich sinnvoll?

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Hier schreibt für Sie:

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Sicherheitsbewusste Gründer

Auch wenn wir momentan einen regelrechten StartUp-Boom in Deutschland haben, sind die Deutschen eher sicherheitsbewusst: Gerade mal 13 Jahre ist es her, dass mich alle für verrückt erklärt haben, als ich mich selbständig gemacht habe.

Und vor 8 Jahren noch schrieb ich Artikel über anonyme Insolvenzler. auch wenn gescheiterte Gründer mittlerweile auf Fuck-Up-Nights unterhaltsam von ihrem Scheitern erzählen, ist unternehmerisches Scheitern in Deutschland nach wie vor ein schwieriges Thema.

Welche Versicherungen brauchen Gründer wirklich?

Das zeigt, wie wichtig Sicherheit in Deutschland ist. Kein Wunder also, dass Geschäftsversicherungen für Existenzgründer boomen. Das bringt viele Gründer, die keinen Investor im Hintergrund haben, in ein Dilemma:

Einerseits wollen und sollen sie sich absichern, andererseits brauchen sie jeden Cent zum Aufbau ihres Unternehmens. Die falsche oder unnötige Versicherung wird da schnell zum Kapital-Burner – und das bei gleichzeitiger Gefahr, im Ernstfall sogar unterversichert zu sein.

Dabei sollen Versicherungen eigentlich vor genau diesen Folgen bewahren: Nämlich vor  schlimmen finanziellen Folgen, unabwendbaren Ereignissen oder Krankheiten. Und sie geben das subjektive Gefühl, gegen fast alle Risiken abgesichert zu sein.

15 Milliarden für überflüssige Versicherungen

Doch jeder Jeck ist anders und jeder Gründer und jedes Unternehmen braucht je nach Branche, Mitarbeiterzahl und Auftragsvolumen eine andere Versicherung. Denn längst nicht alle Versicherungen sind für jeden sinnvoll:

Experten schätzen, dass Deutsche jährlich 15 Milliarden Euro für überflüssigen Versicherungsschutz zahlen. Besonders Existenzgünder neigen dazu, ihre berufliche Unsicherheit in der Anfangsphase der Selbständigkeit mit einem Übermaß an finanzieller Absicherung zu kompensieren.

Betriebskosten-, Betriebsunterbrechungs- oder Forderungsausfallversicherungen beispielsweise lohnen sich nur für größere Unternehmen. Sinnvoll kann es sein, Unternehmensanlagen abzusichern. Teuere Spezialversicherungen, etwa gegen Glasbruch, Sturm oder Feuer rentieren sich meist nicht. Eher sollte man eine Gesamtversicherung der wahrscheinlichsten Risiken abschließen.

Achtung vor Unterversicherung im Schadensfall

Mindestens ebenso schlimm ist jedoch eine Unterversicherung, denn im Schadensfall können Zahlungen auf Sie zukommen, die Sie kaum selbst zu stemmen in der Lage sind. Schulden bis hin zur Insolvenz können die Folge sein, wenn dann keine Versicherung einspringt.

Ob und welche Versicherungen für Sie notwendig sind, hängt jedoch ganz von Ihrer Situation und Ihren Risiken ab – je nach Alter, Familienstand und Beruf: Jüngere Kleinselbstständige mit Familie brauchen andere Versicherungen als ältere Unternehmer mit mehreren Angestellten. Und einige Berufsgruppen haben höhere Unfall-, Krankheits- oder Haftpflichtrisiken als andere.

Durchblick im Versicherungsdschungel

Problematisch ist es, bei den vielen Versicherungsangeboten mit unterschiedlichen Klauseln den Durchblick zu behalten. Zwar gibt es im Internet zahlreiche Websites mit kostenlosen Informationen und Preisvergleichen anbieten.

Viele dieser Sites werden von Versicherungsmaklern oder Versicherungsgesellschaften betrieben. Diese sind kaum objektiv und werden in der Regel solche Versicherungen vermitteln und in Preisvergleichen positiv darstellen, die ihnen selbst höhere Provisionen einbringen. Eine wirklich unabhängige Versicherungsberatung hingegen ist sehr teuer.

Policen regelmäßig checken

Im Versicherungsdschungel die passende Versicherung zu finden, ist nicht einfach. Denn jeder Gründer hat andere Risiken, die er individuell versichern muss. Einige Versicherungen sind jedoch per Gesetz Pflicht.  Und auch wer schon Versicherungen abgeschlossen hat, sollte seine Policen regelmäßig überprüfen, statt sie einfach liegen zu lassen:

Sind Risiken doppelt abgesichert? Wurden irgendwann Risiken abgesichert, die jetzt nicht mehr bestehen? Überflüssige Versicherungen Kündigen sollten sofort gekündigt werden, denn das Geld dafür kann sinnvoller in das Unternehmen investiert werden.

10 Tipps für die Auswahl der richtigen Versicherung

  1. Die gesetzliche Krankenversicherung: Krankenversicherung ist Pflicht. Allerdings haben Selbständige die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenkasse. Bei der gesetzlichen Krankenkasse liegt der Beitragssatz bei rund 500 € im Monat. Gründer können den Satz jedoch bis auf etwa 180 € drücken, wenn Sie vermögenslos sind und nachweislich weniger als die Beitragsbemessungsgrenze verdienen. Und wer nur nebenberuflich selbständig ist (Achtung: Nicht mehr als 18 Stunden in der Woche!) und hauptberuflich Kinder erzieht oder eine Aus- oder Weiterbildung macht, kommt mit ca. 120 € davon.
  2. Die private Krankenversicherung: Sie können sich auch privat krankenversichern – manchmal ist das sogar billliger als die gesetzliche Krankenkasse. In der Regel ist die gesetzliche Krankenkasse allerdings für Frauen und Familien günstiger. Denn auch wenn die privaten Krankenkassen gerade für jüngere und männliche Mitglieder mit niedrigen Beitragssätzen aufwarten: Das kann sich später ändern, wenn die Tarifgruppe geschlossen wird oder die Beiträge nicht stabil bleiben. Und nur wer dann vor dem 55. Lebensjahr wieder zum versicherungspflichtigen Arbeitnehmer wird, darf wieder in die gesetzliche Kasse zurück.
  3. Die staatliche Rentenversicherung: Die staatliche Rentenversicherung ist nur für einige Gründer Pflicht: Selbständige in Lehr-, Heil- und Pflegeberufen, zulassungspflichtige Handwerker und Unternehmer, die mehr als fünf Sechstel Ihres Einkommens von nur einem Kunden erhalten, müssen 19,9 % Ihres Einkommens in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sofern ihr Gewinn 4800 € im Jahr übersteigt und sie keine sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen. Alle anderen können sich freiwillig versichern und ihre Beiträge frei wählen.
  4. Riesterförderung und private Altersvorsorge: In den ersten fünf Jahren nach der Gründung besteht die Chance, sich durch eine Pflichtversicherung in der staatlichen Rentenversicherung einen Anspruch auf Riester-Förderung zu erwerben. Die private Altersvorsorge ist jedoch in der Regel lukrativer. Private Rentenversicherungen versprechen dabei Sicherheit, werfen jedoch nur magere Renditen ab und kosten hohe Gebühren. Experten empfehlen daher die Anlage in Fonds, am besten in gebührensparenden Fondssparplänen, natürlich nicht ganz ohne Risiko.
  5. Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung: Sinnvoll ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn die staatliche Erwerbminderungsrente, die dann fällig wird, wenn man als Rentenversicherungspflichtiger vor Eintritt des Rentenalters nicht mehr arbeiten kann, deckt dieses Risiko kaum noch ab. Der kritische Punkt bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung findet sich unter dem Begriff „abstrakte Verweisung“. Steht das im Vertrag, prüft die Versicherung, ob der Unternehmer im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht dennoch eine verwandte Tätigkeit ausüben könnte – unabhängig davon, ob es überhaupt Arbeitsplätze gibt. Zum Glück findet sich diese Klausel nur noch selten in Vertragstexten.
  6. Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung: Oft schließen die Versicherungen auch Vorerkrankungen von der Versicherung aus. Wer deshalb keinen guten Berufsunfähigkeitsschutz bekommt, hat noch andere Möglichkeiten: Dread Disease Versicherungen gegen einzelne schwere Krankheiten, eine Grundfähigkeitenversicherung oder eine private Erwerbsunfähigkeitsversicherung.
  7. Die Unfallversicherung: Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt die private Unfallversicherung nur bei Unfällen – zwar Weltweit und dazu noch zu niedrigen Beiträgen – aber Krankheiten kommen statistisch gesehen viel öfter vor als Unfälle. Die Berufsgenossenschaft, in der sich Selbständige auch freiwillig absichern können (Vorsicht: in manchen herrscht Versicherungspflicht!) zahlt zwar auch bei Berufskrankheiten, deren Katalog ist aber stark eingegrenzt.
  8. Die Arbeitslosenversicherung: Noch relativ neu ist, dass sich mittlerweile auch Selbständige freiwillig relativ günstig (derzeit etwa 21 €) gegen Arbeitslosigkeit versichern können, sofern Sie vor der Gründung auch in der staatlichen Arbeitslosenversicherung waren. Eine private Arbeitslosenversicherung lohnt hingegen in der Regel nicht.
  9. Die Haftpflichtversicherung: Wichtig ist außerdem eine Haftpflichtversicherung: Die Betriebshaftpflicht deckt Schäden, die anderen im Rahmen des Geschäftsbetriebes zustoßen – etwa wenn sich jemand auf dem Firmengelände verletzt. Wenn ein Kunden finanzielle Einbußen hat, greift die Vermögensschadenshaftpflicht. Sie ist bei bestimmten Berufen, z.B. Rechtsanwälten, sogar Pflicht. Die Produkthaftpflicht übernimmt neben Sach- und Personenschäden, die durch fehlerhafte Produkte entstehen, auch Vermögensschäden. Und manchmal lassen sich berufliche und private Haftpflichtversicherung günstig kombinieren.
  10. Die Rechtsschutzversicherung: Relativ verzichtbar ist eine Rechtsschutzversicherung. Sie übernimmt weder Schadensersatzansprüche noch eine vorbeugende Rechtsberatung. Dafür müssen meist teuere und unnötige Leistungen mitgezahlt werden. Eine günstige Alternative für Selbständig können Rechtsberatung- und Schutz über einen Berufsverband sein.
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