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3 Beispiele für Crowdworking als Zukunfts-Trend in der ArbeitsWelt: So wird Ihr Job zum Baukasten


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Goldgrube für Innovationen einerseits – der eigene Chef und arbeiten, wann und wo man möchte andererseits? Das verheißen Crowdworking-Plattformen. Die Messe Zukunft Personal in Köln widmete dem Thema kürzlich einen eigenen Schwerpunkt. crowdwork-future-trend 3 Beispiele für Crowdworking als Zukunfts-Trend in der ArbeitsWelt: So wird Ihr Job zum Baukasten


Hier schreibt für Sie: Stefanie Hornung ist Pressesprecherin der Messe Zukunft Personal.

Arbeit wird zum Baukasten

Streiks der Bahn und das kurz vor Weihnachten – diese Gefahr ist nun gebannt. Gestern einigten sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Deutsche Bahn auf ein neues Tarifpaket. Das Besondere dabei: Die Beschäftigten bekommen nicht nur mehr Geld, sondern können on top selbst wählen, ob sie eine weitere Lohnerhöhung oder eine Reduzierung ihrer Wochenstundenzahl wünschen.

Was wir beim Online-Shopping längst gewohnt sind, hält zunehmend auch bei der Arbeit Einzug: Das eigene Arbeitsverhältnis lässt sich nach Wunsch konfigurieren. Ein Element dieses neuen „Baukastensystems“ ist das sogenannte „Crowdworking“.

Vernetzes Denken auf allen Ebenen

Über Plattformen schreiben Unternehmen verschiedenste Aufgaben aus – von anspruchslosen Micro-Aufgaben wie Apps testen, Adressen eingeben oder Produktbeschreibungen erstellen bis hin zu Forschungs-, Entwicklungs- oder Designaufgaben.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer vernetzen sich über digitale Plattformen, die alle Prozesse von Aufgabenstellung bis zu Vergütung abwickeln. „Es gibt heute etwa 100 Plattformen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven“, weiß Christoph Sieciechowicz, Vorstandsmitglied des Deutschen Crowdsourcing Verbands e.V.

Schluss mit starren Strukturen!

Für die Crowdworker bietet diese Arbeitsform viele Vorteile: Sie profitieren von abwechslungsreichen Aufgaben und flexibler Zeiteinteilung, die eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht.

„Wir möchten heute Freiheit, Flexibilität und Selbstbestimmung bei der Arbeit nicht mehr missen“, sagt Bastian Unterberg, der aus genau diesen Gründen jovoto gegründet hat, eine globale Kreativ-Plattform zur kollaborativen Ideenfindung, die mit internationalen Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und Werbeagenturen zusammenarbeitet. „Leute, die keine Lust auf die starren Strukturen eines Konzerns haben und frei über ihre Arbeitszeiten und Aufgaben entscheiden wollen, haben bei uns die Chance, mit tausend anderen Talenten an kreativen Lösungswegen zu arbeiten“, beschreibt Unterberg seine Plattform.

Flexibilität auf Kosten von Selbstausbeutung?

Doch es gibt auch Nachteile: Teilweise sittenwidrige AGBs, Entgelte unter Mindestlohnniveau, fehlende Sozialversicherung, Haftung und Schutz vor Willkür seien Probleme, die es zu lösen gelte, meint Vanessa Barth, die das Thema im Vorstand der IG Metall betreut. „Wir brauchen gewisse Standards, wie eine Sozialversicherung, die sich an der Künstlersozialkasse orientieren könnte, Mitbestimmungsrecht und Transparenz, Datenschutz und Privatsphäre sowie eine angemessene Vergütung. Auch ein Mindestlohn ist nicht ausgeschlossen“, so Barth. Mit der von der IG Metall angebotenen Plattform http://www.faircrowdwork.org sei zumindest bereits ein Tool entstanden, dass Crowdworker unterstützt und berät.

Auch aus Sicht der Unternehmen wechseln Licht und Schatten. Sie profitieren vom Crowdworking durch deutliche Kostenersparnis, neue Impulse für Innovationen und flexible Einsatzmöglichkeiten der Arbeitnehmer. Als mögliche Risiken nennt Christoph Sieciechowic jedoch rechtliche Unsicherheit und die Gefahr, dass Know-how aus den Unternehmen abwandert. Der Innovationsdruck ist Unternehmen ist allerdings aktuell offensichtlich so hoch, dass diese möglichen Nachteile in den Hintergrund rücken.

Beispiel 1: Innovationsradar der Deutschen Bank

Ideen aus der Crowd werden immer häufiger von großen Unternehmen genutzt, um Innovationen zu generieren. So hat zum Beispiel die Deutsche Bank Crowdstorming eingesetzt, um die Filiale der Zukunft zu entwerfen: Zunächst wurden dafür Crowdworker der Plattform jovoto befragt, welchen Service sie sich von einer Bank wünschen, wie man Künstliche Intelligenz für die Produkte einsetzen könnte und welchen Umgang sie mit Daten erwarten. „Die Ergebnisse waren hervorragend: Die Megatrends und Annahmen aus dem Future-Team der Deutschen Bank wurden durch die Crowd bestätigt.

Zudem hat uns dies neue Perspektiven von Menschen eröffnet, die sich nicht täglich mit Banking beschäftigen“, berichtet Mirjam Pütz, Head of Disruptive and Strategic Programs der Deutschen Bank. Die Ideen sollen nun in die Produkt und Service-Entwicklung der Deutschen Bank einfließen und zwar im ständigen Austausch mit dem Kunden im Prozess der sogenannten „Co-Creation“. In einem weiteren Crowdstorming-Projekt des Bankkonzerns ging es um nichts weniger als die Zukunft von Führung. „Wir haben eine tradierte, klassische Filialorganisation und eine agile ‚Digital Factory‘. Deshalb müssen Digital Leader Brückenbauer von der alten in die neue Welt sein“, benannte Pütz eine der Herausforderungen. Die Vorschläge der Crowdworker auf jovoto, die bereits vorwiegend digital arbeiten, gingen in die gleiche Richtung: Digital Leader sollten demnach Ambiguität aushalten können, sanft die Zusammenarbeit anschubsen und die Transformation vorantreiben.

Beispiel 2: Wheelmap – Crowdsourcing ist kein Selbstläufer

Menschen mit Mobilitätseinschränkung begegnen vielen Hindernissen – im Alltag, auf Reisen oder im Urlaub. Raúl Aguayo-Krauthausen, Gründer der Sozialhelden, hat deshalb die Wheelmap ins Leben gerufen: Eine Online-Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte. Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und öffentlich zugängliche Orte entsprechend ihrer Rollstuhlgerechtigkeit markieren – Weltweit und in 25 Sprachen.

Auf der Messe Zukunft Personal erzählt der Aktivist, der Osteogenesis imperfecta (umgangssprachlich „Glasknochen“) hat, nicht nur schonungslos und humorvoll von seinen Erlebnissen als Rollstuhlfahrer und dem Einsatz von Crowdstorming in seinen Projekten. In einer Diskussion äußerte er die Auffassung, dass Crowdworking für Innovationen hilfreich, gleichwohl aber kein Selbstläufer sei. „Ideen können und müssen auch die Unternehmen selbst schaffen. Die Crowd ist kein Garant für gelungene Innovation!“, so Krauthausen.

Beispiel 3: adidas – alles ist Netzwerk

adidas hat seit kurzem die neue Konzernstrategie „Create the New“, die auf vier Säulen beruht: Speed, Cities, Open Source und People. „Für mich ist Open Source die interessanteste Säule“, kommentiert Christian Kuhna, Zukunftsdenker der adidas Group HR Strategy. Es gehe darum, die erste Open Source Sports Brand werden, ohne genau zu wissen, was das bedeute. „Das ist ein mutiger Schritt, der ein neues Denken veranschaulicht: Die Zeit der Fünfjahrespläne ist vorbei.

Open Source ist ein fluider, adaptiver Prozess“, so Kuhna, der als eine Art freies Radikal im Unternehmen aktiv ist. Er erforscht Trends in der ArbeitsWelt und interpretiert sie für die Zukunft von Leadership und Personalmanagement in der eigenen Organisation. Kuhnas Motto basiert auf einer Aussage von Jon Husband: „Wir erleben den Shift von Hierarchies zu Wirearchies. Alles ist Netzwerk.“ Seine Arbeitsweise veranschaulicht, wie viele Beschäftigte demnächst arbeiten könnten: jenseits von Hierarchien und über Unternehmensgrenzen hinweg. So trifft der Director Think Tank Future Trends & Innovation intern in Zukunftsprojekten auf verschiedene Abteilungen und wirkt als Impulsgeber, Sparringspartner oder Gegenspieler.

Extern arbeitet er nicht nur mit Agenturen, sondern auch mit Kollegen in anderen Unternehmen zusammen, etwa bei Henkel, Telekom, Vitra oder BASF. Adidas werde demnächst in Brooklyn in einem Kreativgebäude eine Designfabrik eröffnen, in der verschiedene Communities mitwirken sollen. „Wir möchten bewusst außerhalb der Firmenstruktur Dinge ausprobieren, Regeln brechen und Impulse ins Unternehmen zurückbringen. Dafür brauchen wir Netzwerke, die ständig in Bewegung sind.“ Auch die Zusammenarbeit mit Crowdworkern gehört vermutlich zu diesem Netzwerkdenken, auch wenn Kuhna auf der Zukunft Personal dazu noch nichts Konkretes verraten wollte.

Fazit

Crowdworking ist für viele Beschäftigte eine gute Methode, selbstbestimmt und flexibel zu arbeiten. Unternehmen bieten sich insbesondere spannende Möglichkeiten im Innovationsmanagement.

Doch nur wenn Arbeitgeber, Gewerkschaften, Politik, Plattformen sowie die User selbst an einem Strang ziehen und gemeinsam die Zukunft des Crowdworking gestalten, werden sie die Potenziale bestmöglich heben und die Risiken für alle Seiten mindern können. Gleichzeitig macht sich das Prinzip der Weisheit von Vielen auch in den Unternehmen selbst breit, interne und externe Netzwerke können die Organisationsstruktur der Zukunft werden.

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