EnglishGerman

Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück



Voriger Teil Nächster Teil



Top500 & größtes englisches Blog zum deutschen Arbeitsmarkt (Quellen: DIE ZEIT, Wikipedia, dpa) mit News-Dienst Best of HR. Wir begleiten Kunden seit 15 Jahren im Wandel der Arbeitswelt - mit Beratung, Seminaren & passenden Locations.
Bildrechte: Bildmaterial erstellt von Simone Janson | Best of HR - Berufebilder.de

Jahrelang hat der Verein Deutscher Ingenieure vor dem Fachkräftemangel gewarnt, jetzt gibt es ihn plötzlich doch nicht. Offenbar die Reaktion auf Medienberichte wie hier im Blog.

ingenieur1 Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück


Hier schreibt für Sie:

 

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil

Medienberichte & Zahlenspiele

Im vergangenen Jahr war ich mit dem Thema in einer ARD-Reportage zu sehen, Erst letzte Woche habe ich in der Wirtschaftswoche über das Thema Fachkräftemangel berichtet und dabei die Diskussion & Fakten zum Thema noch einmal aufgerollt.

Schon 2010 prognostizierte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, dass bis 2015 fast 50 Prozent der Unternehmen einen Fachkräftemangel erwarten würden. Gleiches verkündeten 2012 auch Studien von Forsa oder Kienbaum.

Massenaustritte aus dem VDI

Und nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure fehlen in Deutschland sogar über 80.000 Ingenieure. Diese Zahl hat der VDI errechnet, indem er die Anzahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen mit sieben multipliziert hat. Grund: Nach einer Umfrage von 2009 wird nur jede siebte Stelle der Arbeitsagentur auch gemeldet.

Auf die Absurdität solcher Zahlen wurde immer wieder hingewiesen – von diversen Fachleuten, die in besagter ARD-Sendung auftraten, von Buchautor Martin Gaedt und auch immer wieder von uns hier im Blog und in Medien wie Welt oder Wirtschaftswoche.

Ja, es gab sogar eine großangelegte Aktion, die zum allgmeinen Austritt aus dem VDI aufrief.

VDI rudert zurück

Der VDI zeigte sich von alldem extrem unbeeindruckt, ja fast schon arrogant. Stoisch wurde immer wieder erklärt, dass man auf jeden Fall mit einem Fachkräftemangel zu rechnen habe.

Und jetzt das: Der VDI rudert zurück – aber natürlich gibt er das nicht zu. Plötzlich ist sogar von einem Ingenieur-Überschuss statt Mangel die Rede. So wird in einem Beitrag der F.A.Z. Michael Schwartz, Bereichsleiter Strategie und Kommunikation beim VDI, mit folgenden Aussagen zitiert:

Zum einen sei die Abbrecherquote in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen binnen zwei Jahren von 45 Prozent auf 35 Prozent gesunken. Zum anderen habe sich das Werben um Frauen gelohnt. Sie sind bei technischen Berufen zwar immer noch zahlenmäßig ihren männlichen Kollegen unterlegen. Aber ihr Anteil steige doch langsam. Und mittelfristig macht sich bemerkbar, dass vor einem Jahr zwei Abiturjahrgänge die Schule abgeschlossen und ein Studium aufgenommen haben. Daher werde wohl in fünf Jahren ein großer Jahrgang junger Ingenieure auf den Arbeitsmarkt drängen.

Vom Mangel zum Überschuss

Sind also die ständigen Medienberichte zum Thema doch nicht so ganz spurlos am VDI vorbei gegangen. Es scheint so. Aber zugeben würden sie das natürlich nicht.

Also fassen wir zusammen: Kein riesiger, den Wirtschaftsstandort Deutschland gefärdender Fachkräftemangel bei den Ingenieuren. Noch nicht einmal eine Lücke. Stattdessen ist plötzlich ein Fachkräftemangel in der IT. Aber darüber habe ich ja in der Wirtschaftswoche schon geschrieben.

berufebilder

Mehr Informationen? Nutzen Sie unsere Online-Kurse oder persönliche Beratung - die erste halbe Stunde ist umsonst!


Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf Best of HR - Berufebilder.de, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Pingback: Fachkräfteüberschuss - Lars Strempel

  2. Pingback: Interview mit Sabine Hansen Peck, Vorstand Amadeus IT-Group – 1/2: Fachkräftemangel & Personalentwicklung | B E R U F E B I L D E R

  3. Karriereexperten.com
    Karriereexperten.com

    RT @LVQ_Bildung: Fachkräfteüberschuss anstatt #Fachkräftemangel? (Beitrag via Twitter) Fw27M6J1CR via @SimoneJanson

  4. Berufebilder
    Berufebilder

    RT @LVQ_Bildung: Fachkräfteüberschuss anstatt #Fachkräftemangel? (Beitrag via Twitter) Fw27M6J1CR via @SimoneJanson

  5. Reviergold
    Reviergold

    RT @LVQ_Bildung: Fachkräfteüberschuss anstatt #Fachkräftemangel? (Beitrag via Twitter) Fw27M6J1CR via @SimoneJanson

  6. Christian Müller
    Christian Müller

    RT @LVQ_Bildung: Fachkräfteüberschuss anstatt #Fachkräftemangel? (Beitrag via Twitter) Fw27M6J1CR via @SimoneJanson

  7. LVQ.de

    Fachkräfteüberschuss anstatt #Fachkräftemangel? (Beitrag via Twitter) Fw27M6J1CR via @SimoneJanson

  8. MartinGaedt 44Fragen
    MartinGaedt 44Fragen

    Auf die Absurdität solcher Zahlen wurde immer wieder hingewiesen – von diversen Fachleuten wie Buchautor Martin Gaedt (Beitrag via Twitter) WmqwI2YFv6

  9. Thomas Kujawa
    Thomas Kujawa

    akt. Schlagzeile der #HR News: Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI… (Beitrag via Twitter) RIYQXQxN6g, see more (Beitrag via Twitter) H88sxxtE7e

  10. Uwe Borchert

    Hallo,

    zu der „statistischen“ Erfassung der Daten gibt es noch einige wichtige Sachverhalte. Diese führen zu einer extremen Verzerrung der erhobenen Daten.

    Auf der einen Seite werden die Stellenangebote in den verschiedenen Jobbörsen von ZA/PV dominiert. Diese wiederum schreiben sogenannte Allgemeinanzeigen aus. Das sind Stellenanzeigen für sogenannte Strukturstellen. Diese sind einfach nur Platzhalterstellen in Datenbanken um bei einer evtl. ankommenden Anfrage den Wunschkandidaten ohne Ausschreibung präsentieren zu können. Dabei ist aber die Anzahl der so vermittelten Bewerber vernachlässigbar. Hinter diesen Anzeigen stehen keine realem Stellen. Ebenso schalten normale Arbeitgeber HR-Image-Anzeigen. Das sind reine Werbeanzeigen, hinter denen auch keine Stelle steht. Diese Anzeigen machen je nach Konjunktur bis zu 90% aller Anzeigen, gelegentlich sogar mehr. Schon daher wird die Zahl der offenen Stellen viel zu hoch erfasst. Es existiert vermutlich nur 1/10 der ausgeschriebenen Stellen.

    Ein weiterer Knackpunkt ist die Registrierung der Arbeitslosen. Typischerweise werden diese zuerst im letzten Berufsumfeld gezählt. Musste der Ingenieur Taxi fahren oder der Chemiker Hamburger braten um eine Flaute auf dem Arbeitsmarkt zu überbrücken taucht er in den Zahlen der BA nicht mehr in seinem gelernten Beruf auf. Spätestens beim Abrutschen in ALG-II wird als Zielberuf nur zu gerne Helfer eingetragen. Und gezählt werden auch nur die Arbeitslosen nach SGB-III, das sind weniger als ein Drittel aller real Erwerbslosen ohne oder mit nur einem geringfügigen Taschengeld als Einkommen. Schon daher gibt es sehr wahrscheinlich mindestens drei mal mehr Erwerbslose mit der jeweiligen Qualifikation, als es die BA angibt. Da aber das Vorgehen der BA und der Jobcenter bzgl. des Zielberufs sehr individuell und intransparent ist, kann ich nicht abschätzen bei welcher Quote der Untererfassung man dann im Endeffekt ankommt.

    Und wem das noch nicht reicht: Bei der BA gibt es Informationen über die akademischen Berufe. Auf der einen Seite die jährliche Zahl der Absolventen und auf der anderen Seite die Zahl der SV-pflichtigen Arbeitsplätzchen. Dem nach sind die Verweildauern im Beruf bei den meisten MINT-Fächern nur noch wenige Jahre. Quelle:

    Gute Bildung – gute Chancen Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker

    Dem nach bleiben die gesuchten Ingenieure irgendwas um die 10 Jahre im Beruf, statt der geforderten fast 40 Jahre bis zur Rente. Bei Naturwissenschaftlern Physikern, Chemiker und Biologen als Ganzes sind das bereits unter 2 Jahren … Nach der Beverigde-Kurve müsste man bei der letztgenannten Gruppe etwa 20 geeignete Bewerber auf eine Stelle erwarten.

    Fachkräftemangel sieht anders aus! Und ganz abgesehen davon: Mit mindestens 5 Jahren (akademischer) Ausbildung ist das gemäß der mir bekannten Konventionen bereits Experte. Fachkräfte haben mindestens 3 aber unter 5 Jahren Ausbildung.

  11. Die Talent-Werker
    Die Talent-Werker

    VDI spricht auf einmal vom Fachkräfteüberschuss! (Beitrag via Twitter) sAe6i2FSPG Wir wissen nicht ob wir lachen oder den Kopf schütteln sollen 🙂

  12. Employour Blog
    Employour Blog

    Wer hätte es gedacht: Vom #Fachkräftemangel zum -Überschuss
    (Beitrag via Twitter) mKV6f5tyjA
    @Berufebilder

  13. Andreas Dotzauer
    Andreas Dotzauer

    Wohl doch kein #Fachkräftemangel: VDI rudert zurück via @berufebilder (Beitrag via Twitter) wnoLEaFAut #HR #Recruiting

  14. Uta K. Schlichte
    Uta K. Schlichte

    RT @Berufebilder: Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück – (Beitrag via Twitter) rlV4Z0q71x

  15. Arwed Röhrdanz

    Warum sollte der VDI eine Ausnahme machen?

    Die Geschichte hat uns doch eins gelehrt: Nicht jede Information stimmt. Oder haben die Leute schon vergessen was Walter Ulbricht sagte? „Niemand beabsichtigt eine Mauer zu bauen!“ Ich denke es hat sehr wohl etwas mit Ihrem Blog und auch Ihre Medienauftritte zu tun, sehr geehrte Frau Janson. Weiter so!

    Mit freundlichen Grüßen aus Stralsund
    Arwed Röhrdanz

    • Simone Janson

      Danke für den Kommentar!
      Ingesamt hat sich die Medienberichterstattung zum Thema Fachkräftemangel ein wenig verändert, im Gegensatz zu der Zeit, als wir hier im Blog mit dem Thema anfingen, ist die Tonalität insgesamt skeptischer geworden. Da spielen sicherlich viele Akteure eine Rolle, etwas das DIW, das Buch von Herrn Gaedt – und eben auch B E R U F E B I L D E R.
      Viele Grüße

  16. Kathrin Berger
    Kathrin Berger

    .. oder

  17. kanzlei-job
    kanzlei-job

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück: Jahrelang hat der Verein Deutscher Ingenieure … (Beitrag via Twitter) 4xVHf1XHT2

  18. Kathrin Berger
    Kathrin Berger

    Oer sie haben diesen Beitrag von report.münchen gesehn:
    https://www.youtube.com/watch?v=EcWS4yqMebs

  19. Thomas Eggert
    Thomas Eggert

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück via B E R U F E B I L D E R (Beitrag via Twitter) c2WWcEFHbc

  20. BEGIS GmbH
    BEGIS GmbH

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück via B E R U F E B I L D E R (Beitrag via Twitter) X4n6rGbOYI

  21. KompetenzPartner
    KompetenzPartner

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück: Jahrelang hat der Verein Deuts… (Beitrag via Twitter) BTm2D138yF #Beruf #Bildung

  22. Ulrich Goldschmidt
    Ulrich Goldschmidt

    RT @SimoneJanson: Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück – (Beitrag via Twitter) aV0dop0VXA

  23. Berufebilder
    Berufebilder

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück – (Beitrag via Twitter) rlV4Z0q71x

  24. Simone Janson
    Simone Janson

    Fachkräfteüberschuss statt Fachkräftemangel: VDI rudert zurück – (Beitrag via Twitter) aV0dop0VXA

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.