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Auswandern & die Steuern – 2/3: Was gilt als Wohnsitzverlagerung?



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Um die steuerlichen Aspekte zum Thema Auswandern zu verstehen, müssen wir zunächst klären, was Auswandern bzw. Wohnsitzverlagerung eigentlich bedeutet. Denn: Auswandern ist nicht gleich Auswandern. auswandern Auswandern & die Steuern - 2/3: Was gilt als Wohnsitzverlagerung?


Hier schreibt für Sie:

 

58 Reinhard SchinkelReinhard Schinkel ist laut Handelsblatt einer von Deutschlands besten Steuerberatern und Fachautor für Steuerrecht.

Profil

Achtung familiäre Bindung

Sie wollen nicht mehr in Deutschland ansässig sein? Um das zu erreichen, müssen Sie sowohl Ihren Wohnsitz als auch Ihren gewöhnlichen Aufenthalt aus Deutschland verlagern. Das bedeutet konkret:

Sie müssen mit Ihrer gesamten in Ihrem ehemaligen Haushalt lebenden Familie Deutschland verlassen. Es genügt also nicht, dass nur Sie alleine das Heimatland verlassen und Ihre Frau und Kinder in Deutschland verbleiben. Die unerwünschte Folge: Es wird Ihnen unterstellt, dass Sie den Lebensmittelpunkt aufgrund der engen familiären Bindung weiterhin in Deutschland innehaben.

Achtung Immobilienbesitz

Auch für Ihren Wohnraum gibt es dezidierte Regelungen:

  • Sind sie Mieter muss der Mietvertrag für ein Haus oder eine Wohnung gekündigt sein.
  • Sind Sie Eigentümer verkaufen Sie Ihre Immobilie oder vermieten Sie diese zumindest dauerhaft.
  • Sie müssen wirtschaftlich von der spontanen Eigennutzung ausgeschlossen sein!

Achtung Vermietungen

Einen Pferdefuß hat der deutsche Fiskus auch hier eingebaut. Vermietung an nahe Angehörige oder eine befristete Vermietung wird nicht anerkannt!

  • Gelingt Ihnen allerdings nur eine befristete Vermietung, müssen Sie unbedingt kurz vor oder sofort nach Ablauf des befristeten Mietvertrages neue Nutzer für die Immobilie suchen.
  • Können Sie diese Vermietungsbemühungen nicht nachweisen, wird Ihnen unterstellt, den Wohnraum zur eigenen Nutzung bereitzuhalten. Selbst der bloße Besitz eines Schlüssels ist nachteilig!
  • Auch die Verfügungsgewalt über ein Zimmer, z.B. bei nahen Angehörigen oder Freunden führt zur unerfreulichen Vermutung, dass Sie weiterhin in Deutschland ansässig sind.

Achtung Aufenthaltszeitraum

Sie müssen sich weniger als 6 Monate (183 Tage) oder bei ausschließlichen Besuchs-, Erholungs- und Kuraufenthalten weniger als ein Jahr in Deutschland aufhalten. Vorsicht!

Die aktuelle Rechtsprechung hat die Anforderungen weiter verschärft: Bereits das gleichmäßige Übernachten für mehrere Tage pro Monat kann zu einem gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland führen, selbst wenn Sie keine 183 Tage an einem Stück hier leben.

Kurzfristige Aufenthalte in Deutschland

Kurzfristige Unterbrechungen des Aufenthaltes in Deutschland bleiben dabei unberücksichtigt und werden als ein zusammenhängender Aufenthalt gewertet.

Dabei gilt nicht nur der „Wochenendausflug in die neue Heimat als kurzfristig! Als kurzfristig ist noch ein Zeitraum von drei bis vier Wochen anzusehen (z.B. Jahresurlaub im Ausland).

Unerwünschte Steuerpflicht in Deutschland

All diese aufgeführten Punkte müssen beachtet werden, damit eine Wohnsitzverlagerung nach deutschem Steuerrecht tatsächlich erfolgt ist.

Ansonsten gelten Sie selbst bei mehrjährigen Auslandsaufenthalten weiterhin als in Deutschland ansässig mit der unerwünschten Folge der umfassenden deutschen Steuerpflicht mit Ihrem Welteinkommen.

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