EnglishGerman

Die Mär vom Multitasking – Teil2: Warum nur Drachen drei Köpfe haben



Voriger Teil Nächster Teil



Top500 & größtes englisches Blog zum deutschen Arbeitsmarkt (Quellen: DIE ZEIT, Wikipedia, dpa) mit News-Dienst Best of HR. Wir begleiten Kunden seit 15 Jahren im Wandel der Arbeitswelt - mit Beratung, Seminaren & passenden Locations.
Bildrechte: Bildmaterial im Rahmen einer Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt von Shutterstock.

„Wer nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, könnte ihn bereits verloren haben“, sagt der Aphoristiker Rupert Schützbach. Darin besteht ja der Hohn des Multitaskings: Während es den Eindruck erweckt, die Menschen effektiver zu machen, kostet es Effektivität und beschwört Fehler herauf. dragon Die Mär vom Multitasking – Teil2: Warum nur Drachen drei Köpfe haben


Hier schreibt für Sie:

wehrle Martin Wehrle Martin Wehrle ist Bestseller-Autor sowie Deutschlands bekanntester Karriere- und Gehaltscoach.

Profil

Schreien oder den Kopf schütteln?

Wer die Studien zum Thema liest, könnte – Stichwort Multitasking – gleichzeitig schreien, den Kopf schütteln, fluchen und die Prediger des Multitaskings aus ihren Kirchen scheuchen.

Die Computerwissenschaftlerin Gloria Mark von der Universität Kalifornien hat über 700 Arbeitsstunden hinweg die Arbeitsabläufe von 24 Menschen erfasst: sieben Managern, acht Programmierern und neun Analysten. Jeden Schritt, jeden Handgriff, jede Störung und Unterbrechung zeichnete sie sekundengenau auf.

25 Minuten bis zum Wiedereinstieg

Schockierend war nicht nur, dass ein Mitarbeiter im Schnitt alle elf Minuten unterbrochen wird. Schockierend war vor allem, was danach geschah: Es dauerte 25 Minuten, ehe er den Faden seiner ursprünglichen Tätigkeit wieder aufnahm!

Und dann ging die Fragerei los:

  • Aber wo war er stehengeblieben?
  • Auf welche Details kam es an?
  • Welchen Ansatz zur Lösung hatte er noch gleich?

Achtung Arbeitsunterbrechung

Acht Minuten brauchte es, bis er wieder in den Vorgang eingetaucht war – und drei weitere, bis er wieder herausgerissen wurde. Drei Minuten! In einer Zeit, die kaum reicht, eine Tasse Kaffee zu kochen, sollen die Helden der modernen ArbeitsWelt komplexe Probleme lösen.

Darf es da wundern, dass es immer wieder zu ruinösen Fehlern kommt, etwa jenen, die uns in die Bankenkrise gestürzt haben?

Multitasker handeln wie Ertrinkende

Zumal die Mitarbeiter sich förmlich zerreißen müssen: Zwölf separate Aufgaben hatte jeder der von Gloria Mark beobachteten Arbeitnehmer zu erledigen. Dabei verhalten sich die Menschen wie Ertrinkende: Wenn sie merken, dass sie es nicht schaffen, schlagen sie immer heftiger um sich.

Sie verfallen in Aktionismus und wiederholen, was nicht funktioniert hat, statt auszuprobieren, was funktionieren könnte; sie ersaufen in Arbeit.

Ein Telefonat senkt die Aufmerksamkeit um 40 Prozent

Forscher der US-Universität Utah haben in einem Fahrsimulator nachgewiesen, dass schon ein Telefonat beim Autofahren die Konzentration um mindestens 40 Prozent senkt. Die Telefonierenden begingen so viele Fahrfehler wie Betrunkene. Warum sollte ein Börsenhändler, der beim Aktienschachern telefoniert, weniger besoffen handeln?

Der Preis für diesen Wahnsinn ist hoch, nicht nur gesundheitlich. In den USA gehen pro Jahr 28 Milliarden Arbeitsstunden in Rauch auf, weil die Mitarbeiter unterbrochen werden. Dieser Spaß kostet 588 Milliarden US-Dollar. Für Deutschland hat diese Zahlen vorsichtshalber noch niemand erhoben. Oder ist er noch am Erheben, aber vor lauter Multitasking zu keinem Ergebnis gekommen? (Anmerkung: Der Beitrag entstammt zum Großteil Martin Wehrles Buch „Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen“)

berufebilder

Mehr Informationen? Nutzen Sie unsere Online-Kurse oder persönliche Beratung - die erste halbe Stunde ist umsonst!


Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf Best of HR - Berufebilder.de, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Martin Werle über Multitasking: Warum nur Drachen drei Köpfe haben

  2. RT @SimoneJanson: Die Mär vom Multitasking – Teil2: Warum nur Drachen drei Köpfe haben

  3. Simone Janson (SimoneJanson)

    Die Mär vom Multitasking – Teil2: Warum nur Drachen drei Köpfe haben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.