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Interview mit Dr. Theophana Prinzessin von Sachsen: „Ich habe mich immer absichtlich überfordert“


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Im Interview spricht Dr. Theophana Prinzessin von Sachsen-Katte über die Herausforderung, als Frau im Irak Öl zu kaufen, die Emanzipation und verrät ihr persönliches Erfolgsrezept.

thophana-von-sachsen Interview mit Dr. Theophana Prinzessin von Sachsen: „Ich habe mich immer absichtlich überfordert“


Dr. Theophana Prinzessin von Sachsen-Katte und Herzogin zu Sachsen wurde 1949 in Sofia geboren. Ihr Vater Peter Aladjov war während des Zweiten Weltkrieges Finanz- und Wirtschaftsminister in Bulgarien, später kaufte er in Deutschland ein erfolgreiches Handelsunternehmen auf. Theophana war in erster Ehe mit Hermann Prinz von Sachsen verheiratet und hat mit ihm vier Kinder. Nach seinem Tod heiratete sie den den Bauingenieur Hans Hermann Katte.

Frau Dr. Prinzessin von Sachsen, was haben Sie studiert? Was ist das für ein Dr.-Titel?

Ach, studiert habe ich alles mögliche: Wirtschaft, Jura und Kunstgeschichte. Darin habe ich auch meinen Dr.-Phil gemacht. Aber nur weil es am schnellsten ging: Mein Vater brauchte mich damals in unserem Unternehmen. Eigentlich habe ich immer in der Wirtschaft gearbeitet.

Was hat Ihr Unternehmen genau gemacht?

Wir haben damals deutsche Technik und Industrieprodukte ins Ausland verkauft und dort Rohstoffe aufgekauft

Was war Ihre größte Herausforderungen?

Herausforderungen gab es viele: Ich habe mich mit meinen Aufgaben immer absichtlich überfordert, weil man nur so Unmögliches leisten kann.

Aber meine schwierigste Aufgabe bestand wahrscheinlich darin, als junge Frau Anfang bis Mitte der 70er Jahre im Irak Tanker mit Rohöl aufzukaufen?

Warum was das so kompliziert?

Weil ich mit Leuten zu tun hatte, die es als Beleidigung ansahen, mit einer Frau überhaupt zu sprechen, geschweige denn Geschäfte zu machen. Damals durften Frauen dort noch nicht einmal alleine ins Restaurant gehen.

Und wenn ich zu Geschäftspartnern eingeladen war, musste ich oft eine halbe Stunde im Gang sitzen, weil man dachte, ich sei nur die Sekretärin.

Wie haben Sie es dennoch geschafft, das Geschäft erfolgreich abzuschließen?

Mit Tricks: Ich habe immer gesagt, ich handle im Auftrag meines Vaters, z.B. auch wenn ich wichtige Unterschriften leisten musste.

Und auch wenn ich etwas warmes Essen wollte, habe ich gesagt, mein Vater kommt gleich – und dann habe ich es selbst gegessen.

Und das wurde akzeptiert?

Nunja, die wollten ja auch das Geschäft abschließen und hatten keine Wahl, als mich als Geschäftspartner zu akzeptieren.

Heimlich habe ich mich immer über dieses Spielchen kaputt gelacht und auch meine Geschäftspartner hatten bald verstanden, dass ich eigentlich die Chefin war. Aber ich musste ihnen immer diese Brücke bauen, sie brauchten die Fassade, dass ein Mann dahinter steckte. Alles andere wäre ein Gesichtsverlust gewesen.

Haben Sie es allgemein als schwierig empfunden, sich als Frau durchzusetzen?

In Westeuropa habe ich solche Probleme nicht so sehr empfunden, dort wurde mir in der Regel Erfolg und Respekt zugestanden.

Und auch das kommunistische China war sehr emanzipiert. Allerdings war der Markt dort wegen der Größe des Landes für uns völlig unberechenbar.

Womit verschaffen Sie sich Respekt?

Ich gelte als durchsetzungsstark und als jemand, der viele Türen aufbekommt.

Was würden Sie ehrgeizigen Frauen raten, um erfolgreich zu sein: Sich durchsetzungsstark zeigen oder doch lieber Zurückhaltung üben?

Das hängt davon ab: Wenn jemand zu „pushy“ ist, egal ob männlich oder weiblich, denke ich immer, dass es an Substanz fehlt. Wer etwas kann, braucht das nicht heraushängen zu lassen.

Wenn Männer den Frauen allerdings den Weg versperren, weil sie Probleme mit dem eigenen Ego haben und die Gleichberechtigung der Frau nicht anerkennen können, dann sollte Frau ihnen schon zeigen wo der Lippenstift hängt.

Wie geht das am besten?

Mit Mut und Können. Qualität ist das wichtigste Erfolgsmerkmal und dann werden sich auch genug Mitstreiter finden.

Allerdings trauen Männer Frauen oft nicht genug Mut zu und wollen sie beschützen. Unterstützungsbedürftig ist eine Frau allerdings vor allem in der Schwangerschaft – und da wird ein Mann auch gebraucht.

Was halten Sie als Mutter von vier Kindern von staatlichen Maßnahmen wie Elterngeld oder Betreuungsgeld?

Ich finde es schön, dass Männer sich an der Kindererziehung beteiligen und sogar Windeln wechseln. Beim Vater meiner Kinder war das anders: Wenn der hereinkam, musste das Kindermädchen mit dem Baby den Raum verlassen.

Der Streit um das Betreuungsgeld ist allerdings albern, ich verstehe ihn nicht: Jeder soll das doch machen, wie er will: Wer seine Kinder lieber zu Hause erzieht, soll das tun und kann sich freuen, wenn er noch Geld bekommt. Und alle anderen können arbeiten gehen und eine Kinderbetreuung organisieren.

Sie sind Schirmherrin der Gesellschaft der Freunde des deutschen Herzzentrums – was gibt Ihnen die ehrenamtliche Tätigkeit?

Ich bin dort schon seit Anfang der 90er aktiv. Anderen Menschen helfen zu können, gibt mir eine große innere Befriedigung und Glück. Ich fühle mich dadurch sehr reich. Ein Unglück ist es hingegen, nicht geben zu können.

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simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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