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Von Kontensperrungen, eingefrorenen Geldern & Sammelklagen: Das System Amazon schädigt Leiharbeiter & Kunden


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Dieser Beitrag von ZDF-Reporter über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im Weihnachtsgeschäft bei Amazon hat in den vergangenen Wochen hohe Wellen geschlagen. Auch hier im Blog regt sich der Unmut vieler Leser, die bereit sind zu einer Sammelklage, weil Amazon rechtswidrig Kundenkonten sperrt und Geld von Kunden einzieht. Hinter beidem steckst System.


Hier schreibt für Sie:

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Shitstorm gegen Amazon

In den vergangenn Wochen war die Empörung über Amazon und die menschenunwürdigen Zustände bei der Behandlung von Leiharbeitern groß bis hin zur Politik. Auf der Facebook-Seite von Amazon brach ein regelrechter Shitstorm los. Erzürnte Kunden ließen ihre Konten sperren (Danke an Leserin Sandra B. für diesen Link-Hinweis).

Zoë Beck schreibt auf Culturmag, sie verstehe die Aufregung nicht: „Jeder, der ein bisschen nachdenkt, muss von selbst drauf kommen, dass ein logistischer Aufwand, wie er bei Amazon, Zalando, Otto, etc. betrieben wird, Geld kostet.“ Und diese Kosten müssten eben an den Arbeitskräften eingespart werden.

Auf Kosten von Kunden und Leiharbeitern

Und tatsächlich zeigen die Zahlen, die Thomas Hutter vorlegt, dass der Ärger über Amazon auch schnell wieder verfolgen ist. Alles also nicht so schlimm, einfach nur ein weiterer, nerviger Shitstorm? Das ist leider zu kurz gedacht.

Denn die Methode Amazon hat auch langfristig System – und das ist verdammt ausgeklügelt. Laut FAZ hat Amazon-Gründer & CEO-Chef Bezos sich nämlich dafür entschieden, seine Cleverness auf Kosten anderer auszuspielen und sich nicht etwa durch Nächstenliebe auszuzeichnen.

Absolute Effizienz steht im Vordergrund

Das Ergebnis ist ein Unternehmen, bei dem die absolute Effizienz im Vordergrund steht. Und bei dem nicht nur Leiharbeiteier zu Schaden kommen, sondern auch die Kunden.

Zum Beispiel weil Amazon, wie hier im Blog geschildert, auch Kundengelder einfriert, Kundenkonten sperrt oder, wie in dem bereits genannten FAZ-Artikel berichtet, seine Monopolstellung nutzt, um die Preise hochzutreiben.

Von Online-Shop zur Datenkrake

Und weil Amazon sich allmählich vom Online-Shop zur Datenkrake entwickelt. Bei der Sperrung von Kundenkonten gleicht Amazon offenbar sogar IP-Adressen ab, um zu verhindern, dass die ausgesperrten einen Zweitaccount eröffnen.

Daher gilt es, sich nicht kurzzeitig über Amazon aufzuregen sondern die langfristige Entwicklung des Konzerns im Blick zu haben – gerade auch von politischer Seite aus.Denn Amazon wird nur umdenken, wenn der Konzern durch das wirtschaftliche Kalkül dazu gezwungen wird.

Ein Kunde berichtet

Denn wie sehr die Entscheidungen, die bei Amazon getroffen werden, aus den USA bestimmt werden und wie klein der Wirkungsgrad des einzelnen dabei ist, zeigt dieser Bericht unseres Lesers Uncle-D:

Wir haben das komplette Szenario mit dem Großkonzern als Händler durch. Fast seit Beginn im Oktober unserer Mitgliedschaft wurden wegen Prüfung unserers Verkäuferkontos kleinere Umsatz-Beträge einbehalten. Das war zwar nicht besonders schön, aber wir haben es uns noch gefallen lassen. Als die Umsätze und somit auch die einbehaltenen Gelder stiegen, haben wir begonnen immer und immer wieder Kontakt mit Amazon aufzunehmen. telefonisch sowie per Email hat man eben keine Chance. Kurz vor Weihnachten dann der super Gau: Unser Konto wurde gesperrt und Einnahmen sollen 90 Tage eingefroren sein. Grund dafür war Verbindung mit anderen, geschlossenen Verkäuferkonten, was absolut nicht der Fall war/ist. Ein großer Schlag ins Gesicht für uns, denn es sind beträchtliche Summen, die für ein Klein-Unternehmen die Existens stark bedroht, wenn diese Umsätze einfach nicht eingehen.Noch in der selben Woche sind wir persönlich nach München gefahren, in den Hauptsitz von AMAZON Deutschland um mit dem Geschäftsführer zu sprechen. Dieser war natürlich nicht zu sprechen. Allerdings sind wir sehr höflich behandelt wurden. Es folgte ein Gespräch mit den verantwortlichen und Leuten, die etwas zu sagen hatten (ohne Namen zu erwähnen). Wir erhielten sogar Visitenkarten mit Handynummer etc. Uns wurde versprochen, dass sich um das Problem gekümmert wird und man würde sich noch am selben Tag telefonisch melden. Soweit so gut. Wir sind erleichtert wieder nach hause gefahren. Am Abend dann kam der Anruf und man teilte uns mit, dass alles nochmals detailiert geprüft wurde, aber man leider doch nichts mehr für uns tun kann. Den Grund: Die Leute die soetwas entscheiden, sitzen in den USA und man könne von hier aus nichts mehr unternehmen.Unser Konto also noch gesperrt. Gelder immernoch eingefroren.Nun haben wir ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet und eine Anzeige bei der Polizei gemacht.

Was können wir tun?

Wenn es aber um die Frage geht, was der Einzelne Kunde tun kann, dann möchte ich hier den Aufruf unseres Lesers Mathias Wolfgang zitieren: Der schreibt hier im Blog:

Unterm Strich gesehen zählt bei Amazon nur der Gewinn, Menschen und Menschlichkeit zählen offensichtlich gar nichts mehr. Deswegen und nicht alleine wegen des ARD Berichtes nur, habe ich die Konsequenz gezogen und mein Konto bei Amazon gekündigt. Für alle die, die von Amazon geschädigt, oder betrogen worden, kann ich nur empfehlen, schließt euch der Sammelklage an. Amazon hat euer Geld. Und ihr habt das Recht dazu, es euch wieder zu holen. Ich wünsche euch viel Kraft und alles gute und viel Erfolg.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Nun, es gibt ja auch andere Plattformen zum Verkauf von Büchern und Bücher aus UK bekommt man ebenfalls übere andere Plattformen. Mit ist das Amazon-Problem schon seit einigen Jahren bewußt. Es ist nicht nur die Datenkrake, das viel schlimmere Problem ist das Amazon, Zalando und Co. unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem zerstören !!! Ich bin der Meinung, wir sollten alle die gelblich unterlegten Googleanzeigen von Amazon anklicken. Denn für jeden Klick muß Amazon zahlen!!! Das würde ich dann mal einen echten Shitstorm nennen. Wir sollten erst dann damit aufhören, wenn Amazon endgültig ein anderes Verhalten an den Tag legt.

    • Simone Janson

      Jörg, danke für den Hinweis. Die Idee mit dem Werbeanzeigen-Klicken ist zumindest produktiv, bin nicht sicher ob ein solcher Aufruf legal ist… und ob er wirklich etwas bringt.
      Was die Gesellschaftszerstörung durch Online-Händler angeht, lässt sich die Entwicklung aber vermutlich nicht aufhalten – verweise nochmal auf den im Text verlinkten Beitrag von Zoe Becker.

  2. Benjamin Wagener

    Amazon bemüht sich aber nicht nur auf der eigenen Seite als Datenkrake, sondern inzwischen auch bei Facebook. Da lässt Amazon seit ein paar Wochen Aktionen laufen, wo sie Kunden einen kleinen Gutschein für die Beantwortung einer einfachen Frage oder dergleichen versprechen und lassen sie dann eine App authorisieren, welche nicht nur Zugriff auf so ziemlich alle Facebook-Daten des jeweiligen Mitglieds haben will, sondern auch auf die Geburtstage und „Gefällt mir“-Angaben der Freunde des Mitglieds. Amazon verleitet also mehr oder weniger Facebook-Nutzer die Daten von Freunden für ein kleines Präsent zu verkaufen. Äußerst schäbig die Nummer.

    • Simone Janson

      Hallo Benjamin,
      danke für den Hinweis. Auch irgendwo ironisch: Die Datenkrake Nr 1 wird abgefischt. Wir haben uns halt jahrelang über FB & Google echaufiert und dabei Amazon gar nicht im Blick gehabt. Das wirkliche Problem ist aber: Es geht nicht ohne. Wie viele meiner klagefreudigen Kommentatoren schrieben: Sie sind auf Amazon angewiesen. Ich nutze Amazon ja auch noch – zum verkauf gebrauchter Bücher gibt es nichts besseres und auch im Blog freue ich mich über die schnelle Einbindung der Buchcover bei Rezensionen.

      • Benjamin Wagener

        Geht mir ja ähnlich. Amazon ist ja auch der einfachste Weg um z.B. an günstigere DVDs/BluRays oder Bücher aus UK zu kommen. Und Kindle ist halt auch eine echt nette Plattform um an eBooks zu kommen und die dann sowohl auf dem Smartphone, als auch dem Rechner lesen zu können.

        • Simone Janson

          Das beruhigt mein schlechtes gewissen ein wenig 😉 zeigt aber genau, den Schlamassel, in dem man sich heutzutage befindet. Eine Lösung für das Problem hat noch keiner gefunden.

          • Benjamin Wagener

            Naja, da sage ich als Liberaler ausnahmsweise doch mal, dass da der Staat einzugreifen hat. Es kann halt nicht sein, dass wir einerseits so tun als ob wir eine Einheit in Europa durch die EU sind, aber dann EU-Bürger aus anderen Ländern mal eben so ausgebeutet werden können. Jeder der hier in Deutschland arbeitet solle gleich behandelt werden müssen, egal wo die Menschen herkommen. Und da kann es dann z.B. nicht sein, dass die Jobcenter einfach so die Verantwortung auf die Leiharbeitsfirmen abschieben können, die dann verfahren wie sie lustig sind. Da hat transparente Kontrolle zu herrschen. Wenn man ALG empfängt wird man ja auch kontrolliert wie nichts Gutes, wobei da weit weniger Missbrauch erfolgt als im Zeitarbeitssektor.

          • Simone Janson

            Der Gedanke keimte mir auch öfter mal – nicht nur in diesem Fall.

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