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Zeitarbeits-Lobby wirbt verdeckt mit Fachkräftemangel: Blue-Card als Geschenk für ausländische Teilzeitarbeiter?



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Zeitarbeit hat tendenziell einen schlechten Ruf. Nun versucht die Zeitarbeits-Lobby eine positive Stimmung zu erzeugen: Ärgerlich ist, dass sie das verdeckt tut, indem sie für Teilzeit-Modelle zum Beispiel von Frauen oder die Anwerbung von ausländischen Fachkräften wirbt, dabei selbst aber als Zeitarbeitsunternehmen gar nicht in Erscheinung tritt.


Hier schreibt für Sie:

 

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Seriös scheinende Meldungen mit fragwürdigem Inhalt

Seit Monaten bekomme ich immer wieder Pressemitteilungen der Agentur Textnetz, zu deren Hauptkunden Groß-Personaldienstleister Randstadt gehört. Die Mitteilungen adressieren stets mit einem seriös klingenden Betreff das Resort „Wirtschaft, Soziales & Beruf“ diverser Medien – das soll wohl die Glaubwürdigkeit der Quelle stützen.

Leider ist der Inhalt dann gar nicht so seriös: Mal gehen es um die Vorteile von Teilzeitarbeit für Frauen, die sicher unebstritten sind, aber die Nachteile für Karriere oder Gehalt, das in der Regel bei Teilzeit- und vor allem Zeitarbeit deutlich niedriger ist, werden dabei ausgespart.

Heue: Fachkräftemangel und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse

In der aktuellen Pressemitteilung von heute morgen hat man sich nun dem Thema Anerkennung ausländischer Abschlüsse zur Bekämpfung des Fachkräftemangels gewidmet. Das entsprechende am 1. April 2012 in Kraft getretene Gesetz ist besser als Blue-Card bekannt und wird hier nochmal kritisch beleuchtet.

In der Pressemiteilung wird die verbesserte Möglichkeit gelobt, auch ausländische Fachkräfte anzuwerben. Soweit nicht negativ. Ausgespart wird aber, dass die Blue-Card-Mindestverdienstgrenze bei aus Nicht-EU-Staaten zuziehenden Ingenieuren, IT-Kräften und Medizinern bei lächerlichen 35.000 Euro festzulegen. Im Jahr wohlgemerkt!

Was in solchen Mitteilungen fehlt

Ausgespart wird auch, das das Anstellen von hochqualifiziertem Personal für Zeitarbeitsfirmen wie Randstad ein Riesen-Geschäft ist. Und genau darum geht es hier wohl auch:

Mit solchen Mitteilungen soll eine positive Stimmung für Zeitarbeit erzeugt werden, die gesesllschaftlich ja aufgrund des Fachekräftemangels notwendig ist. Unschön ist, dass der Absender dieser Zeilen dabei noch nichtmal genannt wird.

Hier übrigens die Pressemittelung im Volltext

 Ausländische Berufsqualifikationen werden schneller anerkannt – auch für Teilzeit-Angestellte txn. Keiner zweifelt daran, dass es auch im Ausland hochqualifizierte Arbeitnehmer gibt, die beträchtliche Beiträge für eine funktionierende Wirtschaft leisten. Und dennoch war in Deutschland der Weg in eine entsprechende berufliche Position bisher meist schwer. Betroffen waren keineswegs nur Menschen mit Migrationshintergrund. Auch tausende von Deutschen, die sich im Ausland beruflich weiterqualifiziert haben, hatten Schwierigkeiten, ihr Knowhow in eine entsprechende Tätigkeit einfließen zu lassen. Der Grund war einfach: es fehlten Richtlinien und Maßstäbe, um die ausländischen Abschlüsse einheitlich bewerten zu können. Viele Arbeitnehmer konnten sich daher nur eine Tätigkeit suchen, die weit unter ihrem eigentlichen Qualitätsniveau lag. Seit dem 1. April 2012 hat sich die Situation durch die Neuregelung des Anerkennungsgesetzes deutlich verbessert, denn es ist nun viel leichter und schneller möglich, einen ausländischen Berufsabschluss zu bewerten. Bundesweit stehen mittlerweile nachvollziehbare und einheitliche Richtlinien zu beruflichen Auslandsqualifikationen zur Verfügung. Gesetzliche Verfahren und Kriterien für den Vergleich mit deutschen Referenzberufen wurden flächendeckend eingeführt. Damit verbessert sich nicht nur die Integration von Migrantinnen und Migranten mit qualifiziertem Abschluss in den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Potenzial an Fach- und Führungskräften unter den ausländischen Mitbürgern wird deutlich besser erschlossen und wirkt dem drohenden Fach- und Führungskräftemangel entgegen. Denn im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund bereits bei 19 Prozent. Und wie ein aktueller Bericht zeigt: Jeder vierte junge Europäer hat die Wahl, entweder in seinem Heimatland arbeitslos zu sein oder auszuwandern. (Quelle: zeit.de) Gelingt die konsequente Umsetzung des Gesetzes, steigt für Fachkräfte im Ausland der Anreiz, für eine angemessene Tätigkeit nach Deutschland zu kommen. „Auch für junge ausländische Mütter, die nach der Babypause wieder ins Erwerbsleben einsteigen möchten, kann das immer größer werdende Angebot an flexiblen Arbeitsplatzmodellen in Deutschland von Nutzen sein. Hier eröffnen sich durchaus Karrieremöglichkeiten auch mit Kind“, so Petra Timm, Unternehmenssprecherin bei Randstad Deutschland. Deutschland und seine Unternehmen haben durch die gesetzliche Neuregelung die Chance, diese Talente zukünftig deutlich besser zu nutzen. Auch der Personaldienstleister Randstad Deutschland beschäftigt sich innerhalb seiner Arbeitsmarktprojekte intensiv mit diesem Thema, um möglichst arbeitsmarktverträgliche Lösungen zu verwirklichen. Das Unternehmen engagiert sich sowohl in der internationalen als auch in der europäischen Interessenvertretung (CIETT und EUROCIETT) der Zeitarbeitsbranche. Randstad arbeitet in beiden Organisationen aktiv mit, um Branchenlösungen für europäische Arbeitszeitmodelle zu entwickeln. Dazu gehören zukunftsorientierten Konzepte zum Thema Migration ebenso wie die länderübergreifende Entwicklung des europäischen Dienstleistungssektors.

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