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Unprofessionelles Marketing einer großen Jobbörse: Finde den Fehler!


Top500 & größtes englisches Blog zum deutschen Arbeitsmarkt (Quellen: DIE ZEIT, Wikipedia, dpa) mit News-Dienst Best of HR. Wir begleiten Kunden seit 15 Jahren im Wandel der Arbeitswelt - mit Beratung, Seminaren & passenden Locations.

Kürzlich erhielt ich die Anfrage einer großen, europaweit agierenden Jobbörse. Man bat mich um eine Verlinkung mit Firmenlogo – wie sich später zeigte, ohne dafür zahlen zu wollen. Als ich dies als unprofessionell bezeichnete, bat man mich um ein Feedback. Diese Bitte möchte ich an meine Leser weiterreiche, gepaart mit einem Spendenaufruf für ein Unternehmen in finanzieller Not. Bitte spannt den Rettungsschirm auf und lasst es nicht im Regen stehen!


Hier schreibt für Sie:

 

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil

Eine der größten und erfolgreichsten Jobbörsen Europas?

Achtung: Dieser Beitrag ist nicht frei von Ironie!

Die Jobbörse, die ich im folgenden aus Gründen der Anonymität StufenStein* nenne, focussiert auf Fach- und Führungskräfte und will nach eigenen Angaben zu den größten und erfolgreichsten Jobbörsen Deutschlands, ja Europas gehören. Auf der Website finden sich dazu jedoch nur vage Angaben ohne jede weitere Referenz:

„StufenStein ist eine der am meist besuchten Online-Jobbörsen in Deutschland und wurde vier Mal in Folge zur beliebtesten Karriere-Website des Jahres gewählt.“

*Um die Anonymität zu wahren, verlinke ich an dieser Stelle nicht auf die Seite. Der richtige Name des Unternehmens ist der Redaktion bekannt.

Wenig Ahnung und wahrscheinlich noch weniger Bezahlung

Am 10. August erhielt ich von einer StufenStein-Mitarbeiterin aus der Abteilung Online-Marketing die Bitte, auf ein Berufs-Einsteiger-Angebot der Seite zu verlinken. Meine /kontakt/“>Kontakt-Seite enthält übrigens bezüglich solcher Verlinkungsanfragen die klare Aussage, dass diese als Spam behandelt werden.

Wie sich am Ende herausstellte, war die Mitarbeiterin eine studentische Aushilfskraft mit wenig Ahnung vom Online-Marketing und wahrscheinlich noch weniger Bezahlung.

Im Widerspruch zum Telemedien-Gesetz

Anzumerken ist, dass StufenStein bereits über eine Agentur ein Banner auf unserer Startsite geschaltet hatte – bezahlt und ausdrücklich durch die Überschrift als Werbung gekennzeichnet. Alles andere würde schlicht dem Telemediengesetz §6.1 widersprechen.

Ich merkte, leicht verwundert, an, dass zwei Banner des gleichen Unternehmens ein wenig seltsam wirken würden – und erhielt diese Antwort:

„Eine zweite Verlinkung zur gleichen Seite würde natürlich seltsam wirken. Ich habe Sie jedoch trotz des bereits vorhandenen Banners kontaktiert, weil es sich bei www[dot]berufsstart[dot]stufenstein[dot]de um eine eigene Domain handelt, die StufenStein zwar im Link erwähnt, jedoch lediglich um auf uns als Betreiber hinzuweisen. Für eine Verlinkung würde ich Ihnen einen vorbereiteten HTML-Code bzw. das passende Logo zu unserer Berufsstarterseite unverzüglich zukommen lassen.“

Aushilfen können nicht alles wissen

Auf die Gefahr hin, spitzfindig zu wirken: stufenstein [dot] de ist die Domain! Der Zusatz berufsstart ist die Subdomain! Alles andere ist falsch. Aber studentische Aushilfen können ja nicht alles wissen.

Dennoch fragte ich da lieber nach den Konditionen – und erhielt keine Antwort mehr. Auch nicht auf wiederholtes Anfragen. Per Telefon erreichte ich nach mehrmaligen Versuchen erst vor wenigen Tagen eine andere Mitarbeiterin, die versprach, sich des Falls anzunehmen.

Pleitegeier über StufenStein?

Schließlich erhielt ich die E-Mail eines Mitarbeiters, der als Head of Online Marketing bei StufenStein firmiert. Er schrieb:

„Frau X ist studentische Aushilfe bei uns. Leider fällt sie derzeit gesundheitlich aus, weswegen ich jetzt auf Sie zukomme. Frau X bucht für uns keine Werbemittel, sondern hatte nach meinem Kenntnisstand bei Ihnen angefragt, ob es interessant für Sie wäre unsere Jobbörse als Service auf Ihrer Seite mit einer Verlinkung anzubieten. Wir können dafür leider keine Aufwendungen erbringen.“

Dass StufenStein kein Geld für Werbebanner Ausgeben kann, obwohl es doch angeblich zu den erfolgreichsten Unternehmen seiner Zunft gehört, irriertiert mich: Ich schließe daraus, dass die Geschäfte wirklich schlecht gehen und das Unternehmen zahlungsunfähig ist.

Vielleicht manifestiert sich hier, dass die Crosspro-Research-Umfrage den generalistischen Jobbörsen insgesamt schlechte Karten ausstellte?

Kein Geld für qualifizierte Mitarbeiter?

Für den Pleitegeier spricht auch, dass das Unternehmen Aushilfs- und Führungskräfte beschäftigt, die offenbar wenig Ahnung von ihrem Job haben – und genau dies brachte ich dann auch in meiner nächsten E-Mail zum Ausdruck.

„Ich bin ein wenig irritiert, dass Sie davon ausgehen, mein Blog stände für kostenlose Werbung zur Verfügung. Noch erstaunter bin ich, dass Sie solche wichtige Marketingaufgaben, die ja Ihre Außenwirkung betreffen, von einer ungeschulten Hilfskraft erledigen lassen.“

Head of Online-Marketing ohne Ahnung von Marketing

Die Antwort des Online-Marketing-Chefs zeigt indes, dass er offenbar nichtmal die grundlegenden Techniken der Online-Vermarktung kennt, denn er spricht unbeirrt weiter von dem angeblich hochwertigen Serviceangebot seines Unternehmen, verliert jedoch kein Wort über die Suchmaschinenrelevanz einer solchen Verlinkung, über die man in meinem Blog übrigens Einiges nachlesen kann.

„Wir verstehen natürlich, wenn Sie eine Einbindung nicht kostenlos vornehmen möchten. Wir selbst empfinden das Anbieten unseres Services auch bei qualitativ hochwertigen Blogs jedoch nicht als unprofessionell.“

Werbung als Service für den Leser?

Interessant. Die eigene Werbung als Inhalt zu verkaufen, diese Idee erinnert mich doch verdächtig an das Goslaer Programm des Bundesverbands für Digitale Wirtschaft, nach dem Werbung zukünftig selbst zur werthaltigen Information wird.

Doch halt, StufenStein versteht sein Angebot ja gar nicht als Werbung, sondern Servicedienstleistung. Da stellt sich die Frage nach dem gesellschaftlichen Nutzen von Jobbörsen, denn die angepriesene Berufsstart-Seite enthält ausnahmslos Stellenanzeigen.

Dass ich der Ansicht bin, dass dieser Nutzen von Jobbörsen als in sich geschlossenes System gegen 0 tendiert, habe ich bereits in mehrere Beiträgen dargelegt, beispielhaft sei hier nur „Wozu brauchen wir eigentlich Jobbörsen?“ genannt.

Bitte gebt Feedback, damit das Unternehmen lernt

Immerhin, der Online-Marketing-Chef von StufenStein möchte dazu lernen. Auch wenn er einerseits fehlende Qualifikationen bestreitet, bittet er im weiteren Verlauf seiner E-Mail doch gleichzeitig um kritisches Feedback:

„Weiter kann ich Ihnen versichern, dass Frau X keines Falls ungeschult ist und ich habe Ihre Anfrage selbst auch nicht als unprofessionell empfunden. Ich würde mich jedoch sehr über ein Feedback von Ihnen freuen, was genau sie daran als negativ Beispiel sehen. Auch wir können sicherlich aus solchen Erfahrungen lernen.“

Nun habe ich mir gedacht, unterstütze ich dieses löbliche Ansinnen, indem ich für StufenStein ein möglichst umfassendes Feedback einsammle. Dazu seid nun Ihr gefragt, liebe Leser: Könnt Ihr dem Unternehmen erklären, warum ein solches Verhalten unprofessionell ist?

Wir würden uns über viele differenzierte Meinungen zum Thema freuen!

Spendet für Jobbörsen in Not

Und mehr noch: Da StufenStein offenbar kurz vor dem Bankrott steht, möchte ich eine Spendenaktion für in Not geratene Jobbörsen ins Leben rufen. Wer wäre denn bereit, StufenStein finanziell zu unterstützen? In diesem Fall würde ich das Projekt einem erfahrenen Fundraiser anvertrauen!

Im Namen von Stufenstein bedanke ich mich bereits im Voraus für Euer Feedback und Eure Unterstützung. Danke!

berufebilder

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