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10 Gründe, ein totes Pferd zu reiten: 10. Mentaler Selbstboykott



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„Ich möchte endlich durchstarten! Und ich habe auch einige Ideen, die darauf warten, bearbeitet und umgesetzt zu werden. Ich nehme mir immer wieder ernsthaft vor, damit zu beginnen. Aber dann bleibe ich trotzdem untätig. Wie kann man nur so vernagelt sein! Wahrscheinlich will ich es ja gar nicht wirklich …“


Hier schreibt für Sie:

 

84 Tom DiesbrockTom Diesbrock ist Psychologe, Berater, Teamentwickler und Buchautor.

Profil

Der Markt für Psycho-Ratgeber wäre sehr viel kleiner…

Der Markt für psychologische Ratgeber wäre sehr viel kleiner, wenn jeder Leser nach der Lektüre tatsächlich anfinge, das Gelesene – soweit er es passend und richtig für sich findet – in die Tat umzusetzen. Die Anzahl dieser Bücher, die jedes Jahr verkauft werden, nimmt aber nicht ab. Ganz im Gegenteil.

Anstatt aktiv zu werden, kaufen sich viele Menschen, gerade wenn es um berufliche Veränderung geht, lieber den nächsten Ratgeber oder besuchen noch ein Seminar. Was sie lesen und hören, finden sie auch sehr richtig und wichtig, aber verändern dann doch lieber nichts und bleiben auf ihrem toten Pferd sitzen.

Fremdbestimmt oder Selbstbestimmt?

Die Strategien der Vermeidung, die ich Ihnen bisher vorgestellt habe, stellen die Möglichkeit und den Sinn von Veränderung infrage. Der mentale Selbstboykott tut dies nicht.

Er lässt zwar zu, dass ich beschließe, mich auf den Weg zu machen, und mir dies auch teilweise zutraue – vielleicht gehe ich sogar den ersten Schritt – aber dann ist Schluss, und ich gehe nicht weiter. Als würde jemand anderes über mein Tun bestimmen.

Ist der innere Schweinehund so stark?

Wir nennen diesen anderen vielleicht unseren „Inneren Schweinehund“. Und dann schämen wir uns oft, weil wir anscheinend so schwach sind und er so stark. Als sei dies nur eine Frage der Willenskraft und mentalen Stärke.

Stecken wir in der Sackgasse des mentalen Selbstboykotts, fühlt es sich häufig an, als hätte uns jemand den Stecker herausgezogen. Die Motivation und der Antrieb gehen auf null. Es scheint, als hätten wir auf einmal keine Energie mehr zur Verfügung.

Aufschieberitis statt Veränderung

Für Tätigkeiten, mit denen wir uns dann gern ablenken (plötzlich müssen unbedingt Fenster geputzt, Autos gewaschen oder Schreibtische aufgeräumt werden!), ist aber immer ausreichend Energie vorhanden.

Folgen wir der Versuchung, meldet sich schnell die Stimme des schlechten Gewissens und ermahnt uns, dass wir uns doch viel Wichtigeres vorgenommen hatten. Und so geht es in unserem Kopf immer hin und her, nur nicht voran.

Kein Schritt vorwärts, aber jede Menge Energie verbraucht

So als würde ein Teil von mir aufs Gaspedal treten, um mich auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen – und ein anderer mein inneres Bremspedal, weil der genau dies nicht möchte. Die Konsequenz: Ich komme nicht vom Fleck, verbrauche jede Menge Energie, komme mir blöd vor, und irgendwann ist der Motor kaputt.

Die Diagnose: In mir arbeitet ein innerer Konflikt, der zu einer mentalen Blockade führt. Dies ist ein ganz normaler psychischer Mechanismus, der dem Prinzip folgt: „Wenn ich meiner Sache nicht hundertprozentig sicher bin, verhindere ich sie lieber und bleibe beim Bewährten, als dass sich am Ende das Neue als falsch und schädlich erweist.“

Schuster, bleib bei denen Leisten

Oder etwas volkstümlicher formuliert: »Schuster, bleib bei deinem Leisten (wenn du nicht den tollen Businessplan hast).« Die Konsequenz sind Unzufriedenheit und irgendwann nur noch Verzweiflung.

Entscheidend ist, wie psychologisch klug wir mit unserer inneren Blockade umgehen und sie entweder konstruktiv lösen oder nur immer weiter verfestigen. Um das Letztere zu erreichen, gibt es zwei sehr effektive Werkzeuge, die da heißen: Druck und Selbstkritik.

„Ich bin ja so dumm und faul“

Noch effektiver: noch mehr Druck und noch mehr Selbstkritik. Wahrscheinlich ist Ihnen diese Methode nicht unbekannt, denn die meisten von uns verwenden sie oft und gern. Wenn ich nicht so funktioniere, wie ich das – in meinen Augen – müsste, kritisiere ich mich dafür und unterstelle mir zum Beispiel Dummheit oder Faulheit.

Selbst-Anklagen wie „Ich müsste schon viel weiter sein – andere können es doch auch“ unterstützen meine Selbstkritik. Dann kann ich noch die inneren Daumenschrauben ansetzen und mir so richtig Druck machen: »Reiß dich endlich mal zusammen!« oder »Du hast es auch nicht an- ders verdient!« motivieren aber auch nicht wirklich.

Alles nur heiße Luft?

Manchmal unterstützen uns auch Bekannte und Freunde darin, indem sie uns mit Unverständnis und Genervtheit begegnen, wenn wir einfach nicht tun, was wir doch so gern wollen und angekündigt haben. Gerade wenn sie selbst dieses Problem nicht haben, können sie überhaupt nicht nachvollziehen, warum jemand nicht in die Hufe kommt.

Oft lautet die Selbst- oder Fremddiagose in solchen Fällen: „Dann willst Du es wahrscheinlich auch gar nicht wirklich! Bleib, wo Du bist.“ Also alles heiße Luft. Nur wird auf diese Weise meine mentale Selbstblockade mit Sicherheit nicht kleiner werden.

Der Geis will nicht mehr in die Flasche

Denn ist uns erst einmal bewusst geworden, dass unser Job ein totes Pferd ist, wird unsere Unzufriedenheit ein ständiger Begleiter bleiben. Der Geist will bekanntlich nicht zurück in seine Flasche, wenn er es erst einmal ans Tageslicht geschafft hat!

Geht es Ihnen ähnlich? Nehmen Sie sich immer wieder vor, endlich etwas für den neuen Job zu tun – und kommen dann nicht aus demSessel? Neigen Sie dann auch zur Selbst-Kritik? Machen Sie sich selbst gern ordentlich Druck?

Blockiert von inneren Konflikten und Widersprüchen

Bei dieser zehnten Strategie wird besonders deutlich, wie sehr uns innere Konflikte und Widersprüche blockieren können. Obwohl wir eine große Sehnsucht nach Veränderungen haben, halten wir uns selbst davon ab, den Weg dorthin einzuschlagen.

Jede der zehn vorgestellten Strategien hat im Kern so einen Konflikt, denn der Ausgangspunkt ist ja immer unsere Unzufriedenheit, die nur bei der ersten Strategie so »gut« verdrängt wird, dass sie gar nicht wahrgenommen werden kann.

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