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Warum Chef-Bashing “in” ist – Teil 2: Chefs in der Stigmatisierungs-Falle



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Chefs werden gerne als Alphatiere und Narzisten gebrandmarkt, deren vermeintlich Stärken schnell in zwischenmenschliche Schwächen umschlagen. Dabei haben diese Eigenschaften auch durchaus ihre konstruktiven Seiten, die viel zu selten beachtet werden.


Hier schreibt für Sie:

 

88 Dr. Regina MahlmannDr. Regina Mahlmann ist als Coach und Beraterin Sparringspartner für das Top-Management.

Profil

Sozial inkompetente Alpha-Männchen

Kurze Popularität haben die Ausführungen von Kate Ludeman und Eddie Erlandson erreicht. Sie stellen vier Alpha-Mann-Typen vor. Zunächst werden die Stärken hervorgehoben und danach wird erläutert, wann die Stärken in destruktive Schwächen umschlagen.

Außerdem überlegen die Autoren, was die Alphas selbst und deren Partner tun können, um das Destruktive in Konstruktives umzuwandeln beziehungsweise das kontraproduktive Moment einer Stärke zu vermeiden. Alpha-Manager erscheinen allerdings auch hier sozial wenig kompetent und benötigen zur Korrektur Nicht-Alphas als Lehrmeister.

Studie zu Narzissmus unter Unternehmensgründern

Dass auch Narzissmus Wirkungsbereiche hat, in denen er förderlich sein kann, zeigt eine interdisziplinäre Studie der Universität Hohenheim, der Hochschule Reutlingen und der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.

Untersucht wurde der Einfluss der sogenannten „Dunklen Triade der Persönlichkeit“ in der Phase vor der Unternehmensgründung. Dabei schnitten Narzissten, als „selbstverliebte Persönlichkeiten“ bezeichnet, insofern gut ab, als ihnen offenbar eine höhere Neigung zu eigen ist, Unternehmen zu gründen.

Selbstverliebtheit gut für unternehmerischen Erfolg?

„Hochwertige Businesspläne stammen dagegen eher aus der Feder von Machiavellisten.“ Die Studie wurde im Rahmen der Jahreskonferenz der British Academy of Management (BAM) mit dem Best Paper Award ausgezeichnet.

Hauptergebnis: „Narzissmuss, Machtstreben & Co scheinen Existenzgründern zu helfen, zumindest in der Anfangsphase bis zum Erfolg“. Interdependenzen von Narzissmus und Führung(serfolg) wurden immer wieder erforscht.

Führungskräfte als Virus?

Gegenwärtig überwiegen Negativzuschreibungen: Führungskräfte sind demnach wandelnde Inkompetenz, Idiotie, Narzissmus, Machiavellismus, Psychopathie. Das ist aber noch nicht der Gipfel!

Der neueste Schrei verwandelt Führende in einen Virus: Führende machen – so die naive monokausale Logik – Mitarbeitende krank: „Chef-Nieten gehen aufs Herz“; oder – die scheinbar konstruktivere Variante derselben Botschaft: „Burnout: Vorgesetzte können psychische Belastung der Mitarbeiter reduzieren“.

Chefs mit Krankenschwester-Funktion

Führende werden verpflichtet, fürsorglich zu sein, indem sie „ihre Mitarbeiter bei der Arbeit sozial unterstützen“. Das allerdings müssen sie auf Dauer tun:

„Beenden oder unterbrechen die Vorgesetzten ihre Unterstützung jedoch, steigen die durch Burnout bedingten Ausfälle in der Belegschaft schnell wieder auf den vorherigen Stand.“

Alles, nur nicht ganzheitlich

Im Februar 2011 kommt eine Umfrage zu diesem Ergebnis: „den Chefs gelingt es nicht, die psychische Beanspruchung ihrer Mitarbeiter zu erkennen oder angemessen darauf zu reagieren.“ Zwar „(spielen) Führungskräfte eine Schlüsselrolle“, aber sie versagen in der „ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung“.

Und – siehe oben – unter ganzheitlich wird verstanden: Körper, Seele, Geist, soziales Miteinander und weitere Kontextvariablen wie Handlungsspielräume und Umgebung (Branche, Unternehmen, Arbeitsplatz, Infrastruktur).

Chefs mit Psychostigma

Fazit: Bis auf die offenkundigen Abwertungen zeichnen sich Negativ-Wertungen dadurch aus, dass sie einem psychologischen Diskurs entspringen. Insofern sind Führungskräfte bereits selbst psychologisiert: Empfänger psychologischer Labels.

Die konkreten, gerade besprochenen Etikettierungen exkulpieren Führende allerdings nicht. Vielmehr – und das ist erstaunlich – sollen sie ihrerseits psychologisch denken und ihre Mitarbeitenden nach psychologischen Kenntnissen führen – „ganzheitlich“, versteht sich.

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