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Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Maori-Häuptling und das Internet – 1/3



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Hone Mihaka ist Maori und Häuptling der Ngapuhi. Dank des Tourismus hat er es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Einen großen Anteil daran hat das Internet. Wie lebt und arbeitet er zwischen Tradition und Moderne, zwischen Business und einfachen Verhältnissen im äußersten Norden Neuseelands? judy


Hier schreibt für Sie:

 

Simone JansonSimone Janson, Auftritte in der ARD, Artikel für WELT, ZEIT, WIWO, t3n, W&V, macht Best of HR – Best of HR – Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Erst begrüßen, dann reinkommen

Bevor ich sein Haus betrete, werde ich wie jeder Gast mit der traditionelle, feierlichen Willkommenszeremonie, dem Whakatau, begrüßt. Hones Frau Judy steht am Eingang des Hauses und singt. Über ihre Jeans hat sie sich für die Zeremonie einen Rock gezogen, um ihre Beine zu bedecken und sich damit als Frau zu erkennen zu geben. Denn Frauen, die ihre Beine zeigen, seien in der Maori-Tradition wie Männer – und würden auch so behandelt, wir mir Hone erklärt.

Judy ruft ihre und meine Vorfahren, die in der Maori-Philosophie immer und überall mit einem reisen. Sie bittet um Auskunft darüber, ob ich in friedlicher Absicht komme oder nicht. Schließlich werde ich Willkommen geheißen und antworte in meiner eigenen Sprache. Es folgt der traditionelle Maori-Gruß, das Aneinander-Drücken von Nase und Stirn. Nun darf ich das Haus betreten.

Hausumbau in nur 5 Tagen

Dann wird es sehr praktisch: In Kürze, erzählt mir Hone stolz, will er sein Haus von grundauf rennovieren. Richtige Türen in allen Zimmern statt, wie momentan, Vorhänge zur Abtrennung, auch in der Toilette. Ein Stock mehr, damit die Gäste in Zukunft nicht mehr in der Garage auf dem Boden schlafen müssen.

Eine Treppe und eine Veranda. Und eine richtige Küche. Der Hausumbau soll nur fünf Tage dauern: Dann kommt die ganze Familie, alle zelten im Garten und bauen das Haus um: Ob das nicht ein wenig kurz ist, frage ich zweifeln. „Nein“, wiegelt Hone ab, „es kommen ja alle zum Helfen. Und er verspricht, Fotos davon bei Facebook einzustellen. Bis heute habe ich keine gefunden.

 Flöte im Ohr

„Sogar Backpacker haben sich zur Unterstützung angemeldet,“ sagt Hone stolz – und lacht. Mittlerweile ist er weit über die Grenzen Neuseelands hinaus bekannt, danke seines Jobs als „Touristenattraktion“, den er seit 15 Jahren macht. Denn Hone ist ein kurioser Typ.

So trägt er anstelle eines Ohrrings eine Flöte im Ohr. Das sei sehr praktisch, weil er sie jederzeit herausnehmen und darauf spielen könne, sagt er – und führt das dann auch gleich vor. Auch auf Muscheln kann er Melodien blasen. Wie er ein derart großes Loch in seinem Ohrläppchen fabriziert habe? „Mit einer Feder“ erklärt er und fügt auf meinen verdutzten Gesichtsausdruck hinzu: „Mit der Feder habe ich das Loch gebohrt und es dann mit einem kleinen Ast allmählich vergrößert.“


Der Tourismus hat Wohlstand gebracht

Der Tourismus ist für Hone und Judy ein Segen – er hat ihnen den Wohlstand gebracht. Jetzt endlich haben sie genug für den Hausumbau verdient. Seine Frau Judy kann es gar nicht erwarten.

Sie, die in Wellington in einem großen Haus aufgewachsen ist, die Mutter Maori, der Vater weiß, musste sich erst an das kleine, etwas armseelige Holzhaus gewöhnen, das früher Hones Eltern gehörte, wie sie mir erzählt: „Als Hones Vater uns 1997 bat, hierherzuziehen, wollte ich gar nicht – unser Lebensstandard war in Auckland höher.“ Jetzt weiß sie nicht mehr, wie sie früher in der Stadt leben konnte, mit den ganzen Menschen und dem Smog.

 „Ich bin kein Show-Pony“

Hone schüttelt den Kopf, als ich ihm erzähle, dass es in Berlin Menschen gibt, die gegen Touristen demonstrieren: „Den Tourismus bekämpfen heißt, Geld zu bekämpfen“, sagt Hone. Dabei hatt er am Anfang in der Tourismus-Branche nichtmal genug Geld, um für sein kleines Business Marketing zu machen.

Dann aber entdeckte das Neuseeländische Fremdenverkehrsamt die Maori als Alleinstellungsmerkmal des Landes – und Hone bekam Aufträge. Zunächst sei er daher mit einer Maori-Gruppe aufgetreten, die z.B. auf Kreuzfahrtschiffen den Haka, den traditionellen Ritual-Tanz der Maori aufführten. Das war ihm aber bald zu künstlich, zu unecht: „Ich bin ein Original, kein Show-Pony“ sagt er selbstbewusst.

Gebet

Ein Motor am Kanu für die Touristen

Heute bietet Hone u.a. mit seinem Stamm Kanutouren für Touristen auf dem Waitangi-Fluss an. Mehr als nur Paddeln: Vor jeder Tour werden die Götter des Wassers, des Windes und des Holzes angerufen. Denn auch die Kanus, die Waka, haben eine lange Tradition bei den Maori und erzählen Geschichten.

Mit eben solchen Kanus seien die Vorfahren von Hawai bis nach Neuseeland gerudert – eine nautische Meisterleistung sozusagen. Seine neun Kanus hat der Stamm selbst hergestellt – und ist dabei weitgehend der traditionellen Bauweise gefolgt. Die modernen Kanus sind allerdings aus Fieberglas.

Hone hat gerade einen Motor für sein Kanu gekauft – „falls die Touristen müde werden“. Und auch sein Baströckchen hat er heute nicht angworfen. „Zu kalt“ wie er sagt.

kajak

 Kleine Missgeschicke auf historischem Boden

Ich begleite ihn auf eine Tour mit Schülerinnen einer Elite-Mädchenschule aus Auckland. Größer könnten Kontraste kaum sein. Und während Hone uns erzählt, von James Cook, der 1769 als erster Europäer die Bay of Island besuchte und ihr den Namen gab, von der frühen europäischen Besiedlung und vom Vertrag von Waitangi, der 1840 hier unterzeichnet wurde – da wirft er in der Euphorie seines Vortrags in hohem Bogen seinen Autoschlüssel ins Wasser.

Und findet ihn natürlich nicht wieder. Nun muss er sich von der Lehrerin ein Handy leihen, um seine Frau anzurufen, damit sie ihm den Ersatzschlüssel bringt. Zu den Hararu Falls schaffen wir es heute nicht mehr. Aber die Mädchen hatten trotzdem Spaß.

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