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Warum Chef-Bashing „in“ ist – Teil 1: Nieten in Nadelstreifen?



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Erinnern Sie sich noch an die „Nieten in Nadelstreifen“? Das war Auftakt oder Höhepunkt, je nach Sichtweise, der ersten Phase des Chef-Bashings. Damals galten Führungskräfte nur als inkompetent. Auch heute noch. Aber heute hat sich diese Sicht der Dinge noch verstärkt.


Hier schreibt für Sie:

 

88 Dr. Regina MahlmannDr. Regina Mahlmann ist als Coach und Beraterin Sparringspartner für das Top-Management.

Profil

So geht Chef-Bashing

„Wenn der Chef ein Idiot ist“, besteht Bedarf nach Identifikation eines Schuldigen. Und der ist rasch gefunden: „Viele Vorgesetzte sind eine Zumutung“; denn bedauerlicherweise werden Fachleute zu Führenden, lernen das Führen nicht, benutzen erfolgreich „Ellbogen, Egoismus und Machtstreben“, entbehren der „Eigenschaften, die man für den Karrieresprung braucht“, und können daher weder „souveräne Persönlichkeit“ noch „der ideale Chef“ sein.

Dort sind Vorgesetzte Idioten, hier sind sie „dümmlich“: Tobias Schormann ironisiert „die dümmliche Führungskraft“, die „sensibler“ sei, als man denke, und gibt den Mitarbeitern Tipps, wie sie „Acht grobe Fehler im Umgang mit dem Chef“ vermeiden können.

Führungskräfte – gefangen in der Psychofalle

Verächtliches Beschimpfen genügt nicht. Psychologie muss her. Führungskräfte sind nicht nur dumm, sondern auch psychisch gestört oder krank. Etwa: „Narzisstische Menschen werden oft Führungskräfte, ohne besonders geeignet zu sein.“ und: „Wahnsinns-Typen. Psychopathen“. Psychopathologisierung ist „in“.

Anscheinend ist es chic, Führungspersonen mit psychologischen Etiketten zu bewerfen und sie zu neurotischen, psychotischen, krankhaften Spinnern zu machen, die Unheil anrichten.

Dem fügt sich auch der Hinweis darauf, dass Führende nahezu notwendig an einer narzisstischen Störung erkranken – und Mitarbeitende und Unternehmen darunter leiden: „Ich, das Genie“ als Formel für „Selbstüberschätzung“ und diese wiederum als „Berufskrankheit Nr. 1 bei Managern“.

Alphatiere im Sozialdarwinismus

Beschimpfen und Psychopathologisieren reicht nicht. Die Beleidigung kommt hinzu: Führende werden oft als Alpha-Tiere bezeichnet – häufig in Begleitung von Abbildungen, die Affen (Gorillas, Schimpansen) zeigen. Gibt man das Stichwort in die Suchmaschine ein, ergibt das tausende von Treffern.

Zu den Favoriten zählen Wirtschaftsleute, Fußballer, Schauspieler, Künstler, Politiker. Ein Blog zu diesem Thema umfasst einige zig Seiten und gibt Aufschluss darüber, inwiefern und wo menschliche Alpha-Tiere als unvermeidlich, hilfreich, nötig oder als sozialdarwinistisches Ergebnis von Kämpfen, als peinlich, überflüssig, destruktiv, be- und verhindernd gelten.

Wenn Narzissmus konstruktiv ist

Publikumswirksam benutzt werden die Etiketten Narzisst und Alpha-Tier in ihrer abwertenden Bedeutung. Wissenschaftliche Forschung indes zeigt, dass sowohl Narzissmus als auch Alpha-Tier-Aspekte konstruktive Seiten haben.

Um diese zu entdecken, muss man auf zweierlei schauen: auf den Führungskontext und auf die Stoßrichtung. Sobald sie das Unternehmen und seinen Erfolg exponieren (und nicht Mitarbeitende), gelten bestimmte Bereitschaften, Präferenzen und Fertigkeiten beider Persönlichkeitstypen bzw. -züge als willkommen.

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