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Zwei Ex-Schüler berichten im Interview, wie man das Abitur besteht: “Bloß nicht auf den letzten Drücker anfangen!”



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Sie haben ihr Abitur in der Tasche: Annika Block (19) ist inzwischen Bankkauffrau, Iven John (21) aktuell auf Bewerbungstour. Die ehemaligen Abiturienten des Schulzentrums Carl von Ossietzky (Bremerhaven) verraten angehenden Prüflingen, worauf es bei der Vorbereitung ankommt.


Welche Hilfsmittel habt Ihr – neben den Schulbüchern – fürs Lernen und die Abiturvorbereitung genutzt?

Annika Block: Bei mir hauptsächlich das Internet, es eignet sich gut zum Nachschlagen. Begrifflichkeiten, die einem unbekannt waren, konnten schnell auf einfachem Wege über das Internet gesucht und nachgelesen werden.

Iven John: Neben den Unterlagen aus dem jeweiligen Unterricht – Schulbücher und vor allem vom Lehrer erstelle Arbeitsblätter – habe ich überwiegend das Internet genutzt. Meist, um Unklarheiten wie Begriffe oder Vokabeln nachzuschlagen, oft auch um mir eine andere Sichtweise über ein Thema anzueignen. Das hat manchmal sogar ganz neue Blickwinkel eröffnet.

Und welche Rolle haben dabei neue Medien wie CD, Internet und Handy/iPhone gespielt?

Iven John: CDs, Mobiltelefone und weitere technische Geräte mit Ausnahme vom Computer habe ich nicht genutzt, da ich persönlich mit der klassischen Vorbereitungsmethode des Nachbereitens und Weitervertiefens am besten zurechtgekommen bin. Ausnahme waren aber Sprachen. Hier habe ich speziell in Englisch viele Filme, Dokus oder Serien auf Englisch geschaut, da man nur so auch hierzulande den Eindruck des „native speakers“ mitnehmen kann.

Habt Ihr fürs Lernen auch Originalklausuren genutzt?

Annika Block: Bei der Vorbereitung bin ich alle Klausuren noch mal durchgegangen, denn aus Fehlern, die man dort gemacht hat, lernt man ja schließlich auch.

Und wie sah das in der Praxis aus?

Iven John: Zum Abitur habe ich fast sämtliche Klausuren aus den vergangenen Jahren wieder herausgekramt und anhand derer mir dann noch einmal einen Überblick pro Fach/Thema/Halbjahr verschafft. Alles, was mir nicht mehr ausführlich genug einfiel oder von dem ich das Gefühl hatte, darin nochmal nachbessern zu müssen, habe ich mir dann herausgepickt und in meinen vorhandenen Unterlagen detaillierter nachgeschlagen. Wenn ich an mehr interessiert war, dann habe ich anschließend auch das Internet bemüht und mich weiter eingelesen. Originalklausuren von vergangenen Abiturjahrgängen hatten wir eher weniger.

Wie sah  ein typischer Lernnachmittag aus?

Annika Block: Mit viel Ruhe an den Schreibtisch gesetzt und alle Unterlagen durchgelesen und geübt. Viel brachte mir auch das Lernen mit anderen Schülern aus der Klasse. Iven John: Gezielt, intensiv, geordnet, pausenreich. Ich habe mir immer ein Thema zurzeit vorgenommen und mich mit dem so lange beschäftigt, bis ich das Gefühl hatte, ich habs nicht nur verstanden, sondern bin darin fit genug. Danach habe ich mir eine Pause gegönnt. Meist schaffte ich so zwar nur ein bis zwei Themen am Tag, fühlte mich aber deutlich sicherer und informierter. Von langen, wilden Lernorgien vor der Klausur halte ich weniger, denn ich zumindest halte das einfach nicht aus. Ich war lieber von Anfang an im Unterricht bei einem Thema dabei, dann gab es auch weniger nachzuholen und man konnte sich auf das „Erweitern“ des jeweiligen Wissensschatzes beschränken, statt erst mal wieder bei null anfangen zu müssen.

Von Schüler zu Schüler: Welche Tipps könnt Ihr Nachbetrachtung angehenden Abiturienten für effektives und nachhaltiges Lernen geben?

Annika Block: Frühes Beginnen mit dem Lernen zahlt sich aus. Lerntricks gab es bei mir nicht. Iven John: Tausendmal gelesen, tausendmal verstanden und doch meist aus den vielfältigsten Gründen nicht umgesetzt: sich nicht verrückt machen, geordnet und gezielt lernen und vor allem nicht alles auf einmal! Das setzt natürlich voraus, das man entsprechend zeitig mit dem Wiederaufbereiten anfängt, wo dann oft schon wieder der Hund begraben liegt. Mein Tipp zur Vorgehensweise: Schon mal rechtzeitig – spätestens nach der letzten normalen Klausur – alle Themen pro Fach zusammensammeln und ehrlich schauen, was denn eigentlich noch bis zum „ground zero“ getan werden muss. Das erleichtert einem nicht nur das strukturierte Herangehen, sondern nimmt einem auch ein gutes Stück Ungewissheit. Den verschiedenen Lern- und Menschentypen entsprechend dann weiter vorgehen.

Und was waren die besten Lerntricks für die Prüfungsvorbereitung?

Iven John: Die einen mögen es, sich einen exakten Zeitplan zu erstellen, die anderen sagen eher: „Gut, bis zum 1Deutsch, dann Mathe“. Wiederum andere denken dann: „Puh, das passt noch. Ich fang zum X-ten an“. Jedem das Seine, nur in jedem Fall ist der erste und beste Schritt, sich einen Überblick zu verschaffen. Dann haut das auch alles rechtzeitig hin! Jeder, wie es ihm am besten tut, nur die größten Erfolge werden die meisten Schüler haben, wenn sie sich ihre Informationen in irgendeiner Art und Weise gebündelt zu Gemüte führen. Ich persönlich habe viel gelesen, mir dann Stichpunkte aufgeschrieben und mir das dann am Tag vor der Prüfung und direkt vor der Prüfung noch mal angeschaut. Das Ganze hat sich für mich bewährt.

Wie sah es bei dir mit dem Thema Prüfungsangst aus und wie bist du mit Prüfungsdruck umgegangen?

Annika Block: Meine Prüfungsangst war sehr groß, war jedoch immer eher kurz vor der Prüfung da, sodass ich noch kurz entspannen konnte, was viel gebracht hat. Iven John: Prüfungsangst klingt für mich nach Panik. Panisch ist man meist bei Unbekanntem. Ja, die auf einen zukommenden Fragen und Aufgaben sind ungewiss, wenn man sich jedoch bis zu dem Punkt vorbereitet, wo man glaubt „Ich kenne mich darin aus“, dann steckt man in der Materie und egal welche Frage da dann kommt, das Ganze kann nicht völlig unbekannt sein. Ich habe entsprechend Respekt vor Prüfungen, eine gewisse Unbekannte kann man schließlich nie ausschließen, aber dabei von Angst zu sprechen und sich das auch noch einzureden, das kann nur unzuträglich sein.

Irgendwelche Tipps für heutige Prüflinge?

Iven John: Sich Fragen: Weißt du worum es geht? Kannst du die Kernelemente wiedergeben? Ja? Dann brauchst du doch keine Angst haben, oder? Du kennst ja das Thema? Richtig? Etwas anderes ist es mit dem Druck. Da hilft nur: Druckquelle erkennen. Ein deutsches Sprichwort sagt so schön: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.“ Getreu nach dem Motto überlege ich mir, was den Druck ausmacht, und begegne der Quelle dementsprechend. Also: locker nehmen, ist nur halb so wild!

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simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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