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Warum Unternehmen Ex-Mitarbeiter in Alumni-Netzwerken sammeln sollten: Sind Boomerang-Hires die Rettung gegen Fachkräftemangel?


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Wenn Mitarbeiter entlassen werden, ist das oft unschön. Doch es geht anders: Eine aktuelle Studie zeigt, dass die meisten Ex-Arbeitnehmer dem Unternehmen verbunden bleiben möchten- z.B. in Alumni-Netzwerken. Auch Unternehmen pofitieren davon: Sie können Mitarbeiter schnell wieder einstellen.


Hier schreibt für Sie:

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil

Studie zeigt: Kontakte zu Ex-Mitarbeitern sollte man pflegen

Alumni-Netzwerke kennt man sonst nur von Hochschulen. Aber auch für Unternehmen bieten sie eine optimale Möglichkeit, mit ehemaligen Mitarbeitern in Kontakt zu bleiben. Wenn sie wirklich vernünftig eingesetzt werden.

Die aktuelle Studie „Bewerbungspraxis 2010“ des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main und des Online-Karriereportals Monster zeigt: Auch wenn Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen, möchten sie nicht alle Brücken hinter sich abbrechen.

Ex, hopp und weg?

Dem Unternehmen den Rücken zukehren, ex, hopp und weg? Ehr nicht: Rund 90 Prozent der befragten mehr als 9.000 Stellensuchenden und Arbeitnehmer wollten mit dem ehemaligen Arbeitgeber und seinen Mitarbeitern weiter in Kontakt bleiben. Der Wunsch ist verständlich, denn brechen mit dem Wegfall des Arbeitsplatzes auch die Kontakte zu Kollegen ab und das soziale Umfeld wird merklich kleiner. Daneben bleibt man natürlich auch über aktuelle Jobangebote in dem Unternehmen informiert.

Und auch aus Unternehmenssicht kann der Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern, gerade auch zu ausgeschiedenen Leistungsträgern, durchaus sinnvoll sein. Denn Unternehmen können beim Recruiting gezielt bereits bekannte und bewährte Kandidaten ansprechen. Ausgeschiedenen Mitarbeitern können sich so bei ehemaligen Arbeitgebern neue Karrieremöglichkeiten eröffnen.

Boomerang Hires als Zukunftsfaktor?

So führen viele Firmen Austrittsinterviews mit ausscheidenden Mitarbeitern und einige Arbeitgeber bauen so genannte Alumni-Netzwerke auf, um ehemalige Angestellte weiterhin an das Unternehmen zu binden. Diese „Netzwerke für Ehemalige“ kommen gut an: Laut Studie möchten mit 44 Prozent mehr als vier von zehn der befragten Jobsuchenden und Karriereinteressierten in ein Alumni-Netzwerk eines Unternehmens aufgenommen werden. Insgesamt kann sich die Mehrheit der Befragten sogar eine mittlere bis enge Beziehung zum ehemaligen Arbeitgeber vorstellen.

„Das Phänomen dieser so genannten Boomerang Hires, im Rahmen derer ehemalige Mitarbeiter wieder für das Unternehmen gewonnen werden, wird speziell in oberen Hierarchieebenen bei den so genannten Professionals eine wichtige Rolle spielen, da insbesondere für diesen Hierarchiestatus zukünftig eine Angebotsknappheit erwartet wird“, erklärt Prof. Dr. Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg.

Kritik

Das klingt natürlich alles sehr schön,  klappt aber nur, wenn mit der Entlassung von beiden Seiten rational und sachlich umgegangen wird. Das ist jedoch nicht immer der Fall, denn oft entsteht Groll. Und so geben auch 9,2 Prozent der Befragten an, sie möchte nie mehr mit dem Ex-Arbeitgeber kommunizieren.

Außerdem ist die Sache mit der Angebotsknappheit nichts weiter als eine Prognose, aufgrund derer Unternehmen schonmal vorsorglich „Notfallmaßnahmen“ ergreifen. Wie man an anderer Stelle, etwa bei dem an anderer Stelle hier im Blog diskutierten Fachkräftemangel sieht, sind das jedoch häufig nichts weiter als reine Worthülsen.

Denn ein echtes Alumni-Netzwerk besteht nicht nur auf dem Papier oder aus regelmäßigen Rund-E-Mails: Es müssen auch Treffen, Vorträge, Seminare usw. veranstaltet werden, die das ehrliche Interesse der Unternehmen an ihren Mitarbeitern zeigen.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Hallo,
    ich habe eine Frage zu dem Thema Boomerang-Hiring. Gibt es da bereits Literatur die sie empfehlen können? Leider finde ich in unserer Hochschulbibliothek nichts zu diesem Stichwort.

    • Simone Janson

      Hallo Kristin,
      leider nein. Ich würde einfach mal nach Alumni-Netzwerken suchen. Oder vielleicht auch bei Studierenden-Organisationen nachfragen.
      Viele Grüße

  2. Pingback: Alumni-Newsletter – Unternehmen, Ihr verpasst Umsätze, neue Kunden und vieles mehr

  3. Simone Janson

    Hallo Johannes, ich freue mich, wenn ich ein wenig helfen kann. Wenn ich irgendwelche Fragen z.B. via Twitter publik machen soll, einfach melden.

  4. Johannes Neu

    Vielen Dank Simone für die schnelle Antwort und Hilfe!

    Werde mein Glück mal in diesen Fachgruppen versuchen!

    Frohe Grüße
    Johannes

  5. Simone Janson

    Hallo Johannes,
    die im Text erwähnte Studie sagt leider nichts darüber, wie Bewerber die Firmen hinsichtlich ihrer Ansprache ausgeschiedener Bewerber beurteilen: Lediglich nach Fachgruppen wird differenziert:

    „In Alumni-Netzwerke möchten vor allem diejenigen aufgenommen werden, die im Bankwesen oder im Consulting tätig sind. Hier gibt über die Hälfte der Befragten an, dass sie nach dem Ausscheiden aus einem Unternehmen in ein entsprechendes Netzwerk von ehemaligen Mitarbeitern aufgenommen werden möchten. Abbildung 32 zeigt darüber hinaus, dass Alumni-Netzwerke auch für die anderen betrachteten Fachrichtungen eine Rolle spielen.“

    Was die Beurteilung einzelner Arbeitgeber angeht – man könnte es mal beim Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu versuchen. Oder eine eigene Umfrage erstellen, die ich gerne auch helfe, publik zu machen.

  6. Johannes Neu

    Hallo Simone,

    ich schreibe gerade an meiner Diplomarbeit bei der Robert Bosch GmbH und hätte eine Frage zu deinem Thema:

    Welche Unternehmen sind denn Vorreiter in Sachen „Alumni-Netzwerk“?

    Frohe Grüße
    Johannes

  7. Mark Brandis

    Unter „flexibel sein“ verstehe auch, dass man zum Beispiel mal den Samstag arbeitet und dafür den Dienstag nicht. Oder dass man von zuhause aus arbeitet, was viel öfter möglich wäre als es von deutschen Arbeitgebern propagiert wird. Meine Erfahrungen bisher waren jedenfalls so. Bei einem Arbeitgeber wurden Arbeitsstunden nach 19 Uhr grundsätzlich nicht abgerechnet, selbst wenn man dann noch mit anderen zusamnmen in der Firma war. Was das mit Flexibilität zu tun haben soll, muss mir mal jemand erklären…

    • Simone Janson

      Das stimmt, in der Beziehung mangelt es auch häufig Arbeitgebern noch an Flexibilität und sie wollen ständig alles kontrollieren. Das kenne ich auch, genau aus dem Grund bin ich selbständig geworden. Aber: Es soll auch andere Arbeitgeber geben 🙂

  8. Simone Janson

    Hallo Julian, vielen Dank für dein leidenschaftliches Plädoyer fürs Lebenslange lernen! Ich bin völlig deiner Meinung, nur einfach noch etwas skeptisch bezüglich der Umsetzung.
    Eines der Gegenargumente, die während der Fachkräftemangel-Debatte auftauchten, war, dass es gerade für ältere Semester schwierig sei, sich z.B. in kurzer Zeit nochmals in eine neue Programmiersprache einzuarbeiten. Ich glaube aber, dass das auch eine Frage dessen ist, ob das Gehirn auch ständig aktiv und daher gewohnt ist Neues zu lernen.
    Allerdings sind die hierfür nötigen gesellschaftlichen Umwälzungen m.E. größer als einfach nur zu sagen: „Und jetzt müsst ihr mal plötzlich Bereit sein, mehr zu lernen.“
    Das ist für viele Leute eben nicht normal.

    Gruß
    Simone

  9. Hallo Simone,

    soweit sind sich auch neben dem Studium sogar noch weiterzubilden? Oder soweit sein -müssen-, bereit zu sein, sich neben dem Studium fortzubilden?

    Sie sind vielleicht noch nicht bereit, aber sollten. Wenn man keine Scheuklappe aufhat, braucht man keine Angst vor der internationalen Konkurrenz sein. Denn dann sagt man zu sich: Ich arbeite heute nicht stupide 9 Stunden, weil die anderen es auch tun. Nein, ich schaffe die Arbeit auch in 6 Stunden, wenn ich mich mal wirklich dran setze. Dann habe ich sogar noch Zeit dies und das zu unternehmen oder zu dem Networking Treffen zu gehen… bla bla… so schaut ein engagierter MA aus, nicht wie der, der 9… 10… 11… Stunden am Tag schuftet. Das haben sogar schon große Unternehmensberatungen wie BCG festgestellt. Stand in einer der letzten Harvard Business Manager…

    Und wer weiterhin ineffizient 9 Stunden am Tag arbeitet braucht sich nicht wundern, wenn sein Platz outgesourced wird, weil die Studenten in Indien mindesten genauso viel drauf haben, aber wesentlich billiger sind. Deswegen gibt es doch in den USA schon so viele Selbstmanagement-Ratgeber. „Wie werde ich effizienter?“

    Industrie wandert ab, Wissensarbeiter bekommen Konkurrenz aus den Billiglohnländern. Was heißt das für uns? Nicht nur einmal studieren! Mehrere male, und viele kleine Fortbildungen dazwischen sowieso…

    VG Julian

  10. Simone Janson

    @Julian, ich sehe es auch als Chance, bin nur Skeptisch, ob die Leute schon so weit sind.
    @Mark Brandis: In der bisherigen Diskussion wirkte es aber auf mich eher so, als hätten die Arbeitnehmer mit der Flexibilisierung Probleme…

  11. Goldegg Verlag

    Trendforsche Jánszky sagt, Unternehmer sollen Mitarbeiter kündigen, wenn es am besten läuft …
    Ein neuer Trend?!

  12. Mark Brandis

    „Auch Festabgestellte müssen eigene Initiative zeigen (siehe Google 20% Freitage).“

    Na da bin ich mal gespannt, wann man in deutschen Firmen so flexibel sein wird das einzuführen. Vielleicht klappt es noch zu meinen Lebzeiten, aber viel Geld darauf verwetten möchte ich nicht 😉

  13. Hallo Simone,
    vielen Dank für das Feedback. Ich sehe es aber genau anders herum, als Chance. In dem älteren Artikel sind die Kommentare von MINT-Absolventen ganz interessant. Ich studiere selbst noch Wirtschaftsingenieurwesen und bin im Gegensatz sehr optimistisch. Ich vage einmal behaupten zu können, dass selbst Studenten sich nebenbei weiterentwickeln müssen, trotz dass das Studium auch eine Entwicklung darstellt. Auch und gerade wenn ein Student heutzutage stupide vor sich her studiert und noch so eine gute Note herauskitzelt. Er ist wertvoller, wenn er nebenbei eigene Projekte entwickelt und durchgezogen hat, sowie in Initiativen tätig war und daraus Unternehmenskontakte mitnehmen kann, die somit Erfahrungen und Arbeitsproben von ihm haben. Kaltbewerbungen haben gegen diese doch keine Chance! Ganz ehrlich? Ich kann mich über meine Möglichkeiten Praktika oder Nebenjobs hier und da anzufangen nicht beklagen.

    Ich liebe es in einer Initiative temporär für Projekte zu arbeiten, vielleicht mal zu einer anderen zu wechseln etc. Ich zähle mich zu der jüngeren Generation, als die aus dem MINT-Artikel, und würde behaupten, dass ich es später auch begrüßen würde nicht zu lang in einem Unternehmen „bleiben zu müssen“, da dieses Jobwechseln für mich eine Chance darstellt interdisziplinäre Erfahrungen zu machen und mich persönlich weiterzuentwickeln.

    Natürlich wird diese Struktur des Projektarbeiters und der Alumni-Netzwerke nicht funktionieren, wenn die MA noch auf das 20. Jahrhundert gepolt und nicht bereit sind sich nicht nur mit vorgegebenen Seminaren, sondern eigenen interdisziplinären Ideen und Projekten weiterzuentwickeln. Auch Festabgestellte müssen eigene Initiative zeigen (siehe Google 20% Freitage). Deutschland entwickelt sich zur Wissensgesellschaft. Da ist derjenige austauschbar, der seinen Job nach Akkord erledigt und nicht darauf achtet, wie man effizienter wird, wie man Prozesse verbessern kann, sich verbessern kann. Verwalterische Tätigkeiten sind ebenso austauschbar wie Akkordarbeiten. Hier kommt es nicht auf die persönliche Note eines Individuums an – wie es in der Wissensarbeit aber gefordert ist. Und wie erhält man diese persönliche Note? Weiterentwicklung. Somit schließt sich der Kreislauf – zu dem wir hinlaufen.

    Aber wieso sage ich das eigentlich, ist ja offensichtlich 😉

    Grüße Julian

  14. Simone Janson

    Hallo Julian,
    aus unternehmerischer Sicht klingt das vernünftig. Bei den Mitarbeitern könnte sich aber so m.E. Frust breit machen. Denn vor allem in Deutschland ist eine Entlassung für viele Menschen immer noch eine persönliche Katastrophe und unsichere Beschäftigungsverhältnisse sind noch längst nicht im Mainstream angekommen – das habe ich gerade in dieser Diskussion wieder gemerkt:
    Insofern bin ich beim derzeitigen Stand der Dinge noch ein wenig skeptisch…

  15. Sehr interessante Anmerkungen. Ich habe vor kurzem 2020: So leben wir in der Zukunft von Sven Gábor Jánszky gelesen. Dieses Buch ist durch einen recht bekannten Think Tank entstanden. Und auch hier beschreibt Jánszky in der Zukunft Projektarbeiter, die entlassen werden, wenn es „am schönsten“ ist, damit sie später motiviert sind nach einem Turnus bei anderen Unternehmen und entsprechendem Erfahrungsaufbau wieder zurück zu kommen.

    Im Moment wird damit gespielt und es wird ausgetestet. In Zukunft wird es aber ein wesentlicher Faktor in Sachen Human Resources ausmachen. Oder?

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