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Trotz Langzeitstudium erfolgreich: „Auf die Erfahrung kommt es an!“


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me_Internet-250x358 Trotz Langzeitstudium erfolgreich: "Auf die Erfahrung kommt es an!"Ein Freund hatte mich gebeten, meine Erfahrungen im social media-Bereich mal auf den Facebook-Auftritt einer Bekannten anzuwenden. Tatsächlich konnte ich mich motivieren und habe ihr ein paar Ideen geschrieben. Tagelang kam nichts. Ich dachte schon, die Mail wäre im Spam-Ordner gelandet.


Hier schreibt für Sie:

Nikolas Hoenig ist Director Human Experience Strategy & New Business bei Starcom Mediavest Group.

Profil

Berufswahl nach dem sozialwissenschaftlich Studium

Doch wenn ihr diese Zeilen lest, wisst ihr dass sie noch geantwortet hat und was ihr Dankeschön war. Mal wieder ein Beweis wofür Netzwerke gut sind wenn man immer wieder bereit ist zu geben ohne gleich an den eigenen Nutzen zu denken. Mal schauen was Sie von den Anregungen umsetzen kann.

Eine kleine Geschichte zu Beginn ist nett aber eigentlich wollte ich mich der Berufswahl nach einem sozialwissenschaftlichen Studium widmen oder noch stärker abstrahiert: Erfahrungen. Denn nach meiner Wahrnehmung dreht sich genau darum vieles zur Zeit! In der Uni geht es darum Wissens-Erfahrungen niederzuschreiben oder artikulieren zu können, auf dem Nebenjobmarkt darum die Chance welche zu erwerben und anwenden zu dürfen und im social web generell darum diese auch gerne weiterzugeben – sonst wäre dieser Artikel wohl nie entstanden.

Wer gut kombinieren kann, hat erfahren, dass es bei mir noch nicht unmittelbar und den Einstiegsjob geht. Oder doch? Schwierige Frage. Vor wenigen Tagen habe ich die letzte Abschlussprüfung hinter mich gebracht. Nach 16 Semestern schliesst sich der Magister-Kreis mit interessanten aber teils unwirtschaftlichen Erkenntnissen über politische Beziehungen, Partizipation am politischen System, Risikowahrnehmung, Weiterentwicklungen des Rational-Choice-Modells und Analyse von Gesellschaft durch veränderte Arbeitsformen und (onlinebasierte) Vernetzung.

Oh Gott, ein Langzeitstudent!

16 Semester? Sozialwissenschaften? Bist Du ein Langzeitstudent? Es scheint so, verdammt, das geht schneller als man denkt! Was macht man mit diesem Studium? Hoffen oder Eintreten? Die die gehofft haben, hatten nicht alle Glück. Die die eingetretetn sind, sei es Partei oder Verband, Verein oder Uni, haben es besser aber beides war nichts für mich. Zu naiv auf der einen, zu festgelegt, bürokratisch oder theorielastig auf der anderen.

Auch wenn anfangs der Status als Student genug Sicherheit vermittelte, begann ich nach dem langgezogenen Grundstudium Nebenjobs zu suchen, die zumindest Einblicke in die normale BerufsWelt ermöglichten und Fragen nach dem danach beantworten konnten. Manche glauben immer noch, dass man als Akademiker nicht arbeitslos wird.

Die Note ist nicht das Wichtigste

Meine schlechteste mündliche Prüfung (3,0) kommentierte der Professor kürzlich mit den Worten: „Ingesamt stehen Sie ja noch auf der Zwei. Bleiben Sie fokussiert. Mit einem befriedigendem Abschluss wird es auf dem Arbeitsmarkt schwierig. Denken Sie daran bei ihrer Abschlussarbeit.“

Vor einem Jahr hätte ich seine Worte wohl wie ein Schwamm aufgesogen und eine tolle Abschlussarbeit geschrieben, die die Bedürfnisse eines wissenschaftlich denkenden Professor befriedigt oder besser „gut“ zufriedenstellt. Mittlerweile ist die Note nicht mehr das Wichtigste für mich. Ich habe meine Erfahrungen gemacht. Ein schönes Gefühl wenn man den Eindruck hat eine bessere Situationseinschätzung zu haben als der Professor.

Spaß haben als Berufsziel

Die Wahrscheinlichkeit der Akademikerarbeitslosigkeit liegt bei unter fünf Prozent. Man kann Erfahrungen systematisch erfassen und sich schnell in neue Themengebiete einarbeiten, das scheint wichtig. Aber man will ja auch was machen was einem Spaß macht, darüber sagt diese Statistik nichts aus. Diese sehr essentiellen Eigenschaften werden in Zeiten lebenslangem Lernen noch wichtiger werden. Ein notwendiges Tribut in Zeiten einer Generation (always)-on(line) und Innovationszyklen, die schneller sind als der Seitenaufbau mit einem 14.400-Modem!

Wer das noch kennt, sollte jetzt Schmunzeln. Oder Grübeln. Denn solche Zeiten sind ja dann eigentlich prädestiniert für ein Studium dass diese „Basics“ wie strukturiertes Denken, schnelles Einarbeiten fördert und tiefe Erkenntnisse im Grundlagen-Bereich vermittelt als sofort anwendbare Skills zu vermitteln, die spätestens nach drei Jahren im Beruf schon wieder mit der ersten Fortbildung überholt sind. Generalisten an die Front! Eigentlich.

Vermeintlich schnell einsetzbare Arbeitskräfte vs. Innovation

Leider wollen manche Unternehmen lieber sofort einsetzbare Arbeitskräfte, die funktionieren. Dass das auf Kosten von Prozessoptimierungen, besserer Anpassungsfähigkeit an neue Prozesse und Innovationskraft geht, scheint wohl betriebswirtschaftlich zu wenig skalierbar um es umsetzen zu können.

Erfahrungen mit Software, Erfahrungen im operativen Bereich oder Erfahrungen im Projektmanagement sind gefragt und erhöhen die Jobaussichten exorbitant. Dumm nur, dass das vermittelte Wissen im sozialwissenschaftlichen Bereich eher aus Gesellschaftstrukturen und menschlichem Verhalten besteht und weniger aus englischen Begriffen, die versuchen vermeintliche Marktprinzipien auszudrücken oder routinierten Vorgehensweisen für Maschinenkonstruktionen.

Klassische Studentenjobs bei renommierten Unternehmen

Daher schnupperte ich nach klassischen Semesterjobs bei Daimler und Behr, einem Ausflug an die Tür im Nachtleben und einem 400€-Bürojob in einem Notariat erstmals bei einer Freiberufler-Vermittlung rein. Kleiner Mittelständler in einem damaligen Wachstumsmarkt. Da war ich dann „Junior-Researcher“.

Falls jemand über 50 diesen Blog liest: Ich half erfahrenen Personensucher bei der Recherche nach guten IT-Fachkräften für freie Projektstellen in Unternehmen. Ich forderte Lebensläufe an, suchte nach geeigenten Kandidaten auf Xing und Gulp und hatte den Eindruck zum ersten Mal einen Nebenjob zu machen der einen Einblick in ein mögliches Berufsfeld gab.

Flexibele Beschäftigungen auf dem Vormarsch

Flexible Beschäftigungsformen sind auf dem Vormarsch. Unternehmen wollen bei volatileren Märkten ihre Belegschaft immer flexibler halten, ein marktlogisches Verhalten. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind ambivalent. Aber bei der Vermittlung von Freiberuflern die teils Stundensätze einstreichen bei denen sogar Uni-Professoren träumen können, wurde das Risiko der Selbstständigkeit bzw. die ständige Unsicherheit gut bezahlt. Ein fairer Deal.

Meine Grenze war klar: Bauarbeiter für 6,80€ brutto die Stunde auf die Baustelle schicken und bei Nichtgefallen morgen wieder kündigen zu können, werde ich nie machen. Freiberufler die davon teils fürstlich leben können: Kein Problem. Nur kann man sich den Job in der Personalwirtschaft so aussuchen? Ich hatte immer einen Blick auf die studentischen Jobangebote. Nach einem Jahr als Researcher entdeckte ich eine Stelle bei einer Absolventen-Vermittlung im Bewerbermarketing.

Aufstieg

Etwas kreativer, wieso nicht? Obwohl nicht besser bezahlt, reizte mich die Herausforderung und ich wechselte. Der Job war anspruchsvoller. Das Gute ist, dass man viel lernt und das Fordernde das Ego fördert.

Nicht, dass ich damit Probleme gehabt hätte aber eine verbesserte Diskussionsgrundlage gegenüber wirtschaftlich-orientierten Studenten, da man ja auch was „Richtiges“ nebenher macht und eine wachsende Arroganz gegenüber kopierenden „Hiwis“ denen man vorwerfen konnte, noch nie richtig gearbeitet zu haben, glich zum Teil den Stundenlohn von weniger als zehn Euro aus.Zum Teil. Denn mit jeder Monatsabrechnung mehr, merkte man wie günstig man als Student Arbeit verrichtete. Jeder der schon mal die Nebenkosten eines Normalbeschäftigten gesehen hat, kann den Unterschied bestätigen.

Knackpunkt Dresscode

Obendrein kam noch der Dresscode dazu. Nein, ich habe nichts gegen Anzüge. Ich muss nicht jeden Tag einen tragen um mich gut zu fühlen aber ich finde ihn auch nicht generell spießig. Nur bei dieser Bezahlung und nur seltenem Kundenkontakt jedes Mal wie ein festangestellter Banker rumzulaufen, stiess mir langsam auf. Zumal ich nach dem Arbeiten manchmal noch an die Uni musste und jeder sich die Blicke vorstellen kann, wenn man einen Studenten mit Stoffhose und Hemd sieht. Ich habe sie ja selbst gehasst!

Aber für namhafte Unternehmen auf Bewerbersuche gehen und ein social-media-Konzept entwickeln und umsetzen zu können, war interessant. Klar gehörten auch Datenbank-Pflege, Kundenservice und administrative Tätigkeiten zum Arbeitsumfang aber alles in allem machte ich meine Erfahrungen.

Dann kam die Krise. Das social-media-Projekt war gerade erfolgreich abgeschlossen worden, da erwischte es die ersten Festangestellten in der Probezeit und als der Chef mich reinbat, war schon klar was kommt: Super Arbeit aber leichter kündbar als andere. Hände gebunden. Ich nahm es sportlich. Ich war ja noch Student und es war nur ein Nebenjob.

Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung!

Trotzdem, weitere Erfahrungen gesammelt: Marketing ist kreativer als reiner Research. Die Kombination machte Spaß! Wieso nicht zweigleisig fahren? Ich suchte zum einen im Personalbereich, zum anderen im Marketing-Bereich. Das Studiums gibt theoretisch für beide Disziplinen was her: Wissen über soziale Gruppen und deren Gesetzmäßigkeiten, Struktur und Identitätsbildung sowie die Milieuforschung und Entscheidungsmodelle als Weiterentwicklung des klassischen Kosten-Nutzen-Modells der Ökonomie helfen enorm beim Marketing.

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