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VDI-Studie spricht von Ingenieursengpass: Fachkräftemangel oder nicht?



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Eine neue Studie zeigt: 34.000 Ingenieurs-Stellen konnten 2009 nicht bestzt werden. Dadurch scheint sich der Ingenieursengpass zu verschärfen. Die Diskussion in meinem Blog zeigen ein anderes Bild.


Hier schreibt für Sie:

 

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Trotz globaler Krise konnten im vergangenen Jahr 34.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Das zeigt eine Studie des Verbands Deutscher Ingenieure. Deren Ergebnisse stehen in krassem Kontrast zu den Aussagen auf meinem Blog.

Auf der heute eröffneten Hannover Messe sprach VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs die Folgen an: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir im Krisenjahr 2009 einen solch deutlichen Fachkräftemangel zu spüren bekommen. Tatsächlich sprechen wir von über 3 Milliarden Euro entgangener Wertschöpfung für die Bundesrepublik Deutschland“. Auch liege die Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent immer noch auf Vollbeschäftigungsniveau, so Fuchs weiter.

Höhere Flexibilität in der Berufswahl

Die aktuelle Studie von VDI und dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt darüber hinaus, dass in Deutschland rund 1,5 Millionen ausgebildete Ingenieure arbeiten. „Jeder vierte Akademiker in Deutschland ist Ingenieur. Aber nur die Hälfte aller Ingenieure arbeitet in diesem Beruf. Laut der Studie sind zum Beispiel knapp 10 Prozent aller Ingenieure in wirtschaftswissenschaftlichen Berufen wie z.B. Unternehmensberater tätig. Der Rest arbeitet, laut Tabelle 10 der Studie, in Dienstleistung, Lehre oder ähnlichen MINT-Berufen.

Über die genau Art der Beschäftigungsverhältnisse (z.B. befristet oder unbefristet) oder über Arbeitslosenzahlen schweigt sich die Studie allerdings aus.

Lieber spricht man noch ein weiteres Problem an: „In Folge alternder Belegschaften werden ab 2018 rund 44.000 Ingenieure jährlich in den Ruhestand gehen“, so Dr. Hans-Peter Klös, Geschäftsführer des IW Köln. „Die Entwicklung zu einer forschungs- und wissensintensiven Gesellschaft erzeugt darüber hinaus einen zusätzlichen Bedarf an Ingenieuren, der schon heute nicht mehr gedeckt werden kann.“

Demografischer Wandel verschärft Fachkräftemangel

Die Anzahl junger Ingenieure reicht in Zukunft nicht mehr aus, um allein die altersbedingt aus dem Erwerbsleben Ausscheidenden zu ersetzen. Auf 347.000 Ingenieure im Alter von 56 bis 65 Jahren kommen in Deutschland 343.000 Ingenieure im Alter von bis zu 35 Jahren. Angesichts der in Zukunft sinkenden Gesamtstudierendenzahlen seien beträchtliche Anstrengungen notwendig, um der weiteren Verschärfung des Ingenieurengpasses entgegenzuwirken.

Mit einem Anteil in Höhe von 16 Prozent sind Frauen bei den Ingenieuren noch immer stark unterrepräsentiert. Hier sieht Fuchs erhebliches Potenzial, der Ingenieurlücke in Zukunft zu begegnen. Insgesamt dürfe nicht nachgelassen werden, den Nachwuchs für technische Berufe zu begeistern und schon früh die Angst vor technischen Themen abzubauen. Auch arbeitslose Ingenieure müssten vermehrt in den Arbeitsprozess reintegriert werden. Altersdurchmischte Teams seien in der Regel am leistungsfähigsten und kreativsten.

Industrie: 57 Prozent aller Akademiker sind Ingenieure

Der deutsche Industriesektor beschäftigt über 700.000 Ingenieure, hingegen nur knapp 530.000 sonstige Akademiker. Folglich sind 57 Prozent aller in der Industrie erwerbstätigen Akademiker Ingenieure, in den innovationsstarken Branchen wie der Elektroindustrie, dem Maschinen- oder dem Fahrzeugbau sind es sogar bis zu 75 Prozent.

Es zeigt sich darüber hinaus, dass die Forschungs- und Innovationsleistung einer Branche umso höher liegt, je mehr Ingenieure diese beschäftigt. „Im Bereich der hochqualifizierten Beschäftigung sind Ingenieure das Rückgrat des forschungs- und industrieorientierten Geschäftsmodells Deutschland“, erklärte IW-Geschäftsführer Klös.

Wer alles nachlesen will: Die Studie gibt es hier als PDF: http://www.vdi.de/uploads/media/Ingenieurstudie_VDI-IW.pdf

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Simone Janson

    Hallo Michael, danke für den Hintergrund zu den Zahlen!

  2. „Auch liege die Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent immer noch auf Vollbeschäftigungsniveau, so Fuchs weiter“.
    Mit den 2,4% waren wohl die Ingenieure gemeint.
    Wie diese Arbeitslosenquote zustande kommt kann ich sehr genau erklären:
    Arbeitslose Ingenieure ab 58 Jahre werden wie alle anderen Arbeitslosen nicht in die Statistik mit eingerechnet.
    Weiterhin werden arbeitslose Ingenieure in Weiterbildungsmaßnahmen oder 1 Euro Jobs ebenfalls nicht mit eingerechnet.
    Außerdem werden Ingenieure aus Bedarfsgemeinschaften (Sippenhaft) nicht dazugerechnet. Ingenieure mit einem zu hohen Schon“vermögen“ werden auch nicht mit einbezogen.
    Gerade bei Ingenieuren kommt der Fall der Sippenhaft und/oder des Schon“vermögens“ sehr häufig vor. Arbeitslose Ingenieure unter 60 Jahren gab es in Deutschland im Jahr 2009 sowhl absolut als auch relativ weit mehr als oft veröffentlicht.
    Unbesetzte Ing.-Stellen dagegen so gut wie gar nicht, denn den Ingenieur der alles kann, 32 Jahre ist und für 25000Euro/Jahr arbeitet gibt es in Deutschland momentan selten. Deshalb sollen qualifizierte Ingenieure aus dem Ausland rekrutiert werden, das ist der Grund !!!!
    Interessant ist auch zu sehen wie viele Stellen im Internet ausgeschrieben werden ohne das diese jemals besetzt werden.
    Da werden auf Jobpilot, Stepstone, …..
    jede 2. Woche die selben Stellen veröffentlicht. Die selbe Stelle wird noch von mindestens 5 anderen Personaldienstleistern „gesucht“, also im Internet als „Jobangebot“ ausgestellt. Für diese EINE „Stelle“ werden also bei einem einzigen Stellenbörsenanbieter schon ca. 130 Stellen geschaltet.
    Teilweise wird dann 2 Jahre „gesucht“ und oh Wunder kein Mitarbeiter gefunden !!!!!
    Der Grund ist ziemich einfach: Kein Unternehmen sucht so „Händeringend“ um Mitarbeitern eine Anlernzeit von ca. 4-8 Wichen zugestehen zu können. Kein Unternehmen sucht so Händeringend um auch mal angemessenes Gehalt zahlen zu können. Die Arbeitgeberverbände freuen sich über dieses Gejammer und unterstützen es mit Kampagnen, dient es doch mittelfristig der Lohndrückerei. Was bedeutet dies für den Nachwuchs ?
    Studieren, von der Realität eingeholt werden, anschließend ins Ausland wandern.

  3. Simone Janson

    Danke für den interessanten Link. Da ich in den nächsten Tagen beruflich und privat unterwegs bin, werde ich aber erst nächste Woche dazu kommen, mir das in Ruhe anzuschauen.
    SJ

  4. Geschädigter

    So viel zum Fachkräftemangel und zur Zukunft des Ingenieurberufs:

  5. Simone Janson

    Hallo Warmweiß, danke für Ihren Beitrag.
    Die weiteren Beiträge zu diesem Thema haben Sie hoffentlich gefunden:

    Gruß
    Simone Janson

  6. Warmweiß

    Die angebliche Sau über den Fachkräftemangel, insbesondere Ingeniermangel, wird immer wieder von den selben Insitutionen durch’s Dorf getrieben und zwar wider besseres Wissens und aus perfiden wirtschaftlichen Eigeninteressen des Großunternehmertums. Das deutsche Großunternehmertum beutet seine mittelständischen Zulieferbetriebe vom Ungelernten bis Ingenieur aus. Diese müssen den Druck natürlich an ihre Mitarbeiter weitergeben. Die Löhne und Gehälter sind dort nicht selten unter 25 % unter IG Tarif. Da die Ingenieure, im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, seltener sind und auch länger ausgebildet werden müssen, hat man Sorge, dass irgenwann das Überangebot abflaut und den Mittelständlern die billigen Ingenieure ausgehen und somit die Rendite der Großunternehmen gefährdet ist. Dazu springt der VDI und auch die Großunterehmen in regelmäßigen Abständen mit ihren berühmten Namen in die Bresche und täuschen medienwirksam vor, als hätten sie Probleme, Personal zu finden.
    Dazu fantastische Gehaltstudien und beste Chancen.
    Dadurch werden Abiturienten beeinflusst und deren Eltern, so dass sich deren Sprösslinge für einen Ingenierstudiengang einschreiben. Da in den vergangenen Jahren besonders der Maschinenbau ohne Unterlass beworben wurde, gibt es in vielen Hochschulen jetzt mehr Immatrikulierte Maschinenbauer als BWler. Durch die Krise ist zudem von heute auf morgen die Nachfrage nach Ingenieuren sehr stark weggebrochen mit katastropalen Folgen für Einsteiger. Man sieht auf den Businessplattformen bis heute jede Menge Jungingenieure, die eine mehr als einjährige Lücke nach ihrem Abschluss in 2008 oder 2009 haben oder ein Aufbaustudium dranhängt haben.
    Ist auch kein Wunder, denn wir haben ja mindestens 2 unversorgte Abgängergenerationen produziert und bis heute dümpeln wir noch unter 2007 Niveau rum. Um wieder ein Gleichgewicht zu schaffen, bräuchte es über die nächsten Jahre zweistelliges Wachstum im Maschinenbau oder sarkastisch betrachtet, ein Massensterben der Ingenieure, z. B. durch Massenkarambolagen im Berufsverkehr.

  7. Simone Janson

    Hallo Herr Bühler,
    vielen Dank für diese fundierte Beurteilung und den interessanten Einblick in Ihr Alltagsgeschäft. Vor allem die Ausführung über die verschiedenen Phasen ist sehr interessant und könnte eine gute Erklärung für die im Blog aufgetretenen Diskrepanzen darstellen.
    Ich werde den Beitrag an die anderen Diskussionsteilnehmer weiterleiten.
    Die Frage, die uns da wahrscheinlich alle umtreibt: Wie bekommt man die Firmen dazu, in dieser (und vielen anderen) Hinsicht(en) nachhaltig zu denken und nicht nur kurzfristig Kosmetik zu betreiben?
    Vielleicht mit aussagekräftigen Zahlen, dass nachhaltige Planung sich auszahlt?
    Simone Janson

  8. Jürgen Bühler

    Guten Tag Frau Janson,

    Sie treffen mit Ihrer Vermutung den Nagel auf den Kopf. Ich muss gestehen, dass ich das Geheule in punkto Fachkräftemangel – insbesondere bei Ingenieuren – auch nicht mehr hören kann. alma mater ist seit 1997 im Bereich der Vermittlung von Absolventen im Geschäft. 1997 wurden wir für verrückt erklärt, denn mit der Vermittlung von Berufsstartern könne man doch kein Geld verdienen.

    Seither wechseln sich munter phasenweise der „War for Talents“ mit Phasen von „Berufseinsteiger bringen uns nicht weiter ab“. Ihre beiden Fälle im Blogbeitrag (Karen und Sandra) haben das Pech, ihr Studium in der zweiten Phase abzuschließen.

    Anstelle ständig über den Fachkräftemangel zu heulen gibt es aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten:

    1) Strukturierte, nachhaltige Nachwuchsarbeit und Einstellung auf die Zukunft ohne alle paar Jahre die Nachwuchsprogramme aus Gründen der Ergebniskosmetik zu „rasieren“. Viele Gespräche mit HR-Verantwortlichen zeigen mir, dass der „Fachkräftemangel“ zumindest bei vielen Firmenleitungen nicht prioritär betrachtet wird.

    2) Den Mangel an Fachkräften und eigenen Bewerbungen durch den Einsatz profilierter Dienstleister und Spezialisten beseitigen. Gerade mittelständische Industrieunternehmen denken hier sehr konservativ.

    Viele Grüße
    Jürgen Bühler

  9. Simone Janson

    Frisch gebloggt: VDI-Studie spricht von Ingenieursengpass: Fachkräftemangel oder nicht?

  10. Murat Cakmakci

    RT @jobcollege: VDI-Studie spricht von Ingenieursengpass: Fachkräftemangel oder nicht?: Eine neue Studie zeigt: 34….

  11. KompetenzPartner

    VDI-Studie spricht von Ingenieursengpass: Fachkräftemangel oder nicht?: Eine neue Studie zeigt: 34….

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