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Serie über Small Talk: Mehr als geistloser Zeitvertreib



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Small Talk wird oft als „geistloser Zeitvertreib“ abgetan. Das stimmt – wenn er falsch ausgeübt wird. Wer es richtig macht, muss dagegen richtig auf Zack sein. Er muss geistig seinem Gegenüber folgen und laufend Verständnisfragen stellen – die der andere begeistert beantwortet (wenn man es damit nicht übertreibt).


Hier schreibt für Sie:

 

cornelia-topf Dr. Cornelia TopfDr. Cornelia Topf ist zertifizierter Businesscoach & internationale Managementtrainerin.

Profil

Survival-Skill Fragen stellen!

Alles, was ein Mensch sagt, ist unterredundant. Gelegenheiten für Fragen geben sich bei jedem einzelne Satz zuhauf. „Ich möchte mir dieses Jahr ein neues Auto leisten …“ Warum dieses Jahr? Was für ein neues Auto? Was war das alte? Warum ein neues? Wie war er/sie mit dem alten zufrieden? Was sollte ein neues mitbringen?

Intelligente, interessierte Fragen stellen konnten wir zwar alle im Alter von fünf Jahren. Doch in der Zwischenzeit hat uns das Bildungswesen diese nützliche Fähigkeit gründlich ausgetrieben. Wir müssen uns diesen Survival Skill erst wieder zurückerobern. Gelegenheiten dafür finden Sie täglich im Dutzend: Auch und gerade mit Ihren Kindern, Verwandten, dem Beziehungspartner.

Menschen werden sich wundern

Mensch, werden die sich wundern! Über so viel Aufmerksamkeit, die Sie ihnen plötzlich schenken. „Heut war es ganz doof in der Schule!“ Warum? Weshalb? Was ist passiert? Erzähl mir bitte alles ganz genau! Der Michael hat dich beleidigt? Wer ist das nochmal? Ah, ist das nicht …?

Okay und was hat er gesagt? Wie hat er das gemeint? Was ging dem voraus? Ich könnte noch minutenlang dazu Fragen stellen und mein Gegenüber begeistern. Und bald können Sie das auch. Üben Sie. Übung macht den Meister und die Meisterin.

Andere Glänzen lassen!

Und wenn Sie ein Meister sind, können Sie auch andere glänzen lassen. Erst neulich gesellte ich mich auf einem Empfang zu einem Stehkreis, in dem ein Bankdirektor mit sichtlich stolzgeschWelter Brust dozierte – über Solaranlagen. Und Peter S. stand dabei. Was man wissen muss: Peter S. hat eine der größten Vertriebs- und Installationsorganisationen für Solaranlagen in der Region. Der Bankdirektor wusste das bloß nicht.

Als der Kreis sich verlaufen hatte, nahm ich Peter beiseite und fragte: „Hast du die Zunge verschluckt? Seit wann lässt du dir von einem Laien dein eigenes Fachgebiet erklären?“ Er zwinkerte und sagte: „Den Bankdirektor haben sie den ganzen Abend über geschnitten, wegen der Finanzkrise. Ich dachte mir: Lass ihn ruhig auch mal glänzen und fahr ihm nicht in die Parade mit Besserwisserei. Außerdem: Der baut selber gerade. Glaubst du, er kauft seine neue Solaranlage bei einem Besserwisser? Oder bei einem, der souverän und gelassen den Kunden an die erste Stelle stellt?“

Nur keine Angeberei

Leider sind dies die häufigsten Stilelemente im üblichen Laien-Small-Talk: „Wir waren diesen Sommer am Schwarzen Meer in Urlaub!“ – „Und wir in der Dom. Rep.!“ – „Und wir in der Sommerresidenz vom Papst!“ Äh, bäh, das ist ja widerlich. Wie sich die Platzhirsche und Salonzicken da wieder gegenseitig zu überbieten und auszustechen versuchen!

Vor allem Männer verscherzen es sich beim zwischengeschlechtlichen Small Talk damit am häufigsten: Keine Frau mag Angeber. Frauen stehen auf Gesprächsharmonie (wenn sie nicht gerade zicken). „Aber wenn einer wirklich Unfug erzählt!“, wenden an dieser Stelle die Ingenieure, Topmanager, Redakteure, Germanisten und Naturwissenschaftler ein. Na und? Leute, es ist Small Talk! Es ist keine Dissertation oder Anhörung vor dem Senat!

Achtung, Blosstellung!

Der Bäckermeister hält Keynes für den Mittelstürmer von Schalke? „Keynes war Wirtschaftswissenschaftler und Vater der modernen Marktwirtschaft! Das weiß doch jeder!“ Mit so etwas disqualifiziert man sich selbst und verscherzt sich jede Sympathie. Auch und gerade weil es stimmt! Aber das zählt nicht beim Small Talk.

Beim Small Talk zählt der Rapport, die Harmonie. Also sagt man/frau: „Ach was, der Mittelstürmer von Schalke heißt auch so? Was für ein Zufall! Der Wirtschaftswissenschaftler hieß doch auch Keynes, oder?“ Wissen Sie was? Der Bäckermeister wird Ihnen ewig dankbar sein, dass Sie ihn nicht bloßgestellt haben. Das ist Small Talk: Den anderen gut aussehen lassen. Auch und gerade dann, wenn man es besser weiß.

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