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Serie – Selbstbestimmt lernt sich’s besser: Effekthascherei statt Weiterbildungs-Erfolge?



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Gestern habe ich am Beispiel Zeitmanagement angerissen, warum teuere Weiterbildungen oft ineffektiv sind. Ulrich Reinhardt hat darauf per Kommentar gefragt, was ich genau meine. Hier nun etwas genauer, warum es oft mehr um Effekte als um Inhalte geht und Dozenten zu Clowns werden.


Hier schreibt für Sie:

 

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

Profil

Bleiben wir mal beim Thema Zeitmanagement und stellen uns ein zweitägiges Seminar dazu vor: Die Teilnehmer lernen verschiedene Zeitmanagementtechniken kennen, indem sie ein Lehrwerk durcharbeiten und schriftliche Übungen dazu machen. Am Ende gibt es eine Prüfung, die zu einem gut klingenden Zertifikat führt, das der Weiterbildungsanbieter selbst erfunden hat.

Auswändig statt kreativ Lernen

Um zu bestehen, muss man einige Fragen zu den verschiedenen Methoden beantworten, wofür die Mehrzahl der Seminarteilnehmer vermutlich das Lehrwerk einfach auswendig gelernt hat. Das ist übrigens kein erfundenes Beispiel, sondern eines, das ich selbst erlebt habe!

Was hingegen gänzlich fehlt, ist eine konstruktive Diskussion oder eine kritische Auseinandersetzung mit den Methoden – mal ganz zu schweigen davon, dass man die gelernten Techniken gründlich durchdacht, für seine eigenen Zwecke modifiziert und an seine Lebens- und Arbeitsweise angepasst hätte. Denn nur so wäre echtes, kreatives Lernen möglich gewesen.

Es hapert bei der praktischen Umsetzung

Dafür ist aber die Lernbereitschaft der Teilnehmer Grundvoraussetzung. Wenn all dies fehlt, ist es kein Wunder, dass das in der Weiterbildung mühsam Erlernte hinterher gar nicht zur Anwendung kommt.

Tatsächlich, 77 Prozent der Teilnehmer solcher Weiterbildungskurse haben es nach Einschätzung von Experten nicht gelernt, die Theorie aus dem Seminar dann auch in der beruflichen Praxis umzusetzen.

Der Dozent als Clown

Doch es wird noch paradoxer. Weil die Teilnehmer eigentlich keine Lust haben, müssen sich die Trainer eben einiges einfallen lassen, um sie bei Laune zu halten. Der Enthüllungsautor Richard Gris entstammt selbst dieser Zunft (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich Dr. Axel Koch) und plaudert in seinem Buch „Die Weiterbildungslüge“ aus dem Nähkästchen:

Wenn die Teilnehmer Spaß am Kurs haben und vom Trainer begeistert sind, ist das fast schon die ganze Miete. Dass es Spaß macht, muss aber nicht heißen, dass man auch wirklich etwas lernt. Manche Trainer greifen einfach zu Tricks – zum Beispiel indem sie Aktientipps geben, die mit dem Seminarthema gar nichts zu tun haben.

Gute Laune auf dem Rückmeldebogen

Show und Effekthascherei also statt Inhalt. Nicht der Lernerfolg ist das Ziel, sondern die gute Laune der Teilnehmer. Deshalb ist es auch absolut tabu, sich konfrontativ mit einem oder mehreren Teilnehmern anzulegen, indem man unbequeme Dinge sagt – selbst wenn das dem Lernziel eigentlich zuträglich wäre.

Der Grund dafür ist einfach: Am Ende geben alle Teilnehmer einen Rückmeldebogen darüber ab, wie ihnen das Seminar gefallen hat. Gute Bewertungen bedeuten, dass die Weiterbildung erfolgreich war – auch wenn sie eigentlich nichts gebracht hat.

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  1. Simone Janson

    Dozenten als Clowns, #Seminare als billige #Effekthascherei – Teil 4 meiner Serie über Selbsbestimmte #Weiterbildungen

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