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Geisteswissenschaftler bei der Jobsuche: Traum & Wirklichkeit



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Wer ein Orchideenfach wie Archäologie, Musikwissenschaften oder Komparatistik studiert, kennt es sowieso, aber auch Absolventen der Geschichte, Anglistik oder Politik haben den Spruch bis zumStudienende schon zigmal gehört: «Das ist brotlose Kunst. Damit findest du sowieso keinen Job.»

Da ist schon irgendwie was wahres dran – das müssen vor allem auch die Kommilitonen eingestehen, die derzeit ihr Studium beendet haben und auf Jobsuche sind. Doch so ganz stimmt das vernichtende Urteil nicht: Man findet einen Job. Sogar einen guten. Aber: Eigeninitiative ist gefragt.

Traum und Wirklichkeit

Ein fester, unbefristeter Job, interessante Aufgaben, gute Bezahlung, Nähe zum Studienort; oder wenigstens eine gute Einstiegsposition wie eine Trainee-Stelle oder ein Volontariat: Der Wunsch vieler Geistes- und Sozialwissenschaftler. Doch die Realität sieht leider anders aus:

Die Arbeitslosenzahlen sind höher als bei den Absolventen anderer Fächer, die Einstiegsgehälter hingegen niedriger. Und nur ganz selten bekommt man seinen Traumjob auf einem Silbertablett serviert.

Kompromisse unumgänglich

Denn wenn neben dem Studium keine weiteren Kenntnisse vorhanden sind, die sich direkt im Berufsalltag verwerten lassen, kann die Umsetzung der Wünsche schwierig sein. Kompromisse sind unumgänglich; zum einen beim Berufsziel, da der Traumjob nicht immer möglich ist, zum anderen beim Berufseinstieg, denn der eigentlich angestrebte Beruf kann oft nur über Umwege erreicht werden.

Das verunsichert viele Absolventen, die resignieren, wenn sie merken, dass die Jobsuche nicht so läuft wie gedacht. Oft genug stehen sich Geistes- und Sozialwissenschaftler beim Schritt in die Wirtschaft sogar selbst im Weg: Wer sich für ein geisteswissenschaftliches Studium entschieden hat, sieht sich bereits früh mit der schwierigen Situation beim Berufseinstieg konfrontiert. Immer wieder hören die Studierenden, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eher begrenzt seien. Lösungen werden dabei selten aufgezeigt.

Identitäts- und Legitimationskrise

Nicht wenige Geisteswissenschaftler geraten dadurch in eine Art Identitäts- und Legitimationskrise. Nach den ersten schlechten Erfahrungen in der ArbeitsWelt, die zeigen, dass es mit dem «Traumjob» nicht so recht klappen will, sind sie dann frustriert und stellen ihr gesamtes Studium in Frage. Statt aktiv weiter auf ihr Ziel hinzuarbeiten, verharren sie verunsichert in einer Art Lethargie, die sie noch über das Studienende hinaus bremst.

Oder sie entwickeln sehr idealistische, überzogene Vorstellungen von der ArbeitsWelt und ihren eigenen Fähigkeiten. Mit ihren unrealistischen Ansprüchen an ihren Job machen sie sich das Leben dann selbst unnötig schwer. Denn auf der anderen Seite empfinden Arbeitsgeber gerade die realitätsfernen Ideal- und Moralvorstellungen so mancher Geistes- und Sozialwissenschaftler regelrecht als störend für die Betriebsabläufe.

Neuorientierung notwendig

Dabei ist es für Geistes- und auch Sozialwissenschaftler sehr wichtig, gezielt nach neuen Perspektiven zu suchen und das eigene Profil für den Arbeitsmarkt zu schärfen z.B. auch durch berufsbezogene Weiterbildungen.

Geistes- und Sozialwissenschaftler sollten auch ein realistisches Bewusstsein für die Stärken, auf die Sie aufbauen und die Schwächen, an denen sie arbeiten können, entwickeln. Wie will man künftige Arbeitgeber von seinen Kompetenzen überzeugen, wenn man selbst nicht daran glaubt? Das es klappen kann, zeigen viele Beispiele erfolgreicher Geistes- und Sozialwissenschaftler, die nicht aufgegeben haben, sondern am Ball geblieben sind, sich dabei aber immer auch am Bedarf auf dem Arbeitsmarkt orientiert. Auf diese Weise haben sie früher oder später auch über Umwege ihren

Traumjob gefunden

Natürlich fällt so eine Neuorientierung nicht leicht. Und gerade wenn sie Neuland betreten, müssen Geistes- und Sozialwissenschaftler leider oft mit Gegenwind rechnen. Denn auf fremdem Terrain konkurrieren sie natürlich mit gut ausgebildeten Fachkräften, die mitbringen, was ihnen nicht selten fehlt: Branchenspezifische Kenntnisse, kaufmännisches oder technisches Wissen oder einschlägige Berufserfahrung.

Zudem sind potentielle Arbeitgeber auch nur Menschen, die gern zeitsparend in Schubladen denken. Der Ägyptologe oder die Keltologin mit ihrem exotisch anmutenden Lebenslauf passen in die Denkweise des jeweiligen Entscheiders einfach nicht hinein.

Fehlendes Vertrauen

Den Absolventen wird oft nicht zugetraut, dass sie den Job gut machen. Wenn dann noch Bewerber zu Verfügung stehen, die bereits ausreichend Erfahrung mitbringen, erhalten diese den Vertrauensvorschuss. Wer in einer bestimmten Branche arbeiten will, sollte sich am besten genau erkundigen, welche Kompetenzen dort gefragt sind und sich diese gegebenenfalls aneignen.

Der Beitrag erschien unter:

Der Beitrag erschien auch am 29.08.2009 unter dem Titel „Wie aus der Flaute frischer Wind weht“ im Rhein-Main-Markt, Beilage zu Frankfurter Neuen Presse und zur Rhein-Main-Zeitung, dem Lokalteil der FAZ, auf Seite 3.



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simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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