Die Kosten des Aufbaustudiums: Als Werbungskosten und Sonderausgaben absetzten? | Best of HR - B E R U F E B I L D E R
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Die Kosten des Aufbaustudiums: Als Werbungskosten und Sonderausgaben absetzten?



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Werbungskosten sind die Aufwendungen, die Sie zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung Ihres Arbeitslohns tätigen. Dazu gehören u. a. Beiträge zu Berufsverbänden, Fahrtkosten, Bewerbungskosten, Kinderbetreuung während der Arbeitszeit usw.


Hier schreibt für Sie:

simone_janson Simone JansonSimone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation.

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Was können Sie absetzen?

Wer nachweisen kann, dass er mehr als 920 Euro für diesen Zweck ausgegeben hat, sollte dies (steuermindernd) tun. Wird dieser Wert nicht erreicht, ist das Sammeln von Quittungen und Belegen überflüssig, weil das Finanzamt dann automatisch 920 Euro pauschal anrechnet.

Die Aufwendungen für soziale Sicherung (z. B. Krankenversicherung), Steuerberatung (entsprechende Literatur, Programme) oder Spenden fallen unter die Rubrik Sonderausgaben. Schließlich wären noch die außergewöhnlichen Belastungen zu erwähnen. Wer z. B. viel Geld für Gesundheitsversorgung oder bei Behinderung für Hilfsmittel verausgabt, sollte dies entsprechend angeben.

Kosten für das Studium absetzen

Alle Kosten, die durch das Studium entstehen (Immatrikulationsgebühren, Bücher…), sind so genannte Sonderausgaben und als solche steuerlich absetzbar. Nachgewiesene Ausbildungskosten werden aber nur bis zu 920 Euro pro Jahr berücksichtigt. Achtung: Bei der Zuordnung von Ausgaben für das Studium zum Punkt Sonderausgaben hat es eine grundsätzliche Änderung in der höchstrichterlichen Rechtsprechung gegeben. Danach können diese Kosten auch als Werbungskosten gelten, wenn sie im Zusammenhang mit dem Beruf entstehen (Vorteil: nicht auf 920 Euro begrenzt).

Ausbildungskosten können auch als Werbungskosten geltend gemacht werden: Neben den ohnehin unstrittigen Ausgaben, die bei der Erwirtschaftung von Einkünften anfallen (Werbungs- oder Betriebskosten) und die bei abhängiger Beschäftigung mit 920 Euro/Jahr pauschaliert werden, wenn nicht darüber hinausgehende Kosten nachgewiesen werden können, werden auch „Ausbildungskosten“ anerkannt.

Wer für seine Aus- oder Weiterbildung, also auch ein Studium, Geld ausgegeben hat, kann diese Kosten von seiner Einkommenssteuer absetzen (Urteil des BFH: 20.7.2006, Az. VI R 26/05). Das Finanzamt geht in der Regel von Werbungskosten aus, wenn diese für die Festigung und Erweiterung der Kenntnisse im bereits ausgeübten Beruf entstehen. Ist eine Aus- oder Weiterbildung Voraussetzung, um einen Beruf durch die erlernten Fähigkeiten irgendwann überhaupt erst ausführen zu können (in der Regel trifft das auf jedes Erststudium zu), gelten diese Kosten allerdings als Sonderausgaben.

Werbungskosten oder Sonderausgaben?

Sie sollten sich gut überlegen, ob Sie diese als Werbungskosten zu den Einnahmen aus nichtselbstständiger Arbeit anführen oder aber den Abzug als Sonderausgaben beantragt. Denn: Sonderausgaben können pro Jahr nur bis zu einem Höchstbetrag von 920 Euro abgezogen werden, bei auswärtiger Unterbringung sind es maximal 1.227 Euro. Werbungskosten können aber, über den Pauschalbetrag hinaus, unbegrenzt abgesetzt werde. Da dieser Betrag durch Lehrmittel, Studiengebühren, Fahrtkosten usw. schnell erreicht ist, sollte man möglichst versuchen, die Aufwendungen als Werbungskosten glaubhaft zu machen.

Der Bundesfinanzhof hat am 25.7.2001 (Az. VI R 77/00) zudem entschieden, dass Fahrtkosten von der Wohnung zum Ausbildungsort und Heimfahrten vom Ausbildungsort zum Wohnort der Eltern absetzbare Mehraufwendungen darstellen. In einer „nebensächlichen“ Äußerung wurden auch Studiengebühren für absetzbar erklärt. Unklar ist zur Zeit noch, ob Studiengebühren noch Jahre nach dem Studium, wenn man längst im Beruf steht, als vorgezogene Werbungskosten abgesetzt werden können. Die Finanzämter würden das vermutlich ablehnen, aber es bliebe dann immer noch der Rechtsweg.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Friederike Wolfger

    Hallo,
    wir sind uns über die folgende Situation im Unklaren: Gilt ein Medizinstudium nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Physiotherapeutin / MFA / Krankenschwester als Weiterbildung? Wie ist diese Situation steuerlich zu sehen?
    Danke für Eure Mitarbeit

    • Simone Janson

      Hallo,
      wir dürfen leider aufgrund der gesetzlichen Lage keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall geben, andernfalls drohen Abmahnungen.
      Daher bitte einen Steuerberater aufsuchen.
      Viel Erfolg

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