, 07. 07. 2009:
Ohne Fleiß kein Preis – der alte Spruch gilt in vielen Firmen schon lange nicht mehr. Denn meistens haben im Job nicht die die Nase vorn, die immer brav ihre Arbeit machen, sondern die, die sich am besten verkaufen können. RP ONLINE zeigt, warum das so ist und was man dagegen tun kann.
Warum Meetings sinnvoll sind
Mal wieder Meeting: Genervt schleppt sich Kollege Müller in den Meetingraum, während sich auf seinem Schreibtisch die Aktenberge stapeln. Müller weiß genau, was ihm jetzt bevorsteht: Kollege Mayer und Schmitt, diese Schwätzer, werden wieder zu Höchstform auflaufen und sich stundenlang in Eigenlob ergehen, während die wirklich wichtigen Dinge liegen bleiben. Am Ende wird das Ergebnis gleich null sein, aber Müller hat jede Menge Zeit verloren. Sinnlose Zeitverschwendung nennt er das.
Aber Müller irrt. Das Schaulaufen vor Kollegen und Vorgesetzten, zum Beispiel im Meeting, ist wichtiger als ständige Höchstleistung: Eine Studie von IBM zeigt, dass es im Job überhaupt nur zu zehn Prozent auf Leistung ankommt. 30 Prozent des Erfolgs hängen ab vom Image. Und ganze 60 Prozent werden bestimmt durch den Bekanntheitsgrad im Unternehmen. Das zeigt: Wenn es um die Karrierechancen geht, haben Schwätzer wie Mayer und Schmitt die besseren Karten und jemand wie Müller, der stets fleißig seine Aufgaben abarbeitet, das Nachsehen.
Wie andere einen wahrnehmen
Der Grund dafür liegt darin, wie die Umgebung einen wahrnimmt: Der Chef sieht zum Beispiel nicht, wie Müller tagaus tagein im Büro schuftet. Im Gegenteil, er nimmt ihn nur als jemanden wahr, der mit genervter Miene im Meeting hockt und denkt sich, dass das ja ein übellauniger Mensch sein muss. Hingegen bekommt er stets mit, was Mayer und Schmitt über ihren Job im Meeting erzählen und hält die beiden für ausgesprochen engagiert und kompetent. Kurz: Der Chef glaubt nur das, was er sieht und hört; das mag nicht immer fair sein, aber Menschen ticken nun einmal so.
Ein weiterer Grund: Wer wie Müller stets klaglos bis mitten in die Nacht alle angefallenen Arbeiten erledigt, gilt zwar als pflichtbewusst, aber verschafft sich keinen Respekt bei anderen. Chefs und Kollegen haben dann den Eindruck, dass sie mit einem Müller alles machen können, weil der so wenig auf sich hält und zu allem geduldig ja sagt. Keine guten Karrierevoraussetzungen. Denn in Führungspositionen sind andere Eigenschaften gefordert.
Die 110%-Lüge
Plakativ gesagt bedeutet das: Wer im Job immer 110 Prozent gibt und es dem Chef stets recht machen will, wird nicht befördert. Karriere machen eher die Selbstdarsteller. Das kennen viele auch aus eigener Erfahrung: Die meisten haben schon mal die Erfahrung gemacht, dass nicht der Bessere das Lob einheimst, sondern derjenige, der gut mit dem Vorgesetzten kann.
Auch wenn ständige Leistungsbereitschaft prinzipiell löblich ist, so führt doch eine andere Taktik in der Regel eher zu Erfolg: Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass im Job bestimmte Spielregeln gelten. Man muss sich ja nicht auf Kosten anderer profilieren oder ständig den Chef umschleimen. Statt aber verbissen und um jeden Preis ein bestimmtes Leistungspensum erreichen zu wollen, sollte mehr Wert auf die eigene Selbstdarstellung legen. Dann wird man meist auch erfolgreicher sein.

