Vor einigen Wochen habe ich hier im Blog eine kleine Reihe über Arbeitszeugnisse und die Aktuelle Diskussion darüber begonnen. Hier nun der dritte und letzte Teil der fiesen Phrasen, die Arbeitnehmer bei der nächsten Bewerbung garantiert ins Aus kicken. Einige Beispiele:
- Er ist ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter (= Er ist egozentrisch und nörgelt gerne)
- Er war kontaktbereit (= Aber nicht kontaktfähig)
- Bei Kunden war er schnell beliebt (= Er machte viele Zugeständnisse, besitzt keine Verhandlungsstärke)
- Er praktizierte einen kooperativen Führungsstil und war deshalb von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt (= Er kann sich nicht durchsetzen)
- Sie führte mit fester Hand (= Autoritärer Führungsstil)
- Er führte konsequent (= Autoritärer Führungsstil)
- Er führte straff demokratisch (= Autoritärer Führungsstil)
- Er scheidet aus, um in einem anderen Unternehmen eine höherwertige Tätigkeit zu übernehmen (= die wir ihm nicht zutrauten bzw. anbieten wollten)
- Er schied aus, um sich finanziell zu verbessern (= Wir waren nicht bereit, ihm mehr zu bieten)
- Er schied im beiderseitigen Einvernehmen aus (= Kündigung durch den Arbeitgeber – eine wirklich einvernehmliche Aufhebung wird umschrieben mit “im besten beiderseitigen Einvernehmen”)
- Wir haben uns einvernehmlich getrennt (= Auf Initiative des Arbeitgebers erfolgte Eigenkündigung des Arbeitnehmers oder Abschluss eines Aufhebungsvertrages)
- Das Arbeitsverhältnis endet am KRUMMES DATUM (= Fristlose Kündigung oder Vertragsbruch, üblich ist der 30./3eines Monates als Ausscheidungsdatum)
- Unsere besten Wünsche begleiten ihm (= Ironie, wenn der Arbeitgeber gekündigt hat)
- Seine Mitarbeiter schätzten ihn als umgänglichen Vorgesetzten (= Er achtete zuwenig auf deren Leistung)
- Wir lernten sie als umgängliche Kollegin kennen (= Sie war unbeliebt)
- Wir wünschen ihm für die Zukunft alles nur erdenklich Gute (=Ironie)
- Wir wünschen alles Gute, insbesondere auch Erfolg (= den er bei uns nicht hatte)
- Er stand stets voll (!) hinter uns (= Trunksucht)
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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