And the Oscar goes to… Vorgestern Nacht wurden in Los Angeles die Oscars vergeben. Bei der 8Oscar-Verleihung wurde “The King’s Speech” gleich mit vier Hauptoscars ausgezeichnet: Bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller. Auch den Goldenen Globe für den besten Hauptdarsteller hatte Collin Firth schon gewonnen.
Lieber einen neuen Beruf suchen?
Worum es mir aber eigentlich geht: Den Inhalt macht wirklich Mut! Der Film verarbeitet den Werdegang des britischen Königs Georg VI. vom von Selbstzweifeln geplagten Stotterer zum würdevollen Staatsoberhaupt, das Großbritannien und den ehemaligen Kolonien in der Zeit des Zweiten Weltkriegs Mut zusprechen musste.
Georg VI. litt seit frühester Kindheit an den Hänseleien, denen er durch sein Stottern ausgesetzt war: “Er sollte sich vielleicht einen neuen Beruf suchen!” rät Sprachtherapeuten Lionel Logue der späteren Queen Mum im Film.
Weg mit der Angst!
Solche Sprüche haben wir, ob wir nun stottern oder nicht, irgendwie alle schonmal gehört: “Lass das lieber sein, du kannst das nicht!” oder “Das schaffst du doch eh nicht” sind solch typische wohlmeinende Ratschläge. Und zwar immer von Leuten, die uns das, was wir tun wollen, eh nicht zutrauen.
Meiner Meinung fügen sich zu viele Leute genau in dieses Urteil und lassen sich fortan von Ihren Ängsten leiten, statt einfach das zu machen, was sie wollen. Mit anderen Worten: Sie resignieren einfach!
Über sich hinauswachsen
Georg VI. hatte Glück – denn er hatte keine Wahl. Als sein Bruder Edwart VIII. wegen einer unstandesgemäßen Beziehung auf den Thron verzichtete, wurde er König – öffentliche Auftritte inklusive. Und das hieß für den schüchternen Mann, dass er praktisch gezwungen wurde, seine Ängste zu überwinden.
Jetzt bin ich prinzipiell kein Fan des britischen Königshauses, aber ich finde, da zeigte der Film sehr schön in bewegten Bildern, dass auch zurückhaltende, unsichere Menschen, die an sich glauben, über sich hinauswachsen und viel erreichen können. Wenn man nur seine Angst überwindet!
“Weil ich etwas zu sagen habe!”
Oder wie Doreen Butze in Ihrer Rezension zu dem Film so treffend schreibt:
Wir leiden mit Bertie, als er bei einer Rede im Wembley-Stadion kein Wort herausbringt und fiebern mit wenn er seine Rede an die Nation hält, in der er bekannt gibt das sich England am zweiten Weltkrieg beteiligen wird.
In keiner Szene wird das, dass es in dem Film nicht nur um Stottern, sondern vor allem auch um das finden der eigenen, inneren Stimme geht: “Warum sollte ich meine Zeit damit vergeuden, Ihnen zu zuzuhören?” “Fragt Logue den König. “Weil ich etwas zu sagen habe!” sagt der König.
Mut auch für andere Stotterer
Übrigens hat der Film mittlerweile Kreise gezogen und macht auch anderen Stotterern Mut: Stotternde Teenager in den USA hoffen beispielsweise, dass der Film hilft, Vorurteile gegenüber dem Sprechleiden abzubauen. Denn die gibt es nach wie vor, wie dieser Bericht von Kulturzeit zeigt.
Und Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und selbst Stotterer, spricht im Interview über den mehrfach oscarnominierten Film und darüber, welchen Umgang er sich in der Öffentlichkeit mit Stotterern wünscht:
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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