Oft werde ich im Coaching mit den Vorbehalten konfrontiert, die viele Menschen gegen Macht haben: Dass Macht etwas Böses sei, etwas, das man ausnützen und missbrauchen würde – daher lässt man lieber die Finger davon.
Wer gestalten will, braucht Macht
Was viele Menschen nicht sehen: Um Einflussmöglichkeiten in einer sozialen Beziehung zu haben, um den eigenen Willen auch gegen Widerstreben anderer durchzusetzen, um die eigenen Interessen stärker zu gewichten als die anderer, rauchen wir Macht.
Wenn es darum geht, die Zukunft nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten und zum Lösen vieler anderer herausfordernde Aufgaben, braucht man persönliche Ressourcen und oft auch finanzielle, Beziehungen, Status, kurz: Macht.
Wissen ist Macht!
Oft führt der Weg zur Augenhöhe über das Wissen. Wissen ist Macht – nichts wissen macht nichts, sagt spöttisch der Volksmund. Das ist ganz offenbar ein Spruch der Machtlosen.
Deutungsmacht, Entscheidungsmacht, Handlungsmacht, Durchsetzungsmacht – wenn wir nicht Diktatoren, Despoten oder der Kaiser persönlich sind, braucht es dazu immer Wissen.
In die richtigen Leute investieren
Das wiederum alleine reicht aber nicht aus, wenn wir nicht in der Lage sind, uns und unser Wissen in mächtigen Beziehungsnetzwerken den “richtigen“ Leuten zugänglich zu machen.
Wer in diese investiert, „erntet in der Regel auch Rendite in Form von Zugang und Gelegenheiten“ schreibt Dagmar Deckstein in der SZ in ihrer Rezension des Buches „Die Fromel der Macht“ von Harald Katzmair und Harald Mahrer.
Ohnmacht macht nicht glücklich
Sie wollen sich gar nicht gegen Widerstreben anderer durchzusetzen? Sie empfinden das als Machtmissbrauch? Aber Ohnmacht ist meisten noch viel schlimmer,
im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Denn meistens wachen wir aus dieser
Ohnmacht eben nicht in den Armen eines Prinzen oder einer Prinzessin auf, sondern ärgern uns darüber, dass ausgerechnet wieder mal wir den Kürzeren gezogen haben, man uns nicht berücksichtigt hat, mal wieder die Blöden anderen bevorzugt wurden….
Wir entscheiden selbst!
Und daran sind oft eben nicht die anderen, die Umstände, das Leben als solches, die Konjunktur, die politische Großwetterlage oder ein chinesischer Schmetterling schuld, sondern ganz alleine wir.
Wir entscheiden selbst, ob wir uns Macht und Status erarbeiten wollen oder doch lieber als Dispositionsmasse hin- und herschieben lassen wollen. Und wir entscheiden auch selbst, wie wir Macht nutzen: Ausschließlich zu unserem eigenen Vorteil oder auch zu dem anderer. Zynisch und selbstgerecht oder als Mittel zur Problemlösung.
Was macht einen souveränen Lenker aus?
Am Anfang steht die Überlegung: Lieber den Bus auf dem Driver´s seat steuern, die Richtung und Geschwindigkeit bestimmen oder doch lieber in der letzten Reihe mitfahren? Was macht einen souveränen Lenker aus?
Ist es physische oder psychische Überlegenheit, mein Spezialwissen, meine hohe Organisationsfähigkeit, meine soziale Kompetenz?
Oder neige ich dazu Herrschaftsstrukturen auszunutzen und Angst bei den Unterworfenen zu erzeugen?
Erst wenn man diese Fragen für sich geklärt hat, kann man den zweiten Schritt angehen, um den es im nächsten Beitrag geht: Wie erreiche ich Macht oder wie wirke ich machtvoller?
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