Viele Menschen bauen vor. Und Frauen besonders gerne. “Kann aber sein, dass”, “Vielleicht besser nicht…” sind typische Phrasen, mit denen man seine Unsicherheit über das Gelingen eines Auftrages oder eines Projektes zum Ausdruck bringt.
Gerne zum Beispiel dann, wenn der Chef als Choleriker bekannt ist, der beim Kleinsten Fehler gerne ausflippt! Menschlich. Aber das falsche Signal!
Sympathisch, aber inkompetent
Um ehrlich zu sein, sind mir persönlich Menschen sympathischer, die lieber erstmal skeptisch sind, statt vollmundige Versprechungen zu machen – die sie dann hinterher doch nicht einhalten.
Das wirkt ehrlich und überlegt. Aber: Es kann auch nervös machen. Zum Beispiel den Chef, dem man ja seine Leistung eigentlich verkaufen will. Und um ehrlich zu sein: Besonders kompetent wirkt es nicht!
Was dahinter steckt
Wenn man genauer hinschaut, ist so eine Handlungsweise auch gleich weniger sympathisch:
Wer so handelt will sein Gegenüber schonmal warnen, für den Fall, dass es schief geht, damit er oder sie nicht sauer ist. Man erhofft sich, dass ist die konventionalisierte Haltung, eine Art Strafmilderung für den Fall, dass es tatsächlich schief geht.
Implizit steckt aber auch das dahinter: Angst. Nämlich vor dem eigenen Versagen. Und der Wunsch die Verantwortung dann auf den anderen abwälzen zu wollen. Nach dem Motto: “Du hast ja vorher gewusst, dass es schief gehen könnte. Ich habs dir ja gesagt!” Damit will man auch die (gedachte) negative Reaktion des anderen unter Kontrolle halten.
Warum klappt es nicht?
Ok. Bequem gedacht. Machen viele Leute gerne. Klappt aber nicht. Und zwar aus mehrere Gründen:
- Auch wenn man es seinem Kollegen oder Chef vorher gesagt hat, wollen die hinterher nichts davon wissen und sind trotzdem sauer
- Wenn man den Chef aber schon im Voraus darauf hinweist, dass es schief gehen könnte, wird er vielleicht misstrauisch – und vielleicht von vornerein sauer!
- Man kann das Verhalten von anderen nicht kontrollieren, egal was man anstellt!
- Vor allem untergräbt man so seine eigenen Kompetenzen. Der Chef denkt: “Traut der/die sich denn nichts zu? Was ist das denn für ein Waschlappen!”
- Und der andere wird wolmöglich noch sauer, z.B. wenn er ein cholerischer Typ ist, weil er gleich merkt, dass man ihn möglichst ruhig stellen will und sich bevormundet fühlt!
Das mit dem Vorbauen also besser lassen. Man weckt unter Umständen nur schlafende Hunde, der Nutzen ist gleich Null! Mehr Mut bitt!
Abhängig von der Situation
Natürlich hängt das immer auch vom Kontext ab: Es gibt Situationen, die so gravierend sind, dass es immer besser ist, mit dem Chef oder Auftraggeber vorher das Problem zu erörrtern. Aber ausschließen, dass etwas schief geht, kann man eben nie – ebensowenig wie hundertprozentige Kontrolle über die Reaktion des anderen gewinnen.
Und: Es soll auch Menschen geben, die es schätzen, wenn man vorher mit ihnen über ihre Unsicherheiten redet. Choleriker gehören aber nicht dazu!
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