Die Unsicherheit lässt Menschen mit Hang zum Perfektionismus übertrieben empfindlich auf Druck oder Kritik von außen reagieren, weswegen sie sich versuchen entsprechend abzuschotten und ihr Vertrauen in andere Menschen begrenzt ist. Und es führt dazu, das Perfektionisten möglichst alle Dinge im Griff haben wollen, da unkontrollierbare Ereignisse ihre Furcht vor un-perfekten Dingen nur verstärken.
Ursachen für Perfektionismus
Die Ursachen für die meist tiefsitzende Ängstlichkeit und das manchmal sogar zwanghafte Streben nach Perfektionismus liegen tief in der Kindheit: Wer als schon früh viel Lob erfährt, wird später auch eher selbstbewusst und optimistisch von sich denken. Wer jedoch häufig kritisiert wird, tendiert dazu, sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten negativer zu beurteilen, als es manchmal notwendig wäre.
Wer schon früh gelernt hat, dass er gelobt oder zumindest nicht bestraft wird, wenn er stets Höchstleistungen bringt, wird dieses Verhaltensmuster mit starker Tendenz zum Perfektionismus vermutlich beibehalten. Der kleine Max beispielsweise, der bislang in der Schule fast nur Fünfen in Mathematik geschrieben hat, schreibt plötzlich eine Drei. Eine deutliche Verbesserung.
Perfektionismus: Wenn aus Kritik negative Selbswahrnehmung wird
Max könnte nun von sich denken: “Hey super, das lernen hat etwas gebracht” und sich damit für seine Anstrengungen gedanklich belohnen. Doch sein Vater ist nicht zufrieden: “Da habe ich dir die teure Nachhilfe bezahlt und dann schreibst du wieder nur eine schlechte Note”, schimpft er.
Max denkt nun automatisch auch: “Mensch, bin ich blöd, dass ich nur eine Drei geschrieben habe.” Durch seine negative Selbstwahrnehmung schafft er sich negative Gefühle und bestraft sich dadurch selbst. Perfektionismus ist entstanden!
Perfektionismus bleibt auch im Erwachsenenalter erhalten!
Je älter er wird, desto unabhängiger wird Max vermutlich von der Meinung seines Vaters werden, weil er lernen wird, sich selbst zu bestrafen und belohnen. Aber die Auffassung, dass eine Drei immer noch nicht gut genug ist und damit der Perfektionismus, wird ihm vermutlich erhalten bleiben.
Denn auch wenn die negativen Selbstbewertungen anfangs noch die eigenen Erfahrungen wiedergeben: Verfestigen sich solche Denkmuster, so wird man sich auch dann negativ beurteilen, wenn die Wirklichkeit inzwischen weitaus positiver ist.
9. März 2010 um 06:02 Uhr
Hallo zusammen,
in meinem beruflichen Umfeld habe ich einen Kollegen, der Teilzeit arbeitet. Ich selber arbeite Vollzeit. Wir arbeiten gemeinsam in einem Team von vier Personen. Der besagte Kollege arbeitet sehr gewissenhaft und perfektionistisch. Er bereitet Themen vor, die Hand und Fuss haben; daran gibt es nichts zu rütteln; jedoch merke ich, dass dieser Perfektionismus bei ihm eine Art Unsicherheit überdeckt. Ich habe meine eigenen Arbeitsstil. Wie gehe ich mit einem solchen Menschen um? Wie lasse ich mich nicht stressen von seiner Arbeitsweise?
Gruss
TG
9. März 2010 um 08:45 Uhr
Hallo TG,
Ich kenne ihr Problem aus eigener Erfahrung – daraus entstand ja auch die Idee, dazu ein Buch zu schreiben.
M.E. sind das zwei Paar Schuhe: Man kann so jemandem vielleicht etwas die Unsicherheit nehmen, indem man ihm öfter mal ein positives Feedback gibt. Aber übertreiben sollte man es auch nicht, das wirkt schnell unglaubwürdig.
Eine anderes Sache ist, warum einen der Perfektionismus des anderen stresst: Weil man vielleicht selbst unsicher und ein wenig perfektionistisch ist? Dann kann man bei sich selbst anfangen und daran arbeiten. Denn: Oft stören uns ja bei anderen Leuten Dinge, die uns eigentlich auch an uns selbst stören.
Das sind wie gesagt nur Denkanstöße – ich bin weder Psychologe noch kenne ich die Einzelfälle persönlich.
Viele Grüße
Simone Janson