Jochen Mai hat in seiner Karrierebibel mal wieder was über Frauen in Führungspositionen gebloggt. Irgendwie scheint ihn das Thema schwer zu interessieren, jedenfalls lese ich in letzter Zeit bei ihm öfter etwas darüber. Naja, vielleicht steckt da auch die Hoffnung dahinter, mir ein paar provokannten Thesen eine Diskussion lostreten können. Ich muss Sie enttäuschen, Herr Mai, so neu ist das alles schon nicht mehr, dass Frauen selbst Schuld sind daran, dass Sie nicht in die Führungspositionen aufsteigen, weil sie das falsche wollen und tun und sich stets die falschen Jobs aussuchen. Man denke nur an Frau Bierach und ihr dämliches Geschlecht.
Bei der Aussage zu den Vorbildern gehe ich unbesehen mit, wie sollen sich denn auch junge Mädchen animmiert fühlen, Manager, Politiker oder Ingenieur zu werden, wenn der Traumberuf Popstar ungleich Sexy-er daherkommt? Aber dann – um mal ein paar Thesen von JM ein wenig überspitzt aufzugreifen:
- “Frauen achten mehr auf flexible Arbeitszeiten, auf Teilzeitarbeit als auf ihre Karriereaussichten” Ich habe, um ehrlich zu sein, nie verstanden, warum es besser für die Karriere ist, den ganzen Tag im Büro abzuhängen, den halben Tag davon vermutlich unproduktiv, statt sich nachweislich gut zu organisieren und den Tag auch noch mit anderen Dingen zuzubringen. Eigentlich sollte gut organisieren können doch ein wichtiger Karriefaktor sein – oder?
- “Frauen werden für gleiche Leistung nicht nur bis zu 26 Prozent schlechter bezahlt, sie ziehen sogar das Gehaltsniveau herab.” Sehe ich auch so, dass die Frauen selbst Schuld an ihrer Unterbezahlung sind. Und eben nicht, weil sie sich die schlechter bezahlten Jobs aussuchen, sondern weil sie tendenziell weniger fordern. Sieht man immer dann sehr schön, wenn man von Auftraggeber tatsächlich mehr fordert. Aber man kann es auch andersherum (stark pauschalisiert natürlich) sehen: Männer überschätzen sich gerne selbst und geben an, Frauen sind von Natur aus ein gutes Stück selbstkritischer und neigen eher zur Untertreibung. Das beste wäre da doch eigentlich der goldende Mittelweg, oder?
- “Dahinter steckt… oft unstrategisches Verhalten: Männer halten Informationen zurück oder setzen sie gezielt gegen Widersacher ein, um sich Vorteile zu sichern. Frauen pflegen lieber ihr Team und setzen sich für die Kollegen ein. Kurz: Männer mögen Machtspiele, Frauen ist das zu blöd.” Ich fürchte, es ist eher so, dass sich Frauen häufig derart strategisch verhalten (und zur weiblichen Strategie gehört es nunmal, erziehungsgemäß auch höflich zu bleiben), dass es keiner merkt jedenfalls nicht die Männer. Schließlich möchte die Frau doch eines: gut dastehen und ihren Willen durchsetzen. Machtspiele sind Frauen nicht zu blöd, sie spielen sie auch, nur viel subtiler. Was vielen Frauen allerdings zu blöd ist, ist das bei Männern mit den Machtspielen oft verbundene Imponiergehabe.und Geschwätz. Da denkt frau sich dann gerne “in der Zeit könnte man so viel Sinnvolles schaffen…”
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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9. Januar 2008 um 16:56 Uhr
Liebe Frau Janson,
Barbara Bierach war man meine Kollegin bei der Wiwo. Ich kenne sie persönlich und natürlich auch ihr Buch (die anderen beiden übrigens auch). Aber das nur vorweg. Aber die Sache mit dem Trackback wundert mich… Aber zum Thema:
Da scheint mir ja genau gelungen zu sein, was Sie mir unterstellten: Sie diskutieren bereits die (alten) Thesen – und bestätigen obendrein eindrucksvoll ihre Richtigkeit. Ja, tatsächlich:
Sich organisieren zu können und anwesend zu sein, sind zunächst einmal zwei Paar Schuhe. Ich bin sehr gut organisiert (da können sie meine leidgeprüften Mitarbeiter fragen) und häufig lange anwesend. Allerdings ist Letzteres Voraussetzung, um ein internes Netzwerk zu knüpfen und vom Chef regelmäßig in Konferenzen gesehen und gehört zu werden. Beides nachweislich wichtige Beförderungshelfer. Sie sagen, Sie haben das nie verstanden… et voilà, was soll noch dazu sagen?!
Punkt 2: Frauen seien bei Gehaltsforderungen realistischer. Wunderbar – meine Gratulation zu soviel Realismus. Aber was haben Sie davon? 26 Prozent weniger Gehalt. Bravo! Männer setzen sich da lieber mehr in Szene und bekommen prompt Geld. Was kaufen Sie sich von der Moral???
Und zum Schluss: Frauen spielen subtiler. Ja, das höre ich immer wieder – auch bei Witzen, die nicht zünden (“Der war eben subtil…”). Der Witz beim Machtspiel ist nicht, dass es keiner mitbekommt, sondern das Gegenteil. Und das schließt mit ein, dass man auch mal nicht so gut ankommt und einen nicht alle lieben. Wie war das: Nette Mädchen kommen in den Himmel…?!
9. Januar 2008 um 17:48 Uhr
Herr Mai,
) Allerdings wollte ich zum Weiterdenken einzelner Aspekte anregen… Klar ist es für die Frau eher nachteilig, bei Gehaltsforderungen bescheiden zu sein – aber ist deshalb das männliche Verhalten (falls man das so pauschal sagen kann, ich kenne da auch Gegenbeispiele) das Maß aller Dinge oder gibt es noch andere Wege?
es war ja auch nicht meine Absicht, Ihre Thesen zu wiederlegen, wie gesagt, teilweise stimme ich Ihnen voll und ganz zu (das war jetzt subtil…
Bei der Sache mit den Machtspielchen habe ich mich unklar ausgedrückt: Das weibliche Vorgehen dabei finde ich keinesfalls positiv. Ich finde nur dieses Klischee von der armen Frau, die keine Macht mag, langsam langweilig.
Nun aber zu meinem Lieblingsthema:-) Klar besteht der Witz bei der Anwesenheit im Büro darin, einfach da zu sein, sich mit dem Chef gutzustellen, Networking zu betreiben und so funktioniert dann auch Karriere. Nur: Ist es sinnvoll, dass es so ist? Wenn ich mir Studien angucke, die hervorbringen, dass die Deutsch pro Jahr 32,2 Arbeitstage unproduktiv verschwenden, bin ich mir da nicht so sicher. Oder muss ich im Umkehrschluss aus Ihrer Argumentation ableiten, dass, um es betont platt zu sagen, ins Büro gegangen wird um Kaffee zu trinken und Schwätzchen zu halten?