Ich habe, um ehrlich zu sein, immer bezweifelt, dass man über Stellenanzeigen wirklich einen Job finden kann: Abgesehen davon, dass viele Stellenanzeigen zu Werbezwecken ausgeschrieben werden und die betreffende Stelle nicht wirklich vakant ist, sind die meisten Stellenanzeigen derart wohlklingend formuliert, dass man sich unter der ausgeschriebenen Position alles und nichts vorstellen kann. Und auch die erforderlichen Qulifikationen sind alles andere als eindeutig: Teamfähig, aber dennoch durchsetzungsfähig, jung und b/willig, aber dennoch mit Berufserfahrung soll man sein – die eierlegende Wollmilschsau sozusagen. Nun gibt mir eine aktuelle Umfrage von stellenanzeigen.de und des eco Verbands der Internetwirtschaft e.V. recht:
Die Mehrheit der Recruiting-Experten in Deutschland findet die Qualität von Grafik und Texten in Online-Stellenanzeigen nur „befriedigend“. Die durchschnittliche Qualität von Texten der in Deutschland veröffentlichten Online-Stellenanzeigen bewerteten nur 10 Prozent als „sehr gut bis gut“. Eine große Mehrheit von 55 Prozent sieht sie als „befriedigend“ an, 26 Prozent als „mäßig“ oder „mangelhaft“. Die Güte der Grafik und Bilder schätzten immerhin 17 Prozent als „sehr gut bis gut“ ein, 54 Prozent fand sie „befriedigend“ und 21 Prozent „mäßig“.
Die Umfrage lief im April online auf der Seite des Arbeitskreises E-Recruiting im eco Verband, parallel dazu wurde sie von stellenanzeigen.de auf der Messe Personal 2008 in Stuttgart durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 100 Recruiting-Experten. Den aktuellen Stellenwert von Online-Stellenanzeigen stuften die meisten Teilnehmer als hoch ein. 62 Prozent stimmten dem Statement ohne Einschränkung zu „Online-Stellenanzeigen spielen 2008 eine zentrale Rolle für unser Recruiting/Personalmarketing.“ 29 Prozent hielten die Aussage für zum Teil richtig.
Allerdings waren die befragten nicht ganz objektiv: Sowohl beim Thema Grafik und Bilder als auch bei den Texten zeigten sich erhebliche Differenzen zwischen der Bewertung der durchschnittlichen Qualität im Allgemeinen und der von Online-Stellenanzeigen des eigenen Unternehmens. So bewerteten immerhin 36 Prozent der Teilnehmer die Qualität der Texte in den eigenen Anzeigen als „sehr gut bis gut“ (gegenüber nur 10 Prozent für Anzeigen im Allgemeinen), bei der Grafik waren es 38 Prozent (gegenüber 17 Prozent für Anzeigen im Allgemeinen).
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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27. Mai 2008 um 14:21 Uhr
Hallo Simone,
über diese seltsame Umfrage haben Thorsten (www.blogaboutjob.de/recruiting/das-alte-leid-mit-den-stellenanzeigen/) und ich (www.bewerberblog.de/?p=653) uns auch schon ausgelassen.
LG, Jeanette
27. Juni 2008 um 15:36 Uhr
hallo,
ich habe mich selbst schon durch Online-Stellenanzeigen durchgekämpft und fündig geworden. So habe ich auch im Süden der Republik arbeiten dürfen.
Oft schreiben die AG, aber meistens sind es beauftragte Agenturen oder das Arbeitsamt, welche solche Stellenanzeigen viel zu unglaubwürdig machen.
Wenn man vor Ort ist und mit dem Job anfängt, wird einem klar, was in Wirklichkeit hinter der Bewerbung steckt.
Grüsse…