Erfolg wird häufig als Sache des Willens gesehen – wer nur feste an sich glaubt, wird schon Erfolg haben. Dazu gehört auch, dass man hohe Ziele hat – denn wie soll sich Erfolg einstellen, wenn man ihn gar nicht im Blick hat?
Instant-Erfolg gibt es nicht
Auch wenn ich kein Freund esoterischer NLP-Logik bin, nach dem Motto “Du musst nur an dich Glauben, dann wird das schon was mit dem Erfolg” – etwas Wahres ist dran: Wer sich nichts vornimmt, versucht es erst gar nicht – und dann wird es nie was mit den großen Zielen.
Was allerdings gerne dabei vergessen wird: Die gute Absicht alleine reicht nicht – man muss auch etwas dafür tun dass es klappt. Zum Beispiel vor der Bewerbung Informationen einholen, Kontakte aufbauen usw. Dafür braucht man viel Geduld. Dennoch erwarten viele Jobsuchende den Instant-Erfolg.
Networking statt Absagen zählen
„Schon wieder!“ denkt Miram, als sie ihre zurückgeschickten Bewerbungsunterlagen aus dem Briefkasten holte. Es ist nicht das erste mal, Miriam hat aufgehört, die Absagen zu zählen. Dabei ist Sylvia kein unbeschriebens Blatt: Berufsausbildung und Studium, Führungsaufgaben, erstklassige Beurteilungen im Arbeitszeugnis. Nur leider musst ihr letzter Arbeitgeber Insolvenz anmelden.
Was Sylvia allerdings nicht hat, ist ein großes Netzwerk. Ihr fehlen schlicht Leute, die sie auf freie Stellen aufmerksam machen oder sie potentiellen Arbeitgebern empfehlen würden. Die Notwendigkeit hat Miriam nicht eingesehen, schließlich hatte sie einen guten Job und wurde ja für gute Leistung bezahlt – nicht für Kontakte. Und jetzt hat sie einfach Pech.
Nicht einfach nur Pech
So einfach ist das mit dem Pech aber nicht, wie Karrierecoach Svenja Hofert erklärt: „Man kann in seinem Job noch so gut sein – wer es nicht schafft, Empfehlungen auszulösen, wird mit Sicherheit scheitern.“ Denn nach einer Studie von IBM kommt es im Job nur zu 10 Prozent auf die eigene Leistung an. 30 Prozent sind Image – und ganze 60 Prozent sind dem Bekanntheitsgrad zu verdanken.
Hofert hat zahlreiche Bücher über neue Bewerbungsformen geschrieben, u.a. “Das Karrieremacherbuch” Sie stellt fest: „ Bevor man von anderen etwas erwarten kann, muss man sich bei denjenigen positiv verankert haben. Viele Jobsuchende haben da aber eine falsche Erwartungshaltung. Alles sofort klappen, alle Bemühungen müssen sich schnell rentieren. Instant-Erfolg sozusagen. Wer sich einen Namen machen will, braucht aber oft viele Jahre.“
Nur kein Dampfplauderer
Allerdings, so räumt die Autorin ein, ist Networking ohne entsprechende Leistung langfristig genauso wenig erfolgversprechend: „Wer einfach nur gut ist, wird nicht wahrgenommen. Umgekehrt gilt: Wer nur gute Kontakte hat, wird vielleicht anfangs empfohlen, später jedoch nicht mehr, wenn sich die schlechten Leistungen herumsprechen. Beide Faktoren spielen zusammen.“
Wie hält die Karriereexpertin es selbst mit den Empfehlungen? „Mein Prinzip, dem auch die meisten meiner Kollegen folgen: Ich empfehle entweder, was ich selbst kenne und schätze oder was andere aus meinem Netzwerk empfehlen. Ich muss jemanden selbst kennen oder aber einen Eindruck von anderen vermittelt bekommen haben.“
Dieser Artikel erschien auch bei RP-ONLINE: www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Unbekannt-und-aussortiert_aid_957772.html
1. Februar 2011 um 20:14 Uhr
Man braucht da schon ein wirklich gutes Netzwerk, flüchtige Bekannte werden sich sicher eine Empfehlung verkneifen. Ich würde ja auch nur Leute Empfehlen, deren Leistungsbereitschaft ich wirklich kenne.
Jemanden nur aus Gutmütigkeit empfehlen kann schnell nach hinten losgehen.
1. Februar 2011 um 20:41 Uhr
Hallo Rainer,
danke für den Hinweis. Ja, das ist die andere Seite der Medallie: So ein Netzwerk ist eben nur bedingt steuerbar. Das ist auch das, was m.E. für viele unbefriedigend daran ist. Tatsache ist aber das, was Frau Hofert sagt: Instant-Erfolg gibt es eben nicht, es braucht viele Jahre, bis man Erfolge sieht. Und man kann seine Reputation in wenigen Minuten zerstören.
1. Februar 2011 um 23:15 Uhr
Wer auf Netzwerke und Empfehlungen setzt, bewirbt sich öffentlich vor einem unsichtbaren Publikum. Seilschaften und Freundschaften sind die berühmte Ausnahme. In diesem Fall zählen gemeinsame Interessen und Zuwendungen.
Beim Bekanntheitsgrad in der IBM Studie ist gemeint, dass der eigene Name in der Branche als Experte bekannt und positiv besetzt ist. Wenn das so ist, kann ein Jobsuchender die Entscheider der Wettbewerber anrufen und sich direkt vorstellen.
2. Februar 2011 um 11:01 Uhr
Naja, so unsichtbar ist das Publikum nicht – im Zweifelsfall ist der Adressat der Bewerbung genau so öffentlich, wie dieses Beispiel zeigt: www.berufebilder.de/journalist-blogger-autor/text/mit-frecher-bewerbung-zum-traumjob-erfolg-als-social-media-freak/
“Beim Bekanntheitsgrad in der IBM Studie ist gemeint, dass der eigene Name in der Branche als Experte bekannt und positiv besetzt ist.” – richtig, etwas anderes habe ich aber auch nicht gemeint. Sicher muss man dieses Ziel erstmal erreichen, aber, das sagt ja Frau Hofert auch so schön: Es ist eben viel Arbeit.
Und wer hat gesagt, dass es einfach ist?
2. Februar 2011 um 12:18 Uhr
Eine Schwalbe macht keinen Sommer und ein Beispiel keinen Trend. Es gibt auch Autoren, wie zum Beispiel Marcus Schmidt, die Social Media Aktivitäten für einen Arbeitnehmer eher skeptisch bewerten.
Eine Bewerbung ist das Angebot für eine Einkaufs- und Verkaufsverhandlung. Eventuell ist ein erfolgloser Bewerber bei einem erfolgreichen Salesman besser aufgehoben, als bei einem Karriere-Coach.
2. Februar 2011 um 15:44 Uhr
Hallo Zorem,
sicher, man kann da auch kritisch sein. Das ist meist immer eine Frage, welche Erfahrungen der jeweilige Autor selbst mit einer Methode gemacht hat. Jedem das seine. Die Idee mit dem “Unterricht beim Verkaufstrainer” ist allerdings interessant!
3. Februar 2011 um 09:29 Uhr
nebenbei Bemerkt: Es gibt auch deutlich mehr als ein Beispiel.