Prognosen gehen bekanntlich gerne in die Hose. Woher soll man also heute wissen, welcher Job morgen noch gebrauch wird? Gestern habe ich einer Diskussion auf der Webinale beigewohnt. Eine Meinung, bei der sich alle Diskutanten einig waren: Die Entwicklung der letzten Jahre ging so rapide, wie sich das niemand vor 10 Jahren vorstellen konnte. Jede Ausbildung, die wir vor 10 Jahren gemacht habe oder hätten, ohne dazu zu lernen, wäre heute wertlos.
Dementsprechend war ich skeptisch, als mich meine Redakteurin für RP-ONLINE bat, einen Artikel über krisensichere Jobs zu schreiben. Denn, so fragte ich mich: Geht das überhaupt? Macht es also überhaupt Sinn, voraussagen zu wollen, welche Berufe in Zukunft noch gebraucht werden? Und welche Methoden gibt es da?
Zukunftsforschung
Zukunftsforscher wie Dr. Eike Wenzel versuchen beispielsweise, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu beschreiben – so sagt er im Interview mit mir: “Wir schauen was heute passiert, denken darüber nach, machen Studien und Befragungen. Wir identifizieren also Phänomene und versuchen, diese zu erklären. Am Ende versuchen wir daraus zu analysieren, wie sich die Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren weiterentwickeln wird. Daneben machen wir auch Aussagen zu den langfristigen großen Trends, sogenannten Megatrends, die in den nächsten 40-50 Jahren wichtig werden.” erklärt Wenzel, Autor und Consult am Zukunftsinstitut seine Methode.
Einige Branchen hätten dabei ganz klar die Nase vorn: In den kommenden Jahren sieht Wenzel gute Möglichkeiten z.B. in der Ökologie, im Gesundheits- und Fitnessbereich oder in der Informationstechnologie. Aber auch im alternativen Tourismus oder sogar im Kulturbereich liegen für Wenzel gute langfristig gesehen Berufschancen: “In unserer Gesellschaft findet gerade ein grundlegender Wandel statt: Immer weniger Menschen wollen billige Angebote von der Stange konsumieren, sondern suchen bewusste, individuelle Erfahrungen und sind dafür auch bereit viel Geld auszugeben.”
Gehaltsstudien für kurzfristige Prognosen
Wer es gerne etwas konkreter hätte und wem ein Ausblick für die nächsten zwei bis drei Jahre reicht, kann sich Studien zu den Einstiegsgehältern von Hochschulabsolventen anschauen, wie sie etwa die Stuttgarter Personalvermittlung und Karriereberatung alma mater, die auf akademische Nachwuchskräfte spezialisiert ist, herausgibt.
Denn Spitzengehälter sind ein gute Indikator für die Entwicklung der nächsten Jahre – gerade bei Absolventen, die frisch von der Uni kommen und nach wie vor die größten Probleme haben, überhaupt eine Stelle zu finden. In Branchen, in denen Berufseinsteiger überdurchschnittlich bezahlt werden, herrscht auch eine hohe Nachfrage – und die Arbeitsplatzsicherheit in den nächsten Jahren ist garantiert.
Welche Branchen zahlen derzeit gut?
So zeigt die Studie von alma mater, dass beispielsweise in der Chemie- und Pharmabranche Bruttoeinkommen von über 43.000 € pro Jahr möglich sind. Lieferanten von Öl, Gas, Wasser und Strom zahlen Berufseinsteigern mit Hochschulabschluss unabhängig vom Funktionsbereich im Durchschnitt 41.611 € jährlich. Nur knapp darunter liegen die Einstiegsgehälter in der Branche Elektro-, Nachrichten- und Feinwerktechnik. Platz drei geht an Berufseinsteiger im Bank- und Finanzwesen sowie Versicherungen und Finanzen. Diese verdienen in den ersten Jahren schon knapp fünf Prozent mehr als der Durchschnitt.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die Branchen Medien, sonstige Dienstleistungen, der öffentliche Dienst sowie die Zeitarbeitsbranche. In den Medien müssen Absolventen sogar mit bis zu elf Prozent weniger Gehalt rechnen als ihre ehemaligen Kommilitonen. Zumindest kurzfristig sieht es im Kulturbereich also eher mau aus mit guten Berufsperspektiven.
Sichere Zukunft als Auslaufmodell
Dennoch: Die Denke mit den sicheren Branchen der Zukunft ist ein Auslaufmodell. Wie eingangs bereits festgestellt, wird lebenslanges Lernen immer wichtiger, weil die Entwicklung immer schneller voranschreitet. Dementsprechend absurd mutet das bislang in Deutschland herrschende Berufswahl-System an: Eine Ausbildung machen und diesen Job ein Leben lang beibehalten.
Tatsache ist aber, dass diese Haltung, allen Veränderungen zum Trotz, noch fest in den Köpfen verankert ist (das zeigt schon der Wunsch meiner Redakteurin nach eben einer solchen Schema-F-Lösung). Auch Karriereexpertin Svenja Hofert beklagte kürzlich in einem Artikel für das Hamburger Abendblatt, dass einem in Deutschland berufliche Veränderungen ab 35 wirklich schwer gemacht werden.?
Spaß als Arbeitsprinzip der Zukunft?
Warum also nicht einfach geich tun, worauf man Lust hat, das Leben genießen und mit Spaß an der Freude kreativ sein. Das klingt, wie die Französin Marie im Interview sagt, nicht besonders verantwortungsbewusst und könnte doch das Abeitsmodell der Zukunft sein. Denn wer so lebt, faulenzt nicht einfach in den Tag hinein, sondern entwickelt auch neue Ideen – wie der Journalist in Svenja Hoferts Artikel, der mit 40 noch ein Informatikstudium anfängt.
Denn nur mit dieser Bereitschaft, lebenslang zu lernen, wird man auch für zukünftige Entwicklungen gewappnet sein.
Übrigens: meinen Artikel bei RP-ONLINE zum Thema gibt es übrigens hier: www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Hier-gibt-es-die-Jobs-mit-Zukunft_aid_863622.html

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