Berufebilder by Simone Janson

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Job- & Personalsuche » Arbeitsmarkt & Arbeitgeber » Fachkräftemangel vs. Employer Branding:
Lügen haben kurze Beine!

Lügen haben kurze Beine

Die Diskussion im Fachkräftemangel ist noch in vollem Gange und noch immer ist nicht klar: Gibts ihn nun oder nicht? Klar ist für mich nur Eines: Wäre Personal-Marketing mehr Personalsuche als Marketing, dann gäbe es diese Disussion wahrscheinlich gar nicht.

Gestern hat Thorsten einen ziemlich guten, ausführlichen Artikel zum Thema Fachkräftemangel gepostet. Gut vor allem deswegen, weil er sich darin bemüht, das Thema differenziert zu betrachten und auch die Arbeitgeberseite zur berücksichtigen. Finde ich gut, auch wenn ich seine Meinung nicht teile – meinen entsprechenden Kommentar mit ein paar Links dazu hat Thorsten leider noch nicht freigegeben.

Thorsten macht auch klar, dass für viele Unternehmen eben kein höheres Honorar drin ist und das man eben lieber monatelang weiter sucht, weil man sich so jemand teueren eben nicht leisten kann:

Auch wenn so manches Unternehmen auf Grund von Standort- oder Arbeitgeberattraktivität mehr zahlen muß als gewollt, so gibt es oftmals eben nicht den Lohn, den sich so Mancher erträumt, nur weil das Unternehmen schon seit 6 Monaten sucht. Viele der Unternehmen können schlichtweg nicht mehr zahlen. Da ist man am Ende der Fahnenstange schon längst angelangt. Ich habe selber einige Pokerrunden erlebt, wo junge, hochqualifizierte Ingenieure am Verhandlungstisch saßen und erstaunt waren, dass der potentielle Arbeitgeber irgendwann sagte verzichten zu müssen und lieber weitersuche.

Unternehmen müssen egoistisch sein – aber..

Aus unternehmerischer Sicht als Selbständige kann ich das völlig verstehen: Ein Unternehmen ist eben keine Wohlfahrtsorganisation, dass es seinen Mitarbeiter mit unbefristeten Arbeitsverträgen und sozialer Absicherung Gutes tut, sondern muss an erster Linie an sein eigenes Fortkommen denken. Das ist richtig. Wenn das Unternehmen intelligent ist, denkt es dabei auch an seine Mitarbeiter, behandelt diese gut und profitiert andersherum auch von deren Innovation und Motivation

Weniger intelligente Unternehmen behandeln ihre Mitarbeiter schlecht, wie Deppen und unmündige Kinder – und wundern sich dann, dass diese nicht so funktionieren, wie erwartet. Und das fängt oft schon vor der Einstellung an!

Schlechtes Employer Branding

Denn Unternehmen suchen heute nicht einfach nur nach Personal, sie wollen sich als Arbeitgebermarke präsentieren, um die besten Kandidaten anzulocken. Marketing also, oft auch völlig ineffizient und sinnbefreit (wie aktuell das Beispiel Telekom zeigt), und das bedeutet vor allem auch eines: Man macht sich hübscher, als man ist.

Für Marketingleute (für die PR-Branche gilt das übrigens auch) gehört dieses Aufhübschen zum Alltagsgeschäft und es fällt schon gar nicht mehr auf, ja so mancher rät einfach dazu, gar nichts mehr zu glauben. Das wird schnell zynisch und man ist dann völlig irritiert, wenn die Leute dann das tun, was das Ziel der Marketing-Aktion war: Sie glauben einem.

Wie blöd sind die denn?

Genau da liegt das Problem: Die potentiellen Arbeitnehmer nehmen das Personal-Marketing-Gedröhne einfach wörtlich. Nur weil Unternehmen sich bei Twitter oder Facebook Super-Hipp präsentieren, sind sie in Wirklichkeit noch genau so konservativ. Ja wie blöd sind potentiellen Bewerber eigentlich, dass sie glauben es sei anders?

Und so ist das auch beim Fachkräftemangel: Mangel heißt im Marketingjargon offenbar nichts anderes, als “Wir haben Angst, dass wir nicht die besten Bewerber finden”. Heerschaaren von idealistischen Abiturienten und Studenten glauben hingegen, mit ihrem Abschluss einen sicheren, gut bezahlten Job zu bekommen – und schauen hinterher irritiert in die Röhre.

Wie es in den Wald hineinschallt…

Muss man sich da wirklich wundern, wenn sich der Frust hinterher in verschiedenen Foren, auf Seiten von Zeitung oder Blogs wie diesem hier entlädt. Doch auch auf Unternehmensseite gibt es Frust: Personalmarketing bedeutet eben nicht, Bewerbern einfach ein Produkt aufzuschwatzen und diese dann auf Nimmerwiedersehen ihrer Wege ziehen zu lassen (so wie sich offenbar noch viele Unternehmen den Verkauf vorstellen.

Nein, viel mehr muss man mit den Leuten, so sie denn auch Mitarbeiter werden, zukünftig auch leben. Und wie soll das gehen mit Bewerbern und Mitarbeitern, die völlig falsche Vorstellungen von ihrem potentiellen Job haben und enttäuscht sind, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden?  Und die dann ihren Job unmotiviert und unzufrieden verrichten und so bestimmt keine guten Leistungen erbringen?

Ehrlich währt am längsten

Wäre es nicht von Anfang an besser, den Leuten ein realistischeres, weil ehrlicheres Bild aufzuzeigen? Eines, mit dem sie dann wissen, was im Unternehmen auf sie zukommt? So dass wir uns in Zukunft solche Diskussionen einfach sparen können?

Oder ist es doch so, dass Unternehmen potentielle Mitarbeiter lieber verarschen und umgekehrt das gleiche von ihren Bewerbern erwarten, wie ich hier mal in einem heftig diskutierten Post schrieb?

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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6 Kommentare

  1. Hallo,

    ein großes Kompliment für den Artikel. Sie schildern die Situation, wie viele von uns es in Deutschland kennenlernen mußten. Vielen bleibt da nur der Weg in Nachbarländer zu Firmen, die ihre Mitarbeiter wie Menschen behandeln.

    Viele Grüße

    Karen

  2. Simone Janson

    Hallo Karen,
    dabei ist das eigentlich an die Personaler adressiert – ein Plädoyer für ein ehrlicheres Personalmarketing sozusagen.
    Was ich beim letzten Beitrag noch wissen wollte: Haben Sie einen Link zu dem, was die ausländische Presse über das absurde Thema schreibt?
    Danke
    SJ

  3. Hallo,

    das Zitat stand im Firmen-Intranet. Ich versuche den Link zu bekommen. Kann ein wenig dauern. Zur Zeit bin ich temporär nach Finnland, Rovaniemi,
    versetzt. Kalt und düster.

    Viele Grüße

    Karen

  4. Simone Janson

    Hallo Karen, danke für die Hilfe.
    Ich würde auch mal gerne was drüber schreiben, dass das Ausland über uns lacht… sowas als Argument kommt immer gut, denke ich.
    Zum Trost: Hier war es gestern auch so kalt, dass ich Kopfschmerzen bekam und geschneit hat es auch. Nur gibt es hier noch ein paar Stunden am Tag Tageslicht…
    Trotzdem einen schöne Zeit da.

    Simone Janson

  5. Hallo,

    gerade habe ich im Internet einen Artikel gelesen, dass die Zuwanderung von Arbeitskräften freigegeben werden soll. Damit haben die Absolventen der Hochschulen keine Chance auf einen Berufseintritt. Ich verstehe die Politik in Deutschland überhaupt nicht mehr. Gott sei Dank ist dies nicht mehr mein Problem.

    www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fachkraeftemangel-regierung-lockt-auslaender-in-deutschen-arbeitsmarkt;2703869

    Viele Grüße aus Rovaniemi (ist zwar kalt, aber sehr nette Kollegen)

    Karen

  6. Simone Janson

    Hallo Karen,
    das wiederum ist gerade in Deutschland momentan ein sehr heikles Thema. Grund: Sarrazin. Der hat mich persönlich auch derartig auf die Palme gebracht, dass ich zu dem Thema Zuwanderung eigentlich gar nichts sagen möchte.
    Ich nehme an, solche Meinungen/Politik haben einen ähnlichen Hintergrund.
    Gruß aus dem verschneiten Berlin

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