Berufebilder by Simone Janson

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Existenzgründung » Ideenbörse & Marketing » Interview mit Gaby Neujahr, verantwortlich für den Social Media Bereich von OTTO:
"Mit Mut zur Selbstironie attraktiver Arbeitgeber werden!"

Seit 1. Januar gibt es das Karriereportal www.ottogroup-karriere.com, das alle Social Media-Kanäle (Twitter, facebook, YouTube usw.) von OTTO bündelt, als neue zentrale Anlaufstelle für Karriere/Job/Bewerbung bei OTTO! Ungewöhnliche Videos sollen die Site nun bekannter machen. Ein Gespräch über den Sinn der Kampagne.


Gaby Neujahr ist aktuell für den Aufbau des Bereiches Social Media bei OTTO verantwortlich. Sie leitete seit Ende 2006 die Interne Kommunikation von OTTO. Zuvor war sie freie Journalistin und baute von 2001 bis 2005 für die Konrad Adenauer Stiftung im südlichen Afrika ein Medienprogramm auf. Nach Abschluss des Studiums der Sozialarbeit arbeitete Neujahr zunächst im Öffentlichen Dienst und studierte nebenher internationale Politik und Philosophie. Neujahr übernahm 1990 die Ressortleitung „International“ beim Fachmagazin „w&v“ und wechselte ca. drei Jahre später in das Auslandsressort des Nachrichtenmagazins „Focus“. Von 2000 bis 2001 berichtete sie als EU-Korrespondentin für das Frauenmagazin „Vivian“ aus Brüssel.

Frau Neujahr, OTTO bewirbt das neue Karriereportal mit einer Videoserie. In einem rennen zwei Männer wie verrückt durch das Haus, im aktuellsten Clip wird gefurzt und gerülpst. Im allerersten Video Ihrer Serie musste ein Bewerber erst ein Bewerbungsgespräch im freien Fall führen und wurde dann am Ende von einem Dinosaurier gefressen. Glauben Sie, dass das Bewerber positiv anspricht?

Bewerber werden bei OTTO natürlich nicht von einem Dinosaurier gefressen! Es handelt sich hierbei um die überspitzte, selbstironische Darstellung einer eigentlich ganz typischen Arbeitsweltsituation – zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch oder die Fahrt mit einem Aufzug – in diesem Fall eben eines der etwas anderen Art.

Steht hinter diesen Videos auch eine Aussage oder ging es nur darum, möglichst hipp und orginell zu sein, um Aufsehen zu erregen?

Natürlich steht eine Aussage dahinter – Beispielsweise das Dino-Video: Entsprechend der Natur eines Virals soll der Dino bewusst mit der Konvention brechen, indem er im wahrsten Sinne des Wortes „headhuntet“. Über überraschende Momente wie diese hofft OTTO zum Gespräch über den Spot anregen zu können. Dies scheint – wie die Reaktionen zeigen – auch gelungen zu sein.

Und wer hat sich die Videos ausgedacht?

Auftraggeber der Spots sind die Bereiche Wirtschaftspolitik und Kommunikation sowie das Personalmarketing von OTTO. Die Umsetzung erfolgte durch die Maloma Film und Medien Produktions GmbH.

Stichwort “typische Arbeitsweltsituation”: Welchen Bezug haben denn die Videos zum Unternehmensalltag bei OTTO?

Insgesamt sind etwa 80 Prozent aller Darsteller in den Videos OTTO-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Denn die Mitarbeiter sind das wichtigste Gut und der prägende Kern von OTTO; sie machen das Unternehmen erst zu dem, was es ist und stehen deshalb stehen im Mittelpunkt der Videos-Reihe. Im Spot „Fliegendes Vorstellungsgespräch“ spielt beispielsweise Michael Picard, Direktor OTTO Personal, den Recruiter, der während eines Wingsuit-Sprungs einen Bewerber interviewt.

Wie haben Sie denn Ihre Mitarbeiter dazu motiviert, in diesen Videos mitzuspielen – vermutlich außerhalb der regulären Arbeitszeiten?

Die Mitarbeiter zum Mitmachen zu motivieren, war nicht nötig. Sie alle identifizieren sich mit dem Unternehmen und genossen sichtlich die Gelegenheit, über die Spots OTTOs Außenwahrnehmung mitzugestalten. Mit Begeisterung und Neugier agierten sie vor der Kamera – die meisten von ihnen das erste Mal überhaupt.

Würde nicht jedes Unternehmen von sich behaupten, die Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Unternehmen? Warum soll das ausgerechnet bei OTTO wirklich so sein?

In den Spots der Reihe „OTTO – anders als du denkst“ zeigt sich OTTO als offenes und transparentes Familienunternehmen mit Mut zur Selbstironie und der Fähigkeit, auch mal über sich selbst zu lachen. Damit streckt OTTO am Unternehmen Interessierten sowie Bewerbern die Hand entgegen und lädt sie zum Dialog auf Augenhöhe ein.

Warum glauben Sie, dass Otto so eine Kampagne überhaupt braucht – haben Sie nicht genug Bewerber?

Der Wettbewerb um geeignete Mitarbeiter nimmt spürbar zu. In dieser Konkurrenzsituation wird es für Unternehmen zunehmend wichtiger, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. Mit dieser Kampagne unterstreicht OTTO zudem seinen Fokus auf innovative und moderne Kommunikationskanäle.

Halten Sie Ihre Jobangebote nicht auch ohne eine solche Kampagne für interessant genug?

Mit diesen Spots betonen wir OTTOs Ruf als inspirierendes und zukunftweisendes Unternehmen und stärken sie die Position des Multichannel-Einzelhändlers als attraktiver Arbeitgeber. OTTO legt außerdem großen Wert auf eine adressatengerechte Ansprache. Die Kernzielgruppe der 18 bis 35-Jährigen (Schüler, Studenten, Absolventen, Young Professionals, Professionals), die sich zunehmend in Social Media bewegt, möchte OTTO auch genau dort erreichen – beispielsweise mit einer eigenen Facebook-Fanpage, diversen Twitteraccounts und dem Modeblog „Two for Fashion“. Mit Virals nutzt das Unternehmen eine weiteres Instrument, aktiv in den Dialog mit der Kernzielgruppe zu treten.

Unter Personalern wurde Ihre Kampagne bereits heftig diskutiert – so z.B. auf Blogaboutjob. Wie reagieren Sie auf die Kritik?

Mit der Kampagne hat OTTO einen neuen, ungewöhnlichen und innovativen Weg gewählt, um auf sich als Unternehmen aufmerksam zu machen. OTTO zeigt Mut zur Selbstironie, d.h. das Unternehmen nimmt sich selbst auf die Schippe. Das ruft naturgemäß die unterschiedlichsten Reaktionen in der Social Media-Community hervor. Die Diskussionen im Netz beobachtet OTTO dabei sehr genau. Kritik wird selbstverständlich registriert und fließt in die Social Media-Strategie mit ein.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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