Berufebilder by Simone Janson

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Objektiv oder geschickte Produktwerbung?

Wie bereits beschrieben, kann Web 2.0 einige unliebsame Nebenwirkungen haben.  Eine davon ist bereits eingetreten: Traditionelles Marketing ist immer mehr auf dem Rückzug.  Denn Web 2.0 hat im Punkto Marketing eine Revolution in den Köpfen der potentiellen Käufer ausgelöst: Die Käufer haben sich emanzipiert. Sie haben sich vernetzt und sind damit zunehmend unabhängiger von der Werbemaschinerie der Verkäufer.

Denn: Wer etwas verkaufen will, muss nicht mehr nur einfach der Werbung vertrauen oder vielleicht auf den nächsten Produkttest der Stiftung Warentest warten. Nein, wer etwas kaufen will, sucht im Web 2.0 in den zahlreichen Produkttest-Foren oder auf einschlägigen Blogs nach der Meinung der anderen User oder tut seine eigene Meinung anderen kund.  Und zwar aus Freude am Geben.

Diese Freude am Geben versuchen einige Firmen bereits zu korumpieren – indem sie für Kundenmeinungen Geld zahlen – Crowdsourcing, praktisch eine neue Art von Outsourcing. Doch dabei gibt es Probleme, denn das Kapital eines unabhängigen Bloggers oder neutralen Produktesters ist ja gerade das – seine Unabhängigkeit. Und so passiert folgendes:

Marketingakteure, die an die Communities andocken wollten, bekamen das schon mehr als einmal bitter zu spüren. Schlichte Ansätze mit dem Ziel, attraktive Zielgruppen zu ködern, sind vor diesem Hintergrund zum Scheitern verurteilt, da das Alleinstellungsmerkmal und das soziale Kapital der Blogger gerade ihre Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit ist. Das Konzept des bezahlten Bloggens wird als Bedrohung für die Glaubwürdigkeit der virtuellen Graswurzelbewegung verstanden und deshalb mit Skepsis betrachtet – der Blogger riskiert schlichtweg die Abwanderung seiner Leserschaft. (Quelle)

Was also müssen Marketingfirmen tun, die das Web 2.0 für Ihre Zwecke nutzen wollen?  Zunächst einmal: Geduld haben. Denn die Gesetze des Web 2.0 lassen sich nicht schemenhaft anwenden und schon gar nicht auf alle und jede Situation übertragen. Und dann: Marketing in Maßen. Denn sonst pervertiert sich das Web 2.0-Markting selbst. Und schließlich dabei immer im Kopf behalten: Web 2.0. Marketing funktioniert vor allem über Vertrauen.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

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