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Wie L’TUR mit der Piratenpartei wirbt

Für Aufregung bei der Piratenpartei sorgte dieser Tage diese Wahlwerbung des Touristikunternehmers L’TUR, die mit dem Wahlsieg der Piratenpartei in Berlin kokettiert. Das war wohl witzig und aktuell gemeint, ist aber aus gleich mehreren Gründen daneben.

Piratenpartei

Ich persönlich freue mich ja, dass der Einzug von 15 Piraten ins Berliner Parlament bundesweit ein solches Echo hervorruft. Heute abend zum Beispiel ist Christopher Lauer bei Stefan Raab zu Gast. Das deutet daraufhin, dass auch das Internet in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird.

Witzig und modern?

Was aber der Lastminute-Reiseveranstalter L’TUR gemacht hat, geht ein bisschen zu weit und auch an der Zielgruppe vorbei: “Noch besser als 15 Sitze im Parlament? 15 Plätze am Strand” steht da rechts oben in der Ecke. Darüber prangt, ziemlich versteckt in dem ganzen Pink, das orangefarbene Logo der Piratenpartei.

Da wollte L’TUR wohl besonders witzig und modern sein. Ist es aber nicht – und das aus mehreren Gründen: Zum einen versteht diesen Witz niemand, der nicht mit dem Thema Politik/Berlin/Internet zu tun hat.

Wer erkennt den Witz?

Gut, davon dass die Piraten ins Berliner Parlament eingezogen sind, hat selbst die schwäbische Hausfrau in Hintertupfingen vernommen. Aber dass es genau 15 sind – da habe ich so meine Zweifel. Und das macht ja genau den Witz dieser Werbung aus.

Bei L’TUR scheint man sich der Sache übrigens selbst nicht so ganz sicher gewesen zu sein – hätte man die Werbung sonst etwas verschämt oben rechts in die Ecke geklatscht?

An der Zielgruppe vorbei

Abgesehen davon geht die Werbung schlicht an der Zielgruppe vorbei: Die internet-aktiven, jungen Leuten, die ich so kenne, sind eher nachhaltig denkend und ökologisch interessiert. Ob sie einen Last-Minute-Urlaub ausgerechnet auf Mallorca oder in Dubai buchen würden, wage ich zu bezweifeln.

Schließlich bleibt noch die Frage nach dem Urheberrecht: Auch ohne die Verwendung des Piraten-Logos würde ich den Spruch für geschmackslos bis fragwürdig halten.Was hat schließlich Politik mit einem Pauschalurlaub zu tun? Nichts! Da hat bei L’TUR wohl jemand schnell agiert, ohne länger nachzudenken!

Verstoß gegen das Markenrecht

Die Verwendung des Logos allerdings ist ein Verstoß gegen das Markenrecht. Zumindest – und davon gehe ich aufgrund der Diskussionen bei Twitter mal aus – wenn die Piratenpartei L’TUR nicht erlaubt hat, das Logo zu verwenden. Und offenbar ist das Logo ja als Marke eingetragen.

Vielleicht hat man sich aber bei L’TUR gedacht, dass eine Partei, die nicht unbedingt für die Einhaltung von Marken- und Urheberrechten steht (zumindest in der landläufigen Öffentlichkeit), sich darüber nicht aufregen wird bzw. ihr Logo gar nicht als Marke hat eintragen lassen?

Wer macht für wen Werbung?

Die Piraten sehen das allerdings eher gelassen und fragen sich, wer da für wen Werbung macht. L’TUR hingegen freut sich über das große Feedback. Naja, andere Aktionen wurden durchaus heftiger diskutiert!

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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