Berufebilder by Simone Janson

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Existenzgründung » Ideenbörse & Marketing » Gründerreport Hans Ifkowitsch:
Erfolgreich gründen über 50!

36 Jahre lang bei Woolworth angestellt, aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt und anschließend auch nach 40 Bewerbungen keine Aussicht auf eine weitere Festanstellung – das war die Situation von Hans Ifkowitsch aus Völklingen. Er stand vor einem beruflichen Scherbenhaufen.

Die Frage hieß: entweder Hartz IV oder sich noch einmal zusammenreißen, das Heft selbst in die Hand nehmen und sich selbstständig machen. Obwohl er sich das zuerst gar nicht vorstellen konnte: Er hat es geschafft. Der 58-jährige Hans Ifkowitsch ist seit September 2009 Inhaber von „Fenster-Dekorationen Hans Ifkowitsch“.

Aller Anfang ist schwer

„Am Anfang war es nicht leicht, über eine Selbstständigkeit nachzudenken, und dann noch in meinem Alter“, sagt Ifkowitsch. Er wollte zwar in eine Festanstellung, sah in der Existenzgründung dann aber eine neue berufliche Chance. Nicht zuletzt auch durch seine Tochter, die ihm das Thema schmackhaft machte. Sie ist selbst Inhaberin eines erfolgreichen Einzelhandelsgeschäfts und arbeitet beim Existenzgründerbüro GraL – Gründung aus Leidenschaft als freie Mitarbeitern.

So kam der Kontakt zu den GraL-Beratern Reinhard Butz und Thomas Katmann zustande, die Hans Ifkowitsch in der Gründungsphase unterstützten. „Die Erfahrung zeigt, dass gerade bei Älteren, die im eigenen Bereich gegründet haben, gute Erfolgsaussichten bestehen. Sie bringen oft eigene Kunden mit, haben viel Lebenserfahrung und dadurch sehr gute Startbedingungen“, sagt Butz.

Gute Kontakte sind wichtig!

Gute Kontakte hat auch Hans Ifkowitsch mitgebracht. Heute wird er bereits von vier Unternehmen mit Dekorationen beauftragt und hat darüber hinaus auch schon eigene Kunden gewonnen. Damit ist er bis zu 80 Prozent ausgelastet. „Ich fühle mich jetzt wohl in meiner Haut, weil ich selbst über meinen Erfolg entscheide und nicht irgendetwas hinnehmen muss, was andere mir vorgeben. Außerdem weiß ich inzwischen: mein Unternehmen rechnet sich“.

Seine Basis ist eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel und 36 Jahre Berufserfahrung bei Woolworth. Er kennt alle Probleme von A bis Z, die auftauchen können. Er kennt die Lieferanten und die Stoffe, Muster und Farben. „Aber ich hatte keine Ahnung von aktuellen betriebswirtschaftlichen Dingen, von der Steuer, von Abschreibungs-möglichkeiten aber auch von ganz anderen Themen wie zum Beispiel: wie sieht ein Flyer aus, der meine Kunden anspricht?“.

Beratung vor der Gründung ist wichtig!

Um sich über solche Themen zu informieren, hat er vor der Gründung eine Beratungsförderung beantragt. In einem Zeitraum von sechs Monaten besprach er mit seinen Beratern in fünf Terminen die für ihn relevanten Themen.

Der GraL-Berater Thomas Katmann sagt: „Am Anfang unserer Beratung standen ganz einfache W-Fragen wie zum Beispiel: Warum will Herr Ifkowitsch überhaupt ein Unternehmen gründen? Welche persönliche Motivation steckt dahinter? Ist das Unternehmenskonzept finanzierbar? Und wie sieht es mit der Unterstützung durch die Familie aus?“

In einem zweiten Schritt prüften die Berater, in welchen Bereichen genau Hans Ifkowitsch Unterstützung brauchte. Da ging es dann um Themen wie die Erstellung eines Businessplans. Das beinhaltet beispielsweise eine fundierte Finanzplanung, aber auch die Klärung der Gründungsformalitäten und welche Rechtsform für das Unternehmen gewählt werden sollte.

Nur nicht blauäugig sein!

Hans Ifkowitschs Fazit heute: „Natürlich muss ich jetzt manchmal zwölf Stunden am Tag arbeiten. Aber ich kann mich dafür auch mal an einem Vormittag mit meiner Frau in der Stadt treffen. Ich bin mein eigener Chef, habe meinen eigenen Kundenkreis und mehrere Standbeine.

Es ist ganz wichtig, nicht einfach blauäugig in die Selbstständigkeit reinzugehen, sondern sich fundiert beraten zu lassen. So habe ich erfahren, dass ich vom Staat einen Gründungszuschuss für die ersten neun Monate erhalte, um mir meinen Lebensunterhalt zu sichern. Oder auch, dass ich mich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern kann. Das beruhigt mich ungemein“.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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