Der Unternehmer kann seinen Betrieb dann eigenverantwortlich führen und die Insolvenzmasse haftet nicht für die entstehenden Verbindlichkeiten. Auch die Einkünfte aus seiner selbständigen Tätigkeit kommen, falls der Insolvenzverwalter ihre rechtlichen Beziehungen zur Insolvenzmasse löst, dem Schuldner zugute und werden nicht der Insolvenzmasse zugeschlagen.
Allerdings muss jeder Unternehmer von seinen Einkünften so viel an die Insolvenzmasse abführen, wie pfändbar wäre, wenn es sich um Arbeitseinkommen handelte. Und auch die EU will die Sanierung von Unternehmen und den wirtschaftlichen Neubeginn redlicher Schuldner vereinfachen.
Offenheit statt Angst
Aber jeder kann auch selbst zur positiven Entwicklung beitragen: indem er offen über sein Scheitern redet. Klar macht das am Anfang Angst – denn wer gibt schon gerne zu, dass er eben nicht der perfekte, erfolgreiche Unternehmer ist? Doch meist hat die direkte Umgebung ohnehin schon gemerkt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Doch um jeden Preis den schönen Schein wahren zu wollen, wirkt meist nur lächerlich und erweckt Misstrauen.
Wer sich aber traut, seine Probleme offen auszusprechen, kann in vielerlei Hinsicht nur gewinnen: Angefangen beim Respekt seiner Mitmenschen, denn der Mut, offen zu seinen Fehlern zu stehen, wird belohnt – vor allem dann, wenn der gescheiterte Unternehmer nicht untätig herumjammert, sondern aus seinen Fehlern gelernt hat und es noch einmal versuchen will. Man wird nicht mehr nur als Unternehmer wahrgenommen, sondern als Mensch – das bringt Sympathien ein.
Vorbildeffekt
Andere Selbständige merken auf diese Weise, dass da jemand mit ähnlichen Problemen ist und das Scheitern zum Unternehmertum einfach dazugehört.
Im besten Fall beginnen sie, ebenfalls über ihre Schwierigkeiten zu reden. Der Austausch über Probleme ist jedoch nicht nur ein gegenseitiges Wunden-Lecken: Im Idealfall finden auf diese Weise Kompetenzen zusammen, die sich optimal ergänzen. So entstehen durch Synergieeffekte neue Ideen und die echte Chance, gemeinsam etwas Neues auf die Beine zu stellen.
Zeit für den Tabubruch
Und mehr noch: Allmählich könnte das Darüberreden dazu führen, das Tabu zu brechen. Die Möglichkeit, dass Unternehmer auch scheitern können, wäre dann etwas, das gemeinhin als Selbstverständlichkeit akzeptiert würde – als etwas, das eben jedem passieren kann.
Damit wäre es in Deutschland vermutlich bald ebenso normal wie in anderen Ländern, dass Pleitiers einfach wieder neu gründen. Am Ende könnte sich das vor allem positiv auf die Unternehmenskultur auswirken: Das allgemeine Misstrauen gegenüber Unternehmern würde abnehmen, mehr Leute würden ihre Angst vor der Selbständigkeit verlieren. Gut für die deutsche Wirtschaft!
31. Januar 2010 um 19:52 Uhr
Super Post, kaum etwas hinzuzufügen!