Tatsächlich erinnert im Kreuzberger BCN-Büro am Paul-Lincke-Ufer wenig an Großraumbüros im klassischen Stil: Der große Raum ist mit Säulen unterteilt. An den Wänden hängen großformatige Kunstwerke des Künstlers Kumar, weiße Schreibtische mit Rollcontainern und stylischen Schreibtischlampen lassen eher an ein Design-Studio als ein einen Arbeitsplatz erinnern.

Kunst als Bürokonzept
Das Loft verfügt zudem über eine großzügige offene Küche, eine Sofaecke und einen Innenhof. Und im Gegensatz zum Betahaus hat hier jeder sein eigenes Telefon. Nur die Stühle sehen auch hier ziemlich unbequem aus. Und wer glaubt, beim Arbeiten verträumt auf den Kanal blicken zu können, der täuscht sich: Das BCN-Hauptquartier befindet sich in einem Hinterhof.
Alles in allem gefällt mir das Konzept sehr gut – vor allem ist sie Atmosphäre ruhig und angenehm, aber dennoch kreativ und kommunikativ.Kumar, der sich als Vorreiter des Co-Working-Gedankens in Deutschland sieht, war auf die Idee gekommen, weil er sein Loft, das er als Atelier nutzte, alleine nicht halten konnte. Mittlerweile befinden sich hier 10 Arbeitsplätze mit Telefon, Internet, Drucker, Schreibtischlampe und abschließbarer Ablage.



Geschlossene Gesellschaft?
Wer einen Arbeitsplatz mieten will, zahlt 200-250 Euro, Zugang besteht mit Chipkarte rund um die Uhr. Anders als beim Betahaus kann sich hier aber nicht jeder einmieten: Gesucht werden vor allem längerfristige Mieter “dann lässt sich auch schonmal über den Preis verhandeln”.
Und auch wenn Kumar das nicht so direkt sagen möchte, legt er offenbar gewisse Auswahlkriterien an: So seien alle Mieter hier in ihrem Job erfolgreich, so dass auch alle anderen Nutzer von den Networkingeffekten profitieren können.


Networking-Effekte weit über das Büro hinaus
Und diese Networkingeffekte reichen weit über das Büro hinaus. Nicht nur, dass im Hinterhof auch Handwerker, Tänzer und andere Künstler ihre Räumlichkeiten haben, so dass man sich bei Bedarf aushlefen kann:
Das Besondere am BCN-Konzept: Weltweit gibt es 7 BCN-Standorte an exotischen Orten der Welt (Indien, Nepal, USA, Manjove-Wüste); die Mieter sind international und vor allem in der Kunstszene aktiv. Und so lässt sich dann Reisen und Arbeiten ganz aktiv miteinander verzahnen.
BCN-Goa
BCN Graz

BCN Manhatten
Website
Leider wurde das Konzept des Büros, eine angenehme, stylische Atmosphäre zu schaffen, nicht auf die Website übertragen: Die macht ihrem Namen alle Ehre und erinnert mich irgendwie an eine Fluggesellschaft.
Gehört vermutlich auch zum ironischen Spiel mit dem Namen und soll den Reiseaspekt beim Konzept betonen, wirkt aber auf mich ein wenig ungemütlich. Ein paar schöne Fotos vom Büro, wie ich sie mir hier für den Artikel mal ausgeborgt habe, hätten mich Online mehr überzeugt. Leider muss man die aber erst suchen.
BCN Berlin
28. Oktober 2010 um 15:20 Uhr
Das Konzept von BCN ist eine gute Sache. Die Arbeitsplätze sind großzügig und die Räumlichkeiten hell. Allerdings finde ich die Mietpreise recht hoch. Aber durch die Networking Effekte dürfte es sich für Leute aus der Kunstszene lohnen. Aber wie sieht es mit anderen Mietern aus, findet man dort ausschließlich Menschen aus dem Bereich Kunst?
28. Oktober 2010 um 17:38 Uhr
Hallo Bastian,
Warst du schon mal vor Ort? Du kannst dich ja auch einfach mal beim Betreiber erkundigen.
Es waren im BCN eher Leute aus der Kreativszene, also z.B. Leute, die Websites programmiert und designd haben. Keine Maler. Ich denke, vom Networkingeffekt mach das BCN am meisten Sinn, da laut Betreiber sind die Mieter in ihrem Job beruflich erfolgreich sind und wohl auch entsprechend ausgewählt werden. Will heißen, es kommt wohl nicht jeder rein – was ja auch ein Nachteil ist, je nachdem wie man es sieht.
Im Betahaus z.B. – www.berufebilder.de/about/featured/serie-coworking-arbeitsplaetze-im-test-das-betahaus-in-berlin-kreuzberg – waren vor allem Leute aus der IT-Szene, aber z.B. auch Online-Vermarkter. Und da das Betahaus größer ist, gibt es auch mehr Leute und eine größere Durchmischung.
Prinzipiell finde ich es aber sinnvoll, auch mit Leuten aus anderen Branchen zusammen zu arbeiten. Also als Journalist bin ich froh, wenn ich auch mal Web-Spezialisten kenne. Oder uns wurde das Beispiel von einer Modedesgnerin aus New York genannt, die im BCN arbeitete und dort auch gleich eine Näherin gefunden hat.
Generell ist bei diesen Angeboten aber doch auch immer eine hohe Fluktuation gegeben. Wenn man sehr großen Wert darauf legt, mit bestimmten Leuten zusammenzuarbeiten, muss man vielleicht doch ein eigenes Büro o. einen eigenen Co-Working-Space aufmachen.
Gruß
Simone