Schon schlimm genug, das Anette Schavan für die Bildzeitung und deren App wirbt (meine Meinung dazu habe ich hier dargelegt) – sie weiß offenbar auch noch ganz genau, dass das eigentlich nicht korrekt ist – das jedenfalls zeigt ein Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Die Quelle
Mein Leser, der lieber unerkannt bleiben möchte, betreibt ein Portal, auf dem er einen Katalog mit derzeit etwa 60 Bildungsangeboten verzeichnet. Auf der Seiten sind die Screenshots, eine kurze Beschreibung sowie die Kosten für den User dargestellt.
Eine Übersichtsdatenbank also, die mir im übrigen eher wie ein idealistisches Projekt denn wie ein kommerzielles Online-Angebot mit Gewinnerzielungsabsichten daher kommt. Sicher, es wird auch um Sponsoren geworben: Indes ist auf der Seite weit weniger Werbung zu finden als z.B. bei mir im Blog.
Der Inhalt
Mein Leser hat nun die Bundesbildungsministerium Anette Schavan im August 2010 um ein Grußwort für seine Seite gebeten, das sicher auch einen Werbeeffekt gehabt hätte. Nach beinahe zwei Monaten kam – die Absage.
Genannt werden drei Begründungen, darunter auch die Aussage, dass kommerzielle Anbieter nicht unterstützt werden können. Ich stelle hier den Brief zur Verfügung, habe aber die Stellen, die meinen Leser verraten könnten, geschwärzt.
Update: Die Unterschrift habe ich auf Anraten eines Kollegen auch noch gepixelt.

Die Worthülsen
Um es gleich zu sagen: Bei der Begründung dürfte es sich um Textbausteine handeln, bei denen sich Ministerialdirigent Dr. Stefan Luhr noch nichtmal die Mühe gemacht hat, diese auf den vorliegenden Fall anzupassen.
Warum in dem vorliegenden Fall keine Zuständigkeit für Berufliche Aus- und Weiterbildung bzw. kein Übergang der Bildungsbereiche vorliegt, ist mir schleierhaft. Auch von einer Förderung zu sprechen, ist in diesem Falle falsch, schließlich wurde Frau Schavan nicht nach finanziellen Fördermitteln gefragt.
Die Fragen
Aber nun gut, wenn man das Wort “Förderung” großzügig als “Unterstützung” auslegt und also verstehen will, dass das Bildungsministerium keine kommerziellen Anbieter unterstützen möchte, was ich prinzipiell auch nicht nicht falsch finde – dann, ja dann tun sich im Zusammenhang mit der BILD-Werbung dann doch einige Fragen auf:
- Ist die Bild-Zeitung denn kein kommerzieller Anbieter – wer weiß, vielleicht ist sie ja öffentlich gefördert?
- Ist die Bild-Zeitung für Berufliche Aus- und Weiterbildung zuständig oder agiert am Übergang der Bildungsbereiche?
- Ist die Bild-Zeitung inhaltlich wertvoller als kleine Bildungsportale – und wenn ja für wen?
- Wie viel Geld muss man Frau Schavan zahlen, damit Sie ihre oben genannten Grundsätze über Bord wirft?
- Macht Anette Schavan nur Werbung, wenn genügend Publikum vorhanden ist?
- Oder gibt es da andere Verzahnungen, von denen wir nichts wissen?
Bei den letzten beiden Punkten spiele ich darauf an, dass Alice Schwarzer, die ja auch für die Bild-Zeitung geworben hat, für diese auch als Journalistin tätig ist – nach eigenen Angaben, weil sie das Massenpublikum der Bild schätzt. Danke an @Lukaswan für diesen Tweet!
Und Danke natürlich an meinen Leser für das Schreiben und dass ich es hier veröffentlichen durfte!
3. Februar 2011 um 05:59 Uhr
Mich erinnert die Diskussion an das alte, römische Wort: “Divide et Impere !”, “Teile und Herrsche !”, denn die Bildungsszene in Deutschland bedarf dringend einer Erneuerung.
Wenn aber weiter das Chaos von unterschiedlichen Lehrplänen und den bürokratiebedingten “Nichtanerkennungen” von Abschlüssen zwischen den einzelnen Ländern bestehen bleibt, “Wie soll das gehen ?”.
3. Februar 2011 um 09:29 Uhr
Da haben Sie recht! Das ist natürlich noch ein ganz anderes Problem.