#NewWork17 oder Digitale Sklaven? 8 Tipps – Arbeiten, wie Sie wirklich, wirklich wollen – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

#NewWork17 oder Digitale Sklaven? 8 Tipps – Arbeiten, wie Sie wirklich, wirklich wollen


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Industrie 4.0 &  New Work sind die zentralen Schlagworte in der aktuellen Diskussion um die Arbeitswelt der Zukunft. Viele Ängste sind damit verknüpft, aber auch die Chance so zu arbeiten, wie „Sie wirklich, wirklich wollen“ (Zitat, mehr dazu im Text). 8 Tipps, wie Sie das in ihrem aktuellen Job konkret umsetzen.

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht B E R U F E B I L D E… Profil

Angst vor der Automatisierung?

Das Thema Digitalisierung und Automatisierung ist in aller Munde – und mit ihr viele Ängste wie z.B. die, den eigenen Job an einen Roboter zu verlieren oder in einer riesigen Datenflut unterzugehen.

Und tatsächlich gibt es in diesem Zusammenhang Probleme, die sich vermutlich nur politisch lösen lassen, wie etwa die soziale Absicherung der vielen Menschen in prekären Beschäftigungen – in die Schlagzeilen geraten ist hier z.B. der Fahrdienst Ueber. Selbst Digitale Propheten wie Sascha Lobo, der mit “Wir nennen es Arbeit” die Bibel der Digitalen Boheme schrieb, haben mittlerweile erkannt, dass der Wandel der Arbeitswelt auch viele Nachteile mit sich bringt.

New Work: Das menschliche Potential entfalten

Doch es gibt auch die positive Sichtweise auf das Thema, die Chancen betont, ein menschenfreundlicheres Arbeitsumfeld schaffen und jedem Menschen die Möglichkeit geben will, sein Potential zu entfalten. Aus diesem Grund nimmt dieser Beitrag Teil an der Blogparade #NewWork17 .

Was soll aber des denn Sein, diese New Work? Der Entdecker des als New Work bezeichneten Ansatzes, Philosophieprofessor Frithjof Bergmann, schlug sich dabei laut Wikipedia zunächst Preisboxer, Fließband- und Hafenarbeiter durch, bevor er in Princton Philosophie studierte. Man kann ihm also glauben, dass er das Arbeitsleben nicht nur von der sonnigsten Seite kennengelernt hatte und tatsächlich gründete er sein erstes Zentrum für Neue Arbeit in der Autostadt Flint in Michigan. Sein Modell versteht er übrigens als Gegenentwurf zum Kapitalismus.

Auf der von Xing veranstalteten New Work Experience kürzlich in Berlin war er nun als Speaker zu Gast und Selbstmotivation als zentrale Frage des New Work formuliert: Jeder Arbeitnehmer solle sich fragen „Was möchte ich wirklich, wirklich tun?“ und daraus seine Arbeitswelt selbst gestaltet. Aufmerksam gemacht auf die Veranstaltung hat mich übrigens Lars Hahn mit seinem Beitrag auf Xing.

Was der Einzelne ändern kann

Nun werden Sie einwenden, dass das doch nicht so einfach geht – z.B. weil die Rahmenbedingungen stimmen müssen, weil Arbeitgeber die neue Arbeitskultur von oben einführen müssen, weil die Politik erst verbindliche Regelungen schaffen muss und und.

Wie schon gesagt, nicht völlig falsch – und dennoch gibt es einige Punkte, die jeder Einzelne ganz konkret für sich umsetzen kann, um besser, freier und eigenverantwortlicher zu arbeiten. Wie das geht, habe ich schon vor 10 Jahren in meinem von einigen Medien als Bestseller betitelten Buch „Die 110%-Lüge“ beschrieben. Das Buch hat damals schon Wellen geschlagen, es wurde seinerzeit in mehrere Sprachen übersetzt und hat mich in eine ARD-Talkshow geführt.

Mit New Work gegen übertriebene Perfektion

Heute ist das Buch-Thema „Perfektionismus“ aktueller denn je: Denn die Automatisierung zwingt uns, wenn wir nicht gegensteuern, eine immer perfektere, effizientere Arbeitsweise auf, der einzelne Mitarbeiter wird dabei immer kontrollier- und manipulierbarer. Im Zuge von Trends wie Quantified Self werden Selbstoptimierung und Vergleichssucht in Sozialen Medien immer heftiger betrieben. Unternehmen versuchen, die perfekte Eignung von Mitarbeitern bereits lange vor der Einstellung zu prüfen.

Ja sogar Digitale Nomaden, die auf der Suche nach der großen Freiheit ans andere Ende der Welt ziehen, können sich dem digitalen Druck kaum entziehen. Gleichzeitig krankt die Arbeitskultur in Deutschland an vielen Stellen an veralteten, festgefahrenen Strukturen, eine gesunde Fehlerkultur sucht man oft vergeblich und riskiert die deutsche Wirtschaft, mangels Innovationskraft international den digitalen Anschluss zu verlieren.

Ich übertreibe ganz bewusst ein wenig, schließlich soll der Beitrag spannend bleiben. Das perfide an dieser Entwicklung ist, dass der gerade in Deutschland viel gepriesene Anspruch an Perfektion in Wahrheit Erfolg im Arbeitsleben enorm behindert, ja sogar verhindert. Denn wer um jeden Preis perfekt sein will, arbeitet eben nicht motiviert im Flow, sondern angstgetrieben und unter Druck – und genau deshalb leidet so oft die für den Erfolg so wichtige Kommunikation. Druck statt Flow – das ist so ziemlich das Gegenteil von New Work und genau hier kann jeder einzelne für sich gegensteuern, indem er sich die psychologischen Mechanismen bewusst macht.

8 Tipps für New Work: So arbeiten Sie, wie Sie wirklich, wirklich wollen

Dazu gibt es zum Teil sehr simple Maßnahmen, die jeder für sich konkret ergreifen kann. Dazu habe ich hier einmal 8 Punkte aufgelistet, mit dem „Arbeiten, wie Sie wirklich, wirklich wollen“ einen großen Schritt näher kommen.

1. Wann bin ich gut genug?

Meiner Meinung nach eines der Grundprobleme bei der ganzen Sache: Die Frage „wann habe ich eigentlich genug gearbeitet“? Früher hatten wir Arbeitgeber und Stechuhr, und wenn die schlug hat man den Griffel (oder sonst irgendein Gerät) fallen lassen. Feierabend!

Heute wird Home Office wird immer beliebter und immer mehr Unternehmen führen Modelle ein, bei denen Mitarbeiter Arbeitszeit und -Ort selbst bestimmen können. Klingt super, doch die neue Freiheit nimmt Mitarbeiter auch stärker in die Verantwortung selbst zu bestimmen, wann ihre Arbeit gut genug ist.

Studien zeigen, dass ihnen das ausgesprochen schwer fällt und viele Mitarbeiter dazu tendieren, dann immer mehr zu Arbeiten, es sagt ihnen ja keiner, wann es gut genug ist, im Gegenteil, Arbeitgeber kalkulieren sogar mit diesem Überengagement; ich denke nur an Richard Branson, der einführte, dass Mitarbeiter sogar so lange in Urlaub fahren können wie sie wollen – in der Praxis machen die meisten dann weniger Urlaub als vorher.

Genau das ist mir zu Beginn meiner Karriere passiert: In meiner einzigen Festanstellung habe ich den Begriff „Kernarbeitszeiten“ ziemlich wörtlich genommen – mein damaliger Chef war alles andere als begeistert. Dabei hätte ich gerne morgens früher angefangen, weil ich noch etwas vom Tag haben wollte, aber erklären Sie das mal jemandem, der nachtaktiv ist 😉

Als ich mich dann in meinem Traumjob selbständig gemacht habe, dachte ich nun müsste ich endlich glücklich sein. Aber Pustekuchen, der vermeintliche Traumjob wurde zum Alptraum, weil ich 12 Stunden und mehr am Computer hockte. Ich war kurz vor dem Burnout, erste Magenbeschwerden mit Ende 20 inklusive. Und so habe ich zwangsläufig gelernt, immer öfter „Nein“ zu sagen zu schlecht bezahlten Aufträgen, unfreundlichen Kunden oder sonstigen Energievampieren. Für mich war das das Härteste an der ganzen Selbständigkeit.

Daher bin ich heute davon überzeugt, dass es gar nicht unbedingt darauf ankommt, was man arbeitet, sondern wie. Oder anders ausgedrückt: Fast jeder Job kann ein Traumjob werden, wenn man nur die Arbeitsumstände ein wenig optimiert. Das hat übrigens auch schon Buchautorin Christiane Nill-Theobald erkannt. Daher hier mein Tipp aus der eigenen Erfahrung:

Was Sie konkret tun können:

Führen Sie sich stets vor Augen, dass Ihre Arbeit gut genug ist. Wenn Sie verbissen und hektisch an der Erledigung einer Aufgabe arbeiten: Machen Sie eine Pause und fragen Sie sich ganz bewusst: Was konkret würde passieren, wenn diese Arbeit jetzt nicht fertig oder nicht ganz so akkurat ausgeführt würde wie beabsichtigt? In vielen Fällen ist das weit weniger schlimm als gedacht. Also einfach öfter mal tief durchatmen, besser einfach eine Runde spazieren gehen und den Kopf durchlüften – dann sieht die Welt längst nicht mehr so problematisch aus. Glauben Sie mir, es hilft!

2. Keine Angst vor der Automatisierung

Automatisierung – bei diesem Stichwort haben viele Angst, am Arbeitsplatz durch Roboter ersetzt zu werden. Einige Experten sagen sogar voraus, dass in 20 Jahren 50% der Arbeitsplätze der Digitalisierung zum Opfer fallen. Wie groß diese Ängste sind, merke ich auh immer daran, dass entsprechende Beiträge hier auf B E R U F E B I L D E R . D E besonders häufig geklickt, geliked, verlinkt und kommentiert werden – etwa dieser Beitrag zur Automatisierung der Arbeitswelt oder erst vorige Woche dieser Text über Automatisierung im Recruiting.

Auch politisch wird dieses Thema natürlich diskutiert, ein häufig genannter Lösungsansatz ist das Bedingungslose Grundeinkommen für alle, doch das Problem reicht tiefer, weit über finanzielle Aspekte hinaus: Arbeit ist in unserer Gesellschaft ein Wert an sich und wer keine hat, fühlt sich in unserer Gesellschaft trotz sozialer Absicherung wertlos.

Was Sie konkret tun können:

Machen Sie sich bewusst: Dass Arbeit ein so wichtiger Teil unseres Leben ist, der eben nicht nur dem Broterwerb dient, sondern eine sinnstiftende Identifizierung bietet, ist kein „gottgegebener“ Zustand: Vielmehr ist es das Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten etwa 300 Jahre, Stichwort protestantisches Arbeitsethos – und dieses Bewusstsein kann und muss sich im Zuge der Digitalisierung auch wieder ändern.

Suchen Sie also ganz bewusst einen sinnstiftenden Ausgleich zu ihrem „Brotjob“, der Ihnen Freude, soziales Miteinander und Abwechslung bietet. Fokussieren Sie dabei gezielt Eigenschaften, die Menschen von Robotern unterscheiden, nämlich Empathie und Menschenorientierung – etwas das sich einer großen Kompetenz-Metastudie zufolge viele Mitarbeiter gerade von Führungskräften wünschen. Welche Überraschung!

3. Kommunizieren Sie klar, was Sie wollen!

Nicht zuletzt der Wahlsieg von Donald Trump zeigt, dass im digitalen Zeitalter einfache, für alle verständliche Kommunikation wichtiger denn je ist. Ja mehr noch, wer Erfolg haben will, dem sei ständige Selbstdarstellung bis bis zur Aufgabe der eigenen Würde angeraten – die Stars aus dem Dschungelcamp, von Yotube und Instagram machen es vor, wie sie mit peinlicher Selbstdarstellung Millionen erreichen.

Für viele Arbeitnehmer, gerade in Deutschland, die am liebsten fleißig und still am Schreibtisch agieren, ist dieser zunehmende Narzissmus in Sozialen Netzwerken allerdings eher befremdlich. Und schnell fragt man sich: Wann ist eigentlich die Grenze zwischen Selbstmarketing und Schummelei überschritten. Hier gilt wieder Punkt 1: In einer eigenverantwortlichen Arbeitswelt entscheiden Sie selbst, wann etwas genug ist – und müssen im schlimmsten Fall einfach mit den Konsequenzen leben.

Was Sie konkret tun können:

Auch wenn es im ersten Moment gewöhnungsbedürftig scheint: Gute Arbeit, die niemand wahrnimmt, verpufft regelrecht. Weisen Sie daher gezielt auf ihre Erfolge hin, z.B. im Meetings, agieren Sie kommunikativer und charmanter. Klingt banal, ist aber für viele auf Effizienz fokussierte Menschen ein Problem.

Achtung: Das bedeutet nicht, dass Sie die Grenzen zu Dummschwätzerei und plakativer Selbstvermarktung überschreiten müssen, aber etwas mehr Eigenlob (als sich viele zugestehen) hat noch keinem geschadet.

Hilfreich ist es darüber hinaus, Ihren Mitmenschen klar zu kommunizieren, was Sie wollen – und was nicht. Tatsächlich lavieren sich sehr viele Menschen um den heißen Brei herum, statt zu sagen, was sie wollen. Viele Mitmenschen verstehen dies aber nicht (oder wollen es nicht verstehen?). Sie werden überrascht sein, was plötzlich alles funktioniert, wenn Sie deutlich, aber möglichst ruhig und sachlich, sagen was Sie wollen. Und es ist auch für alle anderen deutlich angenehmer als wenn Sie plötzlich und überraschend vor lauter Frust ausflippen, weil Sie Ihren Ärger zunehmend in sich hineingefressen haben. Ich spreche da aus eigener Erfahrung!

4. Weg mit Selbstoptimierungswahn & Vergleichssucht

Es fällt mir vor allem bei Instagram auf, wo ich ständig mit Fitness- und Abnehm-Fotos konfrontiert werde, aber bei Facebook nerven mich die Statusmeldungen vom letzten 10KM-Lauf irgendeines entfernten Kontakts. Und ich frage mich dann, was das soll.

Tatsache ist: Früher mussten Manager und andere karriereorientierte Menschen vor allem gute Leistung erbringen, heute müssen sie auch noch gut aussehen und einen Marathon durchhalten – Quantified Self lässt grüßen. Denken Sie nur daran, wie oft sich die Medien über das Aussehen von Frau Merkel lustig machen. Und da sind wir dann auch gleich bei den übertriebenen, unrealistischen Schönheitsidealen, denen sich Frauen gerade auch in Sozialen Medien ausgesetzt sehen. Denn diese befördern und übersteigern durch die plakative Selbstdarstellung den natürlichen, menschlichen Wunsch sich zu vergleichen. Neid und sozialer Stress sind praktisch vorprogrammiert und ist dann jeder entsetzt, wenn sich im Netz gemobbte Jugendliche umbringen.

Was Sie konkret tun können:

Machen Sie sich klar, dass andere Menschen auch nur mit Wasser kochen und dass Sie in Sozialen Medien häufig nur die geschönten Fassaden und Erfolgserlebnisse wahrnehmen, nicht aber den Stress und die Mühen dahinter. Schalten Sie auch selbst mal einen Zahn zurück und sprechen Sie mit anderen Menschen gezielt auch über die Downs im eigenen und anderer Leute Leben. Vergessen Sie nicht: Wir sind alle nur Menschen, keine Roboter!

5. Entstressen – aber bitte freiwillig!

Wer entspannt ist und nicht überfordert, arbeitet besser und motivierter, sozusagen im Flow. Auch Unternehmen haben das längst erkannt und wollen ihre Mitarbeiter durch die perfekte Arbeitsumgebung in einen Zustand ständiger Kreativität zu versetzen.

Dazu locken sie mit Kickertischen, hippen Spiele-Büros und Gemeinschaftsurlauben. Vielen Mitarbeitern wäre allerdings ein höheres Gehalt lieber. Und wie gesund ist überhaupt der Zwang, ständig bei der Arbeit auch noch Spaß haben zu müssen?

Was Sie konkret tun können:

Dieser Tipp stammt aus meinem Interview mit Fionula Meehan, Salesdirektorin von Google Irland – also jenes Unternehmen, das als eines der Ersten seinen Mitarbeitern quasi gezielt Spaß am Arbeitsplatz verordnete. Sie geht Freizeitaktivitäten mit Kollegen gezielt aus dem Weg, statt dem firmeneigenen Fitnesstudio geht sie zum Abschalten beispielsweise eine Runde spazieren. Außerdem strukturiert sie ihren Arbeitstag gezielt so, dass Sie nach 8 Stunden das Büro verlässt und abends mit ihren Kindern essen kann.

6. Nicht mehr funktionieren wie ein Roboter

Perfektion und Effizienz sind gut und schön, allerdings müssen sich immer mehr Menschen in ihrem Arbeitsverhalten an digitale Systeme anpassen: Das beginnt mit Suchmaschinenoptimierung – wer seine Inhalte nicht perfekt für die Inhalte von Google präsentiert, hat das Nachsehen und geht weiter mit dem passgenauen Einfügen von Inhalten in Content-Management-Systeme.

Auch hier kann ich mich durchaus mal ab und an an die eigene Nase fassen, weil ich sehr viel Zeit damit verbringe, dieses Blog möglichst fehlerfrei zu automatisieren. Und vermutlich hört es bei Keyloggern. Mit deren Hilfe können Auftraggeber das Arbeitsverhalten ihrer Arbeitssklaven, pardon, Dienstleister an Computern erfassen. Der Mensch passt sich den Algorithmen an, nicht umegekehrt. Und schnell ist es vorbei auch für Selbständige mit der schönen, neuen Arbeitswelt-Freiheit.

Was Sie konkret tun können:

Vermutlich braucht es für diese Probleme tatsächlich politische Lösungen. Allerdings gibt es hier eine individuelle Komponente: „Das Schlimmste, was man in unserer Gesellschaft tun kann, ist sich gehen zu lassen“ las ich gerade irgendwo. Tatsächlich gibt unzähliche Ratgeber, die zu mehr Effizienz und Ordnung anhalten.

Hier hilft Gegensteuern, um dem rigiden Perfektionswahn zu entkommen. Manchmal – nicht immer – ist es einfach schön und menschlich etwas Verrücktes oder Chaotisches zu machen, statt immer nur funktionieren zu müssen. Denn Menschen lernen eben gerade aus Fehlern und oft genug führte im Laufe der Geschichte der Zufall zu großen Innovationen. Und manchmal passieren auf dem Weg zu einem Ziel die abgefahrensten, tollsten Dinge. Also nicht immer nur stur die eigenen Ziele verfolgen, sondern einfach mal ab und zu rechts und links des Weges schauen.

7. Dem Spion im Badezimmer entkommen

Daten gelten als die Waffe des 21. Jahrhunderts und nicht wenige Unternehmen haben ihr Geschäftsmodell auf den Weiterverkauf von Daten ausgerichtet. Arbeitgeber sammeln mit People Analytics und Active Sourcing längst Daten und Lebensläufe aktueller und zukünftiger Mitarbeiter. Facebook, Twitter, Whatsapp, Handys, Paypal, Payback – alle Dienste, die wir so zur täglichen Kommunikation nutzen, sammeln und senden Daten.

Doch die Gefahren lauern nicht nur hier bei den üblichen Verdächtigen: Auch die Entwicklung von selbstfahrenden Autos wird vorangetrieben, um weitere Nutzerdaten zu sammeln und mittlerweile senden sogar Zahnbürsten Daten über ihr Reinigungsverhalten an die Krankenkasse. Was lustig klingt, wird spätestens dann gefährlich, wenn die Daten zur Manipulation missbraucht werden, um z.B. politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Was Sie konkret tun können:

Natürlich müssen Sie nicht zwangsläufig auf Facebook, Google & Co verzichten und können dies vielleicht auch gar nicht. Allerdings sollten Sie überlegen, welche Digitalen Dienste Sie wirklich benötigen und wo Sie sparsamer mit Ihren Daten umgehen können. Auf die Zahnbürste, die Daten an Ihre Krankenversicherung sendet, können Sie vielleicht wirklich verzichten.

8. Lassen Sie Fehler zu – für mehr Innovation

Deutschland ist international bekannt für seine nahezu perfekten Ingenieurleistungen, man denke nur an die stabile Art wie hierzulande Häuser entstehe, die natürlich auch entsprechend teuer sind. Doch im digitalen Zeitalter ist Perfektion immer weniger gefragt, viel mehr geht es um Felxibilität und Agilität – und selbst Häuser müssten heute flexibler und günstiger, aber dafür weniger langlebig sein.

Kein Wunder also, dass heute international Unternehmen die Nase vorn haben, die im Trial- und Error-Verfahren eine gewisse Risikofreude an den Tag legen, etwa Elon Musk oder Google. Dabei entsteht Innovation genau dadurch, dass Unternehmen aus Fehlern lernen und es neu versuchen. Genau hier steht sich die 0-Fehler-Toleranz vieler Unternehmen selbst im Weg. Schuld daran ist auch unser streng hierarchisch organisiertes Bildungssystem, das innovatives, unternehmerisches Denken kaum vermittelt und daher die Führungskräfte von morgen schlecht auf ihre Aufgabe im digitalen Wandel vorbereitet. So bleibt zu befürchten: Deutschland hängt sich ab.

Was Sie konkret tun können:

Lassen Sie Fehler zu, lernen Sie mit Ihnen umzugehen und lernen Sie aus Ihnen. Haben Sie keine Angst vor der Zukunft und Innovationen, sondern seien Sie offen und neugierig für Neues und technische Innovationen.

Fazit: Chancen nutzen, Risiken nicht schönreden

Zweifellos bietet die Digitalisierung enorme Chancen gerade für junge Unternehmen, aber auch für gesellschaftliche Verbesserungen in Bereichen Kommunikation, Mobilität oder Gesundheit.

Doch gerade um diese Chancen zu nutzen, sollten sich Arbeitnehmer wie Arbeitgeber auch aktiv mit den Risiken und Nachteilen die digitalen Wandels in der Arbeitswelt auseinandersetzen. Nur dann schaffen wir es, langfristig neue, bessere Arbeitsformen gesellschaftlich zu implementieren.

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